EMG übt Kritik an Folkwang und der müden Ratspolitik

Vera Eckardt
Ein Besuchermagnet: Das Weltkulturerbe Zollverein, hier bei der Veranstaltung „Speed of Light“, gehört zu den touristischen Hauptzielen.
Ein Besuchermagnet: Das Weltkulturerbe Zollverein, hier bei der Veranstaltung „Speed of Light“, gehört zu den touristischen Hauptzielen.
Foto: WAZ FotoPool
Eva Sunderbrink, Geschäftsführerin der EMG, ist beunruhigt über die beiden Dauerthemen Bürgerentscheid zum Messe-Modernisierung und die Äußerung von Museumsdirektor Tobia Bezzola, die geplante Ausstellung „Inspiration Japan“ könne vielleicht die letzte große ausstrahlende Veranstaltung gewesen sein.

Essen. Touristisch ist das vergangene Jahr in Essen bei einer ersten Bilanz eigentlich ganz gut gelaufen und macht Hoffnung auf 2014. Wären da nicht die beiden großen Dauerthemen, die Eva Sunderbrink, Geschäftsführerin der Essen Marketing (EMG), stark beunruhigen: Der Bürgerentscheid zum Messe-Modernisierung und die als resignativ empfundenen Äußerung von Museumsdirektor Tobia Bezzola, die geplante Ausstellung „Inspiration Japan“ könne vielleicht die letzte große ausstrahlende Veranstaltung im neuen Museum Folkwang gewesen sein.

„Als ich das gehört habe, bin ich blass geworden. Das wäre für die Stadt und den Tourismus katastrophal und hat zudem eine sehr schlechte Außenwirkung.“ Denn die Stadt brauche Veranstaltungen und Programme, die die Menschen nach Essen ziehen.

Dafür sei auch der Ausbau des Messe-Standortes wichtig: Nicht nur Hotellerie und Gastronomie profitieren davon, ist Sunderbrink überzeugt: „Messe- und Kongress-Besucher sind auch offen für unsere Sehenswürdigkeiten, schauen sich auf Zollverein um, gehen ins Museum Folkwang oder spazieren durch den Grugapark.“ Alle drei sind attraktive Ziele, die durch ihre Gegensätze beeindrucken: Industriedenkmäler im Norden, Kultur in der Mitte und Natur im Süden - „das sorgt für einen Überraschungseffekt bei Besuchern“.

Und die kommen in großen Scharen. Nach einer ersten Schätzung waren es 2013 über 32 Millionen Tagestouristen und circa 1,4 Millionen Übernachtungsgäste, wobei die Hotels zu über einem Drittel von der Messe leben. Das im Kulturhauptstadtjahr gesteckte hehre Ziel - eine jährliche Steigerung der Übernachtungs- und Besucherzahlen von fünf Prozent - konnte bislang nicht erreicht werden. „Das haben wir dennoch nicht aus den Augen verloren.“

Um dem ein wenig näher zu kommen, wünscht sich Eva Sunderbrink mehr Rückhalt in der Politik. Immer noch, so bedauert sie, sei die Wichtigkeit des Wirtschaftszweigs Tourismus bei den politisch Verantwortlichen in der Stadt nicht richtig angekommen. „Wir sind inzwischen ein touristisches Ziel Das haben manche immer noch nicht begriffen.“ In anderen Städten sei es inzwischen üblich, dass die im Rat vertretenen Fraktionen auch tourismuspolitische Sprecher haben, „nur bei uns fehlt das leider“. Mit mehr Engagement und Sachverstand lassen sich eben viele anstehende Themen leichter angehen.

Zum Beispiel die von Sunderbrink geforderte Service-Verbesserung: Mehrsprachige Speisekarten, mehrsprachige Flyer, mehrsprachiges Personal an den Infoständen stehen auf ihrer diesjährigen Agenda. Denn neben den Gästen aus Deutschland, vorwiegend aus NRW und Baden-Württemberg, zieht es immer mehr Holländer, Engländer und Polen nach Essen. Letztere Gruppe ist in den vergangenen Jahren am stärksten gewachsen. „Deswegen werden wir uns dieses Jahr zum ersten Mal auf einer polnischen Reisemesse präsentieren.“

Die touristische Zukunft Essens macht Sunderbrink keine Sorgen - vorausgesetzt, die Messe wird modernisiert und das Museum Folkwang lockt auch weiterhin mit zugkräftigen, großen Ausstellungen. Was in der Stadt noch fehlt, gehört für die Tourismus-Expertin in die Kategorie unerfüllbare Wünsche: „Toll wäre eine schwimmende Bühne auf dem Baldeneysee mit einem spannendem Programm, mehr Sitzbänke rund um den See und eine bessere Infrastruktur.“ Angesichts leerer städtischer Kassen bleiben das bislang nur Träume.