Essen

Er stach sein Opfer auf Dorstener Schulhof nieder, trat ihr gegen den Kehlkopf - hartes Urteil gegen Patrick S. (20)

Am Donnerstag verurteilte das Gericht Silvia H. und Patrick S. aus Dorsten.
Am Donnerstag verurteilte das Gericht Silvia H. und Patrick S. aus Dorsten.
Foto: Der Westen
  • Patrick S. (20) musste sich vor dem Essener Landgericht verantworten
  • Er hat Michelle H. auf einem Schulhof in Dorsten niedergestochen
  • Seine Freundin soll ihn zu der Tat motiviert haben
  • Heute verkündete die Richterin das Urteil

Essen. Es ist der letzte Tag einer Gerichtsverhandlung, die fassungslos macht.

Patrick S. (20) hat Anfang September des vergangenen Jahres die 17-jährige Michelle H. auf einem Dorstener Schulhof niedergestochen. Zu der Tat angestiftet haben soll ihn seine Freundin Silvia H. (27).

Sie habe ihn unter Druck gesetzt: Beende er nicht seine Liebschaft mit der jugendlichen Michelle, werde sie diese umbringen. Patrick S. kommt ihr zuvor, sticht drei Mal auf Michelle H. ein, tritt ihr wahrscheinlich anschließend mehrmals gegen den Kopf und ritzt ihr mit dem Messer ins Gesicht. Michelle muss notoperiert werden, überlebt die brutale Tat nur knapp.

Harte Urteile gegen die Angeklagten

Am Donnerstag sprach Richterin Karin Maiberg am Landgericht Essen das Urteil. Partick S. wurde wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletztung und schweren Raubes nach Jugendstrafrecht verurteilt. Er muss für neun Jahre ins Gefängnis. Die Höchststrafe nach Jugendstrafrecht liegt bei zehn Jahren.

Die mitangeklagte Silvia H. wird nach Erwachsenen-Straftrecht wegen versuchten Todschlags, gefährliche Körperverletztung und schweren Raubs zu neun Jahren und vier Monaten verurteilt.

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Warum trat er seinen Opfer noch ins Gesicht?

Eine Frage, die die Vorsitzende Richterin Karin Maiberg am Donnerstag besonders beschäftigt: Hat Patrick S. tatsächlich noch auf sein Opfer eingetreten, nachdem er bereits auf das Mädchen eingestochen hatte?

Als sie Patrick S. detailliert zum Tathergang befragt, gibt er bereitwillig zu, ein Messer in seinem Ärmel versteckt zu haben. „Erst zwei Stiche oben, der letzte in Richtung Bauch“, schildert er trocken die Tat. Er wirkt distanziert, beinahe cool. Sein Führungszeugnis offenbart eine bereits verbüßte Jugendhaftstrafe von dreieinhalb Jahren. Die Situation vor Gericht scheint ihm vertraut zu sein.

Die Richterin hakt nach. Sie wiederholt ihre Frage. Partick S. verneint. Darauf raunt ihm sein Strafverteidiger zu: „Sag die Wahrheit.“ Patrick S entgegnet: „Ich sage die Wahrheit!“

Bis zuletzt bestritt der 20-Jährige, Michelle noch ins Gesicht getreten zu haben. Frakturen im Kopfbereich des Opfers beweisen, dass eine Person nach den Messerstichen noch auf das Opfer eingetreten haben muss. Im Prozess äußerte Richterin Maiberg die Vermutung, dass sich Patrick S. im Nachhinein für die nachträgliche Gewaltaktion schäme.

Deshalb wird Patrick S. nach Jugendstrafrecht verurteilt

Zum Tatzeitpunkt war S. gerade einmal 20 Jahre alt. Somit kann er sowohl nach Jugend-, als auch Erwachsenen-Strafrecht verurteilt werden. Zwei Gutachter empfehlen die Verurteilung nach Jugendstrafrecht. Der Täter habe bereits mit acht Jahren ADHS diagnostiziert bekommen, trinkt das erste Mal mit 11, weitere Drogen folgen mit 12. Abhängig sei er laut Gutachten jedoch nie gewesen.

Eine weitere Tat beweist Patrick S. dissoziales Verhalten. Zusammen mit Freunden soll er nach einer Streitigkeit in die Wohnung einer Bekannten eingebrochen sein. Sie lauerten ihrem Opfer auf seinem Balkon auf, schlugen Fenster ein, verprügelten den 38-Jährigen und flohen. Auch sollen er und Silvia H. für einen Überfall auf einen Dönerladen verantwortlich sein. Im Strafmaß wurden diese beiden Taten mit berücksichtigt.

Laut dem Facharzt für Psychatrie, Jörg Heller, sei Patrick S. unreif, seine Persönlichkeit noch formbar. Nachdem er das Gutachten verlesen hat, fragt die Staatsanwältin, ob bei S. nicht „Hopfen und Malz“ verloren sei. Er muss lange überlegen. „Er braucht feste Strukturen“, antwortet er. Nur dann bestehe die Hoffnung auf eine straffreie Zukunft.

 
 

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