Entsorgungsbetriebe Essen fordern von ihrem Ex-Chef eine Million

Marcus Schymiczek
Ex-EBE Klaus Kunze soll eine Million Euro Schadensersatz zahlen.
Ex-EBE Klaus Kunze soll eine Million Euro Schadensersatz zahlen.
Foto: Klaus Micke / WAZ FotoPool
Klaus Kunze, langjähriger Geschäftsführer der Entsorgungsbetriebe Essen (EBE), soll Schadensersatz zahlen. Die EBE hat den 70-Jährigen auf eine Million Euro verklagt. Die internen Ermittlungen bei der EBE sorgen derweil weiter für Aufsehen. Dabei fiel ein bekannter Name.

Essen. Wird nun abgerechnet? Die Entsorgungsbetriebe Essen (EBE) haben ihren ehemaligen Geschäftsführer Klaus Kunze auf Schadensersatz verklagt. Der langjährige Chef der Müllabfuhr und der Stadtreinigung soll nach WAZ-Informationen nicht weniger als eine Million Euro zahlen.

Für die aktuelle Geschäftsleitung ist der 70-Jährige der Hauptverantwortliche im so genannten EBE-Skandal. Kunze wird unter anderem die Verantwortung für überhöhte Zahlungen an Betriebsräte sowie für den Abschluss eines aus Sicht von Wirtschaftsprüfern allzu üppig ausgestatteten Beratervertrages mit dem ehemaligen SPD-Ratsherrn Harald Hoppensack zur Last gelegt. Kunze selbst soll die Schadensersatzforderung zurückgewiesen haben, so dass es nun auf eine zivilrechtliche Auseinandersetzung vor Gericht hinausläuft.

Eine weitere Runde in der Aufarbeitung des EBE-Skandals

Die Aufarbeitung des EBE-Skandals geht damit in eine weitere Runde. Nach wie vor umstritten bleiben interne Untersuchungen, mit denen Interims-Geschäftsführer Jochen Sander ein privates Unternehmen beauftragt hatte. Der Betriebsrat ruderte am Dienstag verbal zurück und sprach von einer „möglichen Bespitzelung der Mitarbeiter“.

Die Frist, welche die Arbeitnehmervertreter der Geschäftsführung zur Einstellung der Untersuchungen gesetzt hatte, setzte der Betriebsrat aus. Begründung: Man wolle zunächst das Ergebnis der von OB Reinhard Paß angekündigten Überprüfung der Vorgänge abwarten. Ohnehin war die Frist am Montag abgelaufen. Die Drohung, mit rechtlichen Mitteln gegen die Unternehmensleitung vorzugehen, steht nach wie vor im Raum.

Mitarbeiter sollen versucht haben Daten zu löschen

Die EBE-Geschäftsführung rechtfertige ihr Vorgehen damit, sie wolle verhindern, dass belastendes Material verschwindet. Dem Vernehmen nach sollen Mitarbeiter versucht haben Daten zu löschen und Computer aus dem Betrieb zu entfernen. Dabei fiel am Dienstag ein Name, der im Aufsichtsrat für Stirnrunzeln sorgte: der Name Marschan. Nein, nicht der des Vorsitzenden der SPD-Fraktion im Rat der Stadt, sondern der seines Sohnes, der bei der EBE ironischerweise für den Datenschutz zuständig ist. Das gibt Anlass für Spekulationen. Es blieb bei einem Löschversuch. Welche Daten verschwinden sollten und warum, bleibt vorerst offen.

Auch der Name Thomas Altenbeck fiel in diesem Zusammenhang. Er soll versucht haben, „seinen“ Computer mitzunehmen. Warum? Wer sich fragt, aus welchen Gründen Interimsgeschäftsführer private Ermittler ins Haus geholt hat, mag sich darauf einen Reim machen.

Mit dem langjährigen Betriebsratsvorsitzenden Altenbeck hat sich die EBE, wie berichtet, außergerichtlich geeinigt, nachdem der Versuch einer fristlosen Kündigung wenig erfolgversprechend schien. Nach WAZ-Informationen hat Altenbeck sich bereit erklärt 50 000 Euro zu zahlen; das wäre die Hälfte der Summe, welche die EBE als Schadensersatz gefordert hat. Im Gegenzug erhält er eine Abfindung in Höhe von 250 000 Euro. Altenbecks Nachfolge als Vorsitzender des Betriebsrates ist mittlerweile geklärt. Das Gremium wählte den bisherigen Stellvertreter Sadettin Adigüzel. Auch dessen Name tauchte 2013 im Bericht des privaten Mitgesellschafters Remondis auf, der den Skandal ins Rollen brachte. Adigüzel wurde angekreidet seinen Dienstwagen privat genutzt zu haben. Die Geschäftsführung hat dies inzwischen untersagt. Auch gegen Adigüzel steht eine Schadensersatzforderung im Raum.