Erotikladen von Frauen für Frauen feiert Fünfjähriges

Für sie ist Erotik Wohlbefinden und Wellness: Alexandra Gentara (l.) und Kosha Wenck, die seit fünf Jahren den Laden „Femme Fatale“ betreiben.
Für sie ist Erotik Wohlbefinden und Wellness: Alexandra Gentara (l.) und Kosha Wenck, die seit fünf Jahren den Laden „Femme Fatale“ betreiben.
Foto: Dennis Straßmeier
Der Erotikladen „Femme Fatale“ feiert im Oktober seinen fünften Geburtstag. Vom Schmuddel-Image fehlt an der Friederikenstraße in Rüttenscheid jede Spur. „Ich wollte all das anders machen, was mich an den herkömmlichen Sexshops stört."

Essen-Rüttenscheid.. Naserümpfend und mit Argwohn verfolgte die Nachbarschaft an der Friederikenstraße im Jahr 2007 den Einzug von Alexandra Gentara in das kleine Ladenlokal mit der Hausnummer 18. Ein Sexshop, so die Befürchtung damals, würde schnell zwielichtiges Volk anziehen. Doch die 38-Jährige aus Mülheim wollte eben genau das nicht, als es sie mit ihrem Laden „Femme Fatale - Erotische Kultur“ nach Rüttenscheid verschlug.

„Ich wollte all das anders machen, was mich an den herkömmlichen Sexshops stört. Man soll sich hier wohlfühlen“, sagt Gentara, die in der Nachbarschaft längst angekommen ist. Ein achtjähriger Nachbarsjunge kommt regelmäßig zum Schokolade naschen vorbei und lässt sich am liebsten in das rote Polstersofa fallen. „Man hat sich an uns gewöhnt“, sagt Gentara und ihre Kollegin Kosha Wenck nickt zustimmend. Vor drei Jahren stieg die 56-Jährige als Geschäftspartnerin ein.

Dabei könnten die beiden genauso gut Parfüm oder edle Designertaschen verkaufen, wenn man ihnen das erste Mal die Hand schüttelt. Seriosität und Diskretion sind zwei Attribute, die für die beiden Damen an erster Stelle stehen. Edle Dessous aus Frankreich, erotischer Schmuck, maßgeschneiderte Korsagen mit Edelsteinen, Sexspielzeuge aus Gold und Silber: Die Kunden der beiden suchen besondere Abwechslung. „Die Menschen, die hierher kommen, sind zum großen Teil älter als 30 Jahre“, sagt Gentara.

„Fachgeschäft für Ehehygiene“

Die bislang älteste Kundin war bei ihrem Besuch 85 - und suchte sich rote Spitzenunterwäsche aus, um ihren Mann zu überraschen. „Erotik hat viel mit Wellness und Wohlbefinden zu tun. Genau das wollen wir hier vermitteln“, sagt Gentara, die auch mit Gynäkologen und Paartherapeuten zusammenarbeitet. „Es kommt häufig vor, dass lange verheiratete Paare sich von einem Einkauf hier neue Impulse erhoffen“, sagt sie.

Da passt der prüde wirkende Eintrag im Versicherungsschein: Gentara musste ihr Gewerbe als „Fachgeschäft für Ehehygiene“ anmelden, wohl ein Relikt deutschen Steuerrechts aus den Fünfzigern, wie sie vermutet.

Dabei ist die Mutter einer neunjährigen Tochter alles andere als verschlossen - sie geht bewusst mit dem Thema Sexualität um, ohne es in eine „Schmuddelecke“ zu stellen. So begann sie, erotische Literatur zu verfassen. Unter dem Pseudonym Susan Jones veröffentlichte sie innerhalb von nur zwei Jahren acht Bücher, darunter Titel wie „Der Assistent“ und „Berühr mich“.

Vor allem der US-Buch-Bestseller „Shades of Grey“ bescherte den beiden Frauen an der Friederikenstraße einige Neukunden. „Erotische Literatur ist zurzeit sehr erfolgreich. Außerdem hat das Buch ein Stück weit geholfen, gewisse Themen wie softe Sadomaso-Praktiken gesellschaftsfähig zu machen“, sagt Alexandra Gentara.

Wo Männer gerne shoppen gehen

Dass sie einmal in der Erotik-Sparte landen würde, hätte die ehemalige Vodafone-Produktmanagerin nicht geglaubt. Die plötzliche Arbeitslosigkeit ihres Vaters machte sie dann erfinderisch: Um ihm zu helfen, hob sie „Femme Fatale“ als Vertrieb für hochwertige Erotikartikel aus der Taufe - ursprünglich als Internet-Shop. „Viele Kunden haben uns angeschrieben, ob wir nicht ein Geschäft eröffnen können. So nahmen die Dinge dann ihren Lauf“, erinnert sie sich.

Dabei kommen etwa eben so viele Männer wie Frauen in das kleine Ladenlokal. „Viele wollen ihrer Partnerin ein besonderes Geschenk machen - und sind bereit, dafür etwas mehr zu investieren“, sagt Kosha Wenck und ergänzt mit einem Schmunzeln: „Bei uns begleiten die meisten Männer ihre Frauen ausnahmsweise gerne zum Shoppen.“

 
 

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