Erkälteter Bülent Ceylan wird für „Kronk“ in Essen gefeiert

Bülent Ceylan kam mit seinem aktuellen Programm „Kronk“
Bülent Ceylan kam mit seinem aktuellen Programm „Kronk“
Foto: STEFAN AREND
Trotz angeschlagener Stimme ist Comedian Bülent Ceylan in der Grugahalle zur Höchstform aufgelaufen – und von den Fans fast zu Tränen gerührt worden.

Essen..  Viel passender könnte der Titel für ein Comedyprogramm in diesen Tagen wohl kaum sein: „Kronk“, schwäbisch für „krank“, ist aus Sicht des „Mannhemer Vorzeige-Türks“ Bülent Ceylan zurzeit vieles in der Welt – sich selbst eingeschlossen mit triefender Nase und angeschlagener Stimme.

Ob es an den Aspirin lag, mit denen er sich vor seinem Auftritt in der gut gefüllten Grugahalle noch schnell fit schluckte, oder er gar Anflüge von Fieberwahn erlitt, ist unklar. Aber: Ceylan fuhr volle drei Stunden zu Höchstleistungen auf. Für seinen gefühlvollen Song „Nimm’ ein Kind an die Hand“ wurde von seinen Fans am Ende sogar mit stehenden Ovationen gefeiert und damit fast zu Tränen gerührt.

Comedy zum Wohlfühlen, die nur selten unter die Gürtellinie geht

Ceylan, der Sohn eines Türken und einer waschechten Schwäbin, macht Wohlfühl-Comedy mit hohem Konsensfaktor, bei der jeder ein bisschen etwas abbekommt. Etwa Maria, die Griechin im Publikum, deren Nation nicht nur Tampons, sondern auch die Mathematik erfunden hat, wie „man selbst von einem Türken noch lernen kann“. Mathe! Ausgerechnet die Griechen. Es sind Witze dieser Natur, die weder unter die Gürtellinie noch aber zu sehr in die Tiefe gehen, für die ihn sein Publikum feiert.

Dabei erhebt Bülent Ceylan auch gar nicht den Anspruch, politisch zu sein, wie er selbst betont. Wenngleich er weniger mit erhobenem Zeigefinger als vielmehr mit Pragmatismus für mehr Menschlichkeit wirbt, wenn er Sätze sagt wie: „Wenn jeder sich weniger damit beschäftigen würde, alles uncool zu finden und die Zeit darauf verwenden würde, selbst cooler zu werden, hätten wir weniger Probleme.“ Oder empfiehlt, „weniger aufs Smartphone zu schauen. Genießt euer Leben mal!“

Bülent Ceylan führt Komik-Stereotype vor

Ceylan beweist einmal mehr sein Schauspiel- und vor allem Stimmen-Talent, führt mit seinen Figuren Anneliese, Manfred, Harald und Murat Komik-Stereotypen vor: Während der Show schlüpft er mit Hilfe weniger Requisiten in die unterschiedlichen Rollen, mimt mal den Goldketten tragenden Macho Murat, dann den schnoddrigen Hausmeister Manfred.

Bei so viel körperlichem Einsatz verzeihen die Essener ihm denn auch die versagende Stimme während einer Hitler-Parodie, die dadurch fast noch lustiger wird. Der Comedian umgarnt sein Publikum, bedankt sich oft und erinnert an Zeiten vor 14 Jahren, in denen er in der Zeche Carl vor gerade einmal 20 Leuten gespielt hat. Ceylan weiß seinen Erfolg zu schätzen – selbst dann, wenn er eigentlich mit einer Wärmflasche ins Bett gehört.

 
 

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