Eltern des vermissten Pierre Pahlke suchen in Essen weiter

“Wir suchen Pierre weiter“ heißt es auf dem Suchplakat. Monika Schleifenbaum, Geschäftsführerin des Trinkgut-Marktes Manderscheidtstraße sagt:
“Wir suchen Pierre weiter“ heißt es auf dem Suchplakat. Monika Schleifenbaum, Geschäftsführerin des Trinkgut-Marktes Manderscheidtstraße sagt:
Foto: Kerstin Kokoska / WAZ FotoPool
Die verzweifelte Familie des seit fast elf Monaten spurlos verschwundenen Pierre Pahlke hat im Umfeld der „Heimstatt Engelbert“ in Essen 200 Plakate aufgehängt. Für Hinweise, die zum Auffinden des 21-Jährigen führen, hat sie aus eigenen Ersparnissen 15 000 Euro Belohnung ausgesetzt.

Essen/Gladbeck.. Seit bald elf Monaten ist Pierre Pahlke spurlos verschwunden. Zwar erlangte der erschütternde Kriminalfall im Mai bundesweite Aufmerksamkeit durch das „Aktenzeichen XY“-Spezial „Wo ist mein Kind?“. Trotzdem treten die Fahnder auf der Stelle. Jetzt hat die verzweifelte Familie erneut eine Suchaktion gestartet und im Umfeld der „Heimstatt Engelbert“ 200 Fahndungsplakate aufgehängt.

Das Wohnheim auf der Manderscheidtstraße, der Trinkgut-Markt nebenan, Netto auf der Hubertstraße und die Penny-Filiale in der Ernestinenstraße - das ist die kleine Welt, in der sich der 21 Jahre alte, geistig behinderte und völlig wehrlose junge Mann bis zum 17. September 2013 bewegt hat. „Hier ist Pierre verschwunden und deshalb gehen wir in dieses Viertel zurück, es ist der wirklich einzige Anhaltspunkt“, sagt seine Mutter Manuela Pahlke. Auf dem Din-A-4 großen Plakat steht: „Wir suchen Pierre weiter“.

Ihre Aktion wollen die Pahlkes keinesfalls als Kritik an der Polizei verstanden wissen, die in dem komplizierten Fall einfach nicht weiterkommt. So tun sie das, was wohl alle Eltern in ihrer Situation tun würden. Sie suchen auf eigene Faust. „Nur dasitzen und nichts tun, das können wir nicht“, sagt die Mutter. Mitsuchen - das haben sie schon unmittelbar nach Pierres rätselhaftem Verschwinden im letzten September getan - übrigens bis an der Rand des körperlichen Zusammenbruchs. Und als im Winter von einer vagen Spur ins Amsterdamer Rotlichtviertel die Rede war, auch da eilten sie mit einem Stoß Fahndungsplakate in die niederländische Hauptstadt. Und klebten. Wieder ohne Erfolg. Jetzt suchen sie aufs Neue - in Essen.

„Wir haben die Plakate an Laternenpfähle geklebt, in den Geschäften ausgehängt und in die Briefkästen auf der Hubertstraße gesteckt“, berichtet Manuela Pahlke.

Zunächst hatten die Eltern und Großeltern aus eigenen Ersparnissen eine Belohnung von 10 000 Euro ausgesetzt. Inzwischen haben sie sie auf 15 000 Euro aufgestockt – „für Hinweise, die zum Auffinden von Pierre führen“, steht auf dem Plakat. „Irgendjemand muss doch wissen, was aus ihm geworden ist“, fügt die Mutter hinzu.

Flehender Appell der Eltern: „Helfen Sie uns, bitte“.

Erreichbar sind die Eltern unter der Mobilfunknummer 01575/4821625. Ihr flehender Appell: „Helfen Sie uns, bitte“. Bisher hat sich erst ein Anrufer unter dieser Nummer gemeldet, jemand, der seine Hilfe anbieten wollte.

„Unsere Ermittlungsarbeit ist im Moment beendet“, sagt Kriminalhauptkommissar Ralf Menkhorst, der auch die längst eingestellte Sonderkommission geleitet und die Eltern zur Aktenzeichen-Live-Sendung begleitet hat. Es ist ein erschütternder Kriminalfall, der ihm selbst sehr nahe geht. „Es tut mir Leid, dass ich nicht weiterhelfen kann“, gesteht Menkhorst, „aber die Akte Pierre ist ständig griffbereit in meinem Büro. Sobald neue Hinweise eingehen, legen wir los.“

Es ist die quälende Ungewissheit, die seit elf Monaten an Pierres Eltern und Großeltern nagt. Lebt Pierre noch? Oder haben ihn seine mutmaßlichen Peiniger längst umgebracht? „Für die Familie ist dieser Fall eine menschliche Tragödie“, weiß Fahnder Menkhorst, „denn ich sehe ja, dass sie nicht abschließen können.“

Manuela Pahlke hofft weiter, dass Pierre noch lebt. Sie sagt: „Wir stehen morgens mit dem Gedanken an Pierre auf und schlafen damit abends ein.“

 
 

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