Essen

„Er hätte mich einfach erschießen können“ - Zeuge schildert tödlichen Libanesen-Streit vor Gericht

Felix Laurenz
Was wir bereits wissen
  • Zeuge Michael V. erlebte den tödlichen libanesischen Familienstreit im April aus nächster Nähe
  • Er ging zwischen zwei Autos in Deckung
  • Der 63-Jährige stand Auge in Auge mit einem Pistolenschützen

Essen. Es war eine Nacht, die Michael V. niemals vergessen wird. Er wurde Zeuge einer brutalen Gewalttat - mitten in Essen. Er war dabei, als Mahmoud M. am 9. April den Deutsch-Libanesen Mohammed E. mit sechs Schüssen niederstreckte. Vor Gericht schilderte er am Freitag erstmals die Horror-Nacht.

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Der 63-Jährige Michael V. und sein Freund waren auf dem Weg in die Turmstraße. Dort wollten sie sich mit Freunden in einer Bar treffen.

„Was da passiert ist, war völlig unvorstellbar“

Als sie über die Friedrich-Ebert-Straße liefen, hörte der 63-Jährige plötzlich einen lauten Knall: „Vorher war ein Auto mit lautem Motorgeheul an uns vorbeigefahren. Ich dachte an eine Fehlzündung.“ Ein krasser Fehler. „Dann knallte es noch zwei Mal. Diesmal habe ich gemerkt: Das sind Schüsse.“

Michael V. und sein Freund gehen in Deckung. Sie kauern sich zwischen zwei Autos: „Was da passiert ist, war völlig unvorstellbar. Surreal.“ Plötzlich bemerkt V. zwei Männer, die schnell in seine Richtung laufen. Einer entdeckt ihn, hält inne.

„Er hätte mich einfach erschießen können“

„Unsere Blicke haben sich für mehrere Sekunden getroffen. Ich konnte auch klar erkennen, dass er eine Pistole bei sich hatte.“ Der 63-Jährige ist geschockt, reagiert nicht.

„Erst später habe ich realisiert, dass er mich einfach hätte erschießen können“, sagt V. vor Gericht. Doch der Mann läuft weiter. Ob es Mahmoud M., der mutmaßliche Mörder von Mohammed E. ist, bleibt unklar. Vor Gericht erkennt V. den 47-Jährigen Mahmoud M. nicht wieder.

Zustände „wie in Chicago“

Der 63-Jährige und sein Freund flüchten sich schließlich in einen Hauseingang. Dort harren sie aus, bis es ruhig ist. Michael V. und sein Freund überstehen den Abend unverletzt. Der Schock aber bleibt.

„So etwas kann man nicht vergessen. Wie in Chicago. In Essen hätte ich so etwas nie erwartet.“

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