Empfang der Flüchtlinge: Essen hilft Drehkreuz Düsseldorf

Christina Wandt
Als sehr berührend erlebte Essens Sozialdezernent Peter Renzel seinen Besuch am Bahnhof Flughafen Düsseldorf, wo regelmäßig Sonderzüge mit Flüchtlingen ankommen. Die Stadt Essen hat zugesagt, bei ihrem Empfang zu helfen.
Als sehr berührend erlebte Essens Sozialdezernent Peter Renzel seinen Besuch am Bahnhof Flughafen Düsseldorf, wo regelmäßig Sonderzüge mit Flüchtlingen ankommen. Die Stadt Essen hat zugesagt, bei ihrem Empfang zu helfen.
Foto: picture alliance / dpa
Die Stadt Essen will am Bahnhof Flughafen Düsseldorf beim Empfang der Flüchtlinge helfen. Für ein eigenes Drehkreuz sei Essens Hauptbahnhof ungeeignet.

Essen. Er spricht von Begegnungen, die ihn bewegt hätten, von Bildern, die ihn nicht so bald loslassen würden. Dieser Tage sah Sozialdezernent Peter Renzel, wie hunderte Flüchtlinge am Düsseldorfer Flughafen-Bahnhof ankamen – hungrig, erschöpft und angegriffen. Und er erlebte den unglaublichen Kraftakt der Helfer vor Ort. Nun verspricht Renzel dem Drehkreuz Düsseldorf Unterstützung aus Essen.

Völlig selbstlos ist das Angebot nicht, Essen kauft sich damit sozusagen von der Aufgabe frei, selbst ein Drehkreuz einzurichten. Das sind jene Bahnhöfe, an denen alle zwei Tage Züge mit 800 bis 1000 Flüchtlingen aus Süddeutschland eintreffen, die dann auf Erstaufnahme-Unterkünfte weiterverteilt werden. In Nordrhein-Westfalen wechseln sich dabei Düsseldorf und Köln ab, nach einer Pause geht nun auch Dortmund wieder an den Start.

"Personell auf Kante genäht"

Essen war bereits im September gebeten worden, eine Drehscheibe zu schaffen. Doch Renzels halbtägiger Besuch in Düsseldorf hat ihn jetzt in seiner Einschätzung bestätigt, dass der hiesige Hauptbahnhof dazu wenig geeignet ist. „Am Flughafen-Bahnhof gibt’s eine große Halle, in der sich die Menschen ausruhen, eine Suppe essen und auf den Bus zur Weiterfahrt warten können.“ Am Hauptbahnhof Essen fehlten dagegen Räume, um die abgekämpften Flüchtlinge zu versorgen. Er habe in Düsseldorf Mütter mit Säuglingen gesehen und 15-Jährige, die ihre Flucht ganz allein bewältigt hatten. „Das sind keine Fernsehbilder, da sehen sie den Menschen in die Augen – da kommen Ihnen schon die Tränen.“

Er sei aber nicht nur von den menschlichen Schicksalen berührt gewesen, sondern auch beeindruckt von der logistischen Leistung der Helfer. Mitarbeiter von Feuerwehr, Sozial- und Jugendamt arbeiteten Hand in Hand mit Diakonie und Caritas sowie mit Ehrenamtlichen. Das Angebot reiche vom Wickelraum bis zur Kleiderkammer, von der Suppenküche bis zur Sparkassenfiliale; vom Dolmetscher bis zum Sanitäter. „Es wäre völliger Unsinn, 25 Kilometer entfernt noch mal eine solche Anlaufstelle aufbauen zu wollen.“

Bei einem Gespräch im NRW-Innenministerium, an dem auch Vertreter der Städte Düsseldorf, Dortmund und Köln teilnahmen, bot Renzel am Donnerstag aber an, dass Essen die Landeshauptstadt unterstützen könne. „Die Essener werden helfen, dass das dortige Drehkreuz leistungsfähig bleibt“, bestätigt ein Ministeriumssprecher. Wie das in der Praxis aussehen werde, wolle man in weiteren Gesprächen klären. „Wir sind personell auch auf Kante genäht“, sagt Renzel. „Aber das können wir eher leisten als ein eigenes Drehkreuz aufzubauen.“