Ernüchternde Bilanz - Zahl der Lehrstellen in Essen gesunken

Janet Lindgens
Suphi Bozkurt lernt bei der Firma Energietechnik Essen.
Suphi Bozkurt lernt bei der Firma Energietechnik Essen.
Foto: WAZ FotoPool
Die Industrie- und Handelskammer Essen muss feststellen: Die Ausbildungszahlen sind in Essen stärker als im gesamten Kammerbezirk zurückgegangen. Ein deutliches Minus gibt es unter anderem in den Bau- und Metallberufen. Aber auch das Handwerk steht nicht besser da.

Essen. Zwar endet das Ausbildungsjahr traditionell jeweils am 30. September. Doch schaut die Industrie- und Handelskammer Essen auch noch einmal am Ende eines jeden Jahres darauf, wie viele Ausbildungsverhältnisse zum Stichtag 31. Dezember in den IHK-Firmen insgesamt eingetragen sind.

Und die Bilanz für 2013 fällt dabei eher ernüchternd aus: In der Stadt Essen ist die Zahl der Ausbildungsstellen trotz des doppelten Abiturjahrganges um 114 auf 7008 gesunken. Das bedeutet einen Rückgang um 1,7 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitpunkt 2012 und dieser fällt damit deutlicher aus, als im gesamten Kammerbezirk, zu dem auch die Städte Mülheim und Oberhausen gehören.

In der Regel sind bei den Industrie- und Handelskammern knapp Zweidrittel aller Ausbildungsverhältnisse verzeichnet. „Trotz der unerfreulichen Einbrüche sind die Ausbildungsverhältnisse im IHK-Bereich immer noch auf einem außerordentlich hohen Niveau“, kommentierte Hans Michaelsen, Geschäftsführer der IHK zu Essen gestern die Zahlen.

IHK bietet „Azubi-Speed-Dating“

Einen Einbruch habe es demnach besonders am Bau und in den Metallberufen gegeben, so die IHK. Bei letzteren vermutet die Kammer, dass sich die neuen Tarifregelungen negativ ausgewirkt haben könnten. Die Gewerkschaft IG Metall hatte in der Tarifrunde im Jahr 2012 ausgehandelt, dass Azubis das grundsätzliche Recht auf unbefristete Übernahme nach der Ausbildung haben. Möglicherweise, so vermutet jetzt die IHK, halten sich Unternehmen deshalb bei der Ausbildung zurück und bilden auch nicht mehr über ihren eigenen Bedarf hinaus aus. Deutlich rückläufig waren auch die Lehrstellen im Hotel- und Gaststättengewerbe. Die Banken erreichen eine so genannte „rote Null“.

Aber es gibt auch positive Entwicklungen: So gab es beispielsweise deutlich mehr Ausbildungsstellen in der Elektrotechnik – ein Beruf, wo sich schon heute der Facharbeitermangel bemerkbar macht, wie es immer wieder Umfragen der Verbände zu Tage fördern. Aber auch der traditionell ausbildungsstarke Essener Einzelhandel bietet mehr Lehrstellen an als noch im vergangenen Jahr.

Um Unternehmen und künftige Auszubildende zusammenzubringen, bietet die IHK auch in diesem Jahr ihr „Azubi-Speed-Dating“ an. Es findet am Donnerstag, 27. Februar, 11 bis 16 Uhr in der Philharmonie an.

Über 100 Stellen weniger im Handwerk

Was sich auch im Essener Handwerk schon andeutete, ist jetzt amtlich: Auch dort sind die Ausbildungszahlen 2013 unterm Strich alles andere als rosig ausgefallen. Wie die Kreishandwerkerschaft auf Nachfrage mitteilte, gab es Ende vergangenen Jahres auch bei ihr über 100 Ausbildungsverhältnisse weniger. In Zahlen: Waren Ende 2012 noch 2217 Lehrstellen bei der Kreishandwerkerschaft eingetragen, waren es ein Jahr später nur noch 2107.

Das Minus hatte sich bereits zum offiziellen Ende des neuen Ausbildungsjahres Ende September angedeutet. Insgesamt traten im Handwerk vergangenes Jahr 828 neue Azubis ihre Lehre an, 2012 starteten noch 847. Ulrich Meier, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft: „Genügend Ausbildungsplätze waren da, es fehlten vor allem geeignete Bewerber.“

Die für Essen zuständige Handwerkskammer Düsseldorf warb am Mittwoch unterdessen mit über 80 freien Stellen, die derzeit allein Essener Handwerksbetriebe in der Lehrstellenbörse anbieten. Im gesamten Kammerbezirk seien es über 1300 Ausbildungsplätze, die dort offeriert würden, hieß es.