Eltingstraße im Nordviertel wird zum Wohnzimmer

Mitorganisatorin Lena Halbedel kreierte die Marke „Made in Eltingviertel“ und berichtet davon Marie-Denise (4) und Vater Robert Stellmach.
Mitorganisatorin Lena Halbedel kreierte die Marke „Made in Eltingviertel“ und berichtet davon Marie-Denise (4) und Vater Robert Stellmach.
Foto: Michael Korte
  • Stadt und Universitätsinstitute organisieren Bürger-Aktion
  • Viertel verwandelte sich dabei in ein grünes Wohnzimmer
  • Nachbarn sammeln Unterschriften gegen geplanten Kita-Neubau

Essen-Nordviertel.. Das Eltingviertel steckt mitten im Aufbruch. Unter dem Titel „Dein Viertel. Deine Chance“ hatte die Stadt in Kooperation mit den Universitätsinstituten für Stadtplanung und Städtebau (ISS) sowie Stadtteilentwicklung, Sozialraumorientierte Arbeit und Beratung (ISSAB) am Samstag die Nachbarn einen Tag lang eingeladen, mehr als nur ein Wörtchen bei der zukünftigen Gestaltung mitzureden. Derweil brodelt es im Viertel: Eigentümer Vonovia (Deutsche Annington/Gagfah) will Spiel- und Bolzplatz an der Ostermannstraße planieren und eine Kita bauen.

„Auch für uns ist diese Art der Beteiligung ein Experiment“, gesteht Stefan Schwarz, Leiter des Amtes für Stadterneuerung, mit Blick auf die Eltingstraße, die an diesem Tag kaum wiederzuerkennen ist. Gesperrt für Autos, haben die Organisatoren kleine und gemütliche Aufenthaltsbereiche geschaffen, mit grünem Teppich eine natürliche Gestaltung angedeutet, die Eltingstraße in ein Wohnzimmer verwandelt. „Wir möchten heute zeigen, wie es aussehen könnte“, erläutert Mitorganisatorin Minh-Chau Tran vom ISS.

Wettbewerb im Grünen Hauptstadtjahr

Für Mitte 2017 hat die Stadt einen Wettbewerb ins Auge gefasst, bei dem Profis das Eltingviertel der Zukunft entwerfen sollen. Deren Grundlage sollen die Wünsche der Nachbarn werden, zunächst gesammelt an diesem Samstag, dann noch einmal präsentiert und diskutiert bei einer Bürgerversammlung am 20. Juli in der Kirche St. Gertrud an der Rottstraße.

„Mehr Licht auf dem Eltingplatz, ein paar neue Bänke und die Beseitigung der Müllecken würde vielen schon reichen“, bemerkt Brigitte Eisheuer, die seit zwei Jahrzehnten im Viertel lebt. Wie viele der Bewohner freut sie sich über die neue Aktivität im Viertel, ist aber auch skeptisch: Kein Wunder, wenn sie beispielsweise seit mehr als einem Jahr auf die Beseitigung eines eingesunkenen Gehwegteils vor dem Haus Eltingplatz 22 warten.

Vonovia-Pläne sorgen für Unruhe

Weit mehr Unruhe erzeugen derzeit die Pläne der Vonovia, von denen der Vermieter schon erste Skizzen mitgebracht hat. Bolz- und Spielplatz auf dem Platz an der Ostermannstraße, einem von zwei offenen Aufenthaltsbereichen im Viertel, soll mit einer Kita bebaut werden. „Das beschäftigt die Leute ungemein“, berichtet Quartiershausmeisterin Sabrina Schrang.

Nicht nur, dass man an diesem Samstag zahlreiche besorgte Klebezettel auf den Stellwänden der Organisatoren lesen konnte. Auch sind an nur drei Tagen 218 Unterschriften gegen die Pläne im Viertel gesammelt worden. Die Vonovia selbst verweist auf den Bedarf an Plätzen und Offenheit in der Diskussion: „Wir können die Kita auch so gestalten, dass an Nachmittagen und Abenden die Kinder im Viertel dort spielen können“, so Quartiersgestalter Ralf Feuersenger.

Doch angesichts von mehreren Kitas im Nordviertel und der Standortwahl sehen auch Fachleute im Umfeld „Gesprächsbedarf“ zwischen Nachbarn und Planern. Man darf also gespannt sein auf die Bürgerversammlung im Juli – schließlich sollen die Anwohner ja auch mehr als nur ein Wörtchen mitreden.

 
 

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