Entspannung an der Drogenfront

Die Razzien in der Innenstadt und in Altendorf haben ihre Wirkung bei den Drogendealern offenbar nicht verfehlt.
Die Razzien in der Innenstadt und in Altendorf haben ihre Wirkung bei den Drogendealern offenbar nicht verfehlt.
Foto: WAZ FotoPool
Die kriminelle Szene in der Innenstadt und in Altendorf ist dem massiven Druck von Polizei und Stadt gewichen. Anwohnerbeschwerden sind inzwischen Fehlanzeige.

Essen.. Der fortgesetzte Druck von Polizei und Stadt auf die Rauschgifthändler in der Innenstadt und Altendorf hat seine Wirkung nicht verfehlt: Die Lage an den bekannten Brennpunkten hat sich merklich entspannt. Die früher in aller Öffentlichkeit unter den Augen der Bevölkerung rotzfrech betriebenen Drogengeschäfte sind aus dem Straßenbild weitestgehend verschwunden, Beschwerden von Anwohnern inzwischen nahezu Fehlanzeige. Auch Altendorfs Bezirksbürgermeister Klaus Persch hat aktuell keinen Grund mehr zur Klage: „Es hat sich ein bisschen beruhigt“, bestätigte der Sozialdemokrat gestern auf NRZ-Nachfrage. Sein für die Innenstadt zuständiger Kollege Peter Valerius (CDU) hält die aktuellen Maßnahmen der Polizei für völlig ausreichend.

Doch wissen Persch und Valerius, weiß auch die Polizei, dass der Handel mit Heroin, mit Kokain, mit Marihuana und Co. nach wie vor abgewickelt wird. Aber die Dealer und ihre Kunden sind merklich vorsichtiger geworden. Sie gehen jetzt konspirativer vor, weiß Polizeisprecherin Tanja Hagelüken: „Ganz wird der Drogenhandel nicht verschwinden.“ Zur Zeit jedoch werden keine verstärkten Aktionen oder Razzien gegen die Szene in Zusammenarbeit mit der Stadt gefahren.

Gemeinsames Projekt von Polizei und Kommune

Ordnungspartnerschaft „Drogenkriminalität Straße“ heißt das Projekt, das sich Polizei und Kommune im März auf die Fahnen geschrieben hatten, nachdem das kriminelle Treiben in der U-Bahn und an einschlägigen Altendorfer Treffpunkten überhand genommen hatte und die Bürger zu Recht auf die Barrikaden gegangen waren. Der Kampf gegen die Rauschgiftkriminalität sei ein wesentlicher Schwerpunkt des polizeilichen Sicherheitsprogramms für die nächsten drei Jahre, kündigte Polizei-Chef Rainer Pannenbäcker im März an, um den Worten Taten folgen zu lassen.

Dass die Polizei und die Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamtes bei den ersten harten Aufschlägen in der Szene alle Hände voll zu tun hatten, lassen in der Rückschau ein paar Zahlen aus der Behördenstatistik erahnen: Allein zwischen dem 18. und 24. März stellten die Beamten bei Kontrollen 1030 Identitäten fest, es gab 117 Durchsuchungen. Genau so viele Verdächtige wurden erkennungsdienstlich behandelt. Dazu kamen 27 Sicherstellungen, 54 Platzverweise und 25 Aufenthaltsverbote, die sich am Ende auf 41 summierten und der Polizei als durchaus geeignetes Instrument dienen, um einen Bannkreis gegen die Dealer, die meist aus dem Umland anreisen, um die Stadt Essen zu schlagen. Wer sich an die meist mehrmonatigen Verbote nicht hält, dem droht ein Zwangsgeld. Wer nicht zahlen will oder kann, der wandert in Haft.

Marihuana-Händler im Stadtgarten

Dass die Drogenszene dem massiven Druck weichen und sich verlagern würde, war absehbar. Doch die Polizei blieb auch dran, vertrieb die Marihuana-Händler zum Beispiel aus dem Stadtgarten und verhinderte eine neue Szene, die auf dem Gelände des alten Friedhofs zwischen Bamler- und Bäuminghausstraße entstehen wollte. Bei aller Entspannung: Auf die Situation in Altendorf und in der Innenstadt werde man weiter ein wachsames Auge haben und den Druck wieder hochfahren, wenn es nötig sein sollte, kündigte Hagelüken an. „Ganz kriegen wir das Problem eben nie weg“, sagt Klaus Persch: „Wir leben schließlich in einer Großstadt.“

 
 

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