Einen Freiraum schaffen?

Julia Rathcke

Verriegelt und verrammelt ist das Gelände der ehemaligen Hauptschule an der Bärendelle in Frohnhausen bereits seit zwei Jahren. Damals endete hier der Schulbetrieb. Dass jetzt allerdings niemand, nicht einmal die städtische Immobilienwirtschaft als Eigentümer, das Haus betreten kann, dafür hat eine Gruppe junger Menschen gesorgt, die das Haus seit Montagmorgen/Sonntagnacht besetzt hält.

Nicht dem Verfall überlassen

„Plenum Bäredelle“ nennen sich die Besetzer, die in ihrer auf Flyern gedruckten Erklärung schreiben: „Wir halten das ehemalige Schulgebäude an der Bärendelle in Essen besetzt. Das Gebäude steht seit mehreren Jahren leer und wird, wie viele Leerstände im Ruhrgebiet, dem kontrollierten Verfall überlassen.“ Und weiter: „In der Bärendelle könnte ein selbstverwalteter unkommerzieller Raum entstehen.“

Die Stadt versuchte am Nachmittag mit den Besetzern Kontakt aufzunehmen, „alleine aufgrund der Sicherungspflicht“, so eine Stadtsprecherin, denn das Betreten der oberen, vom Einsturz gefährdeten Etagen könne gefährlich werden. Man werde sich nur auf den ersten Etage aufhalten, antworten daraufhin die teils vermummten Hausbesetzer – mehr Resonanz gibt es bislang nicht. Nein, keiner werde ins Haus gelassen, „die Türen wurden aufgebrochen und von innen versperrt“, stellt Stadtsprecherin Jeannette Kern fest.

Die Polizei hat bislang von einem Eingreifen abgesehen, die Stadt hat unterdessen Anzeige wegen Hausfriedensbruch erstattet. Nachdem sie den jungen Menschen am Montag mitteilte, dass sie entweder freiwillig, ansonsten zwangsweise das Haus verlassen müssen, soll am Dienstag über weitere polizeiliche Maßnahmen entschieden werden. „Fakt ist: Das Gebäude soll so schnell wie möglich geräumt werden“, sagt Stadtsprecherin Kern.

„Der Bedarf nach Freiräumen ist da“

Unterstützung bekommen die Hausbesetzer hingegen von der Linken Ratsfraktion: „Es kann und darf nicht sein, dass die Stadt jegliche nicht-kommerzielle Angebote für junge Menschen schließt“, erklärt Jules El-Khatib, Landessprecher der Linksjugend. Auch die Besetzer spielen in ihrer Erklärung auf die Schließung des Jugendzentrums an der Papestraße an. Der Bedarf nach Einrichtungen dieser Art sei definitiv da, betont auch die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Janina Herff: „Wir erwarten vom Eigentümer eine Tolerierung der Aktion und werden uns für mehr selbstverwaltete Freiräume stark machen.“

Herff, selbst am Montag vor Ort, spricht von rund 100 Personen im und um das besetzte Haus. Die seien auf alles vorbereitet, sowohl was die Verpflegung angeht, als auch die Tatsache, dass es kein fließendes Wasser mehr im Gebäude gibt. „Es ist kein Ende rauszuhören“, so Herff. Die Gruppe generell bestehe aus ihrer Sicht aus friedlichen, aber ernst zu nehmenden Leuten, die sich inhaltlich mit dem Thema länger auseinandergesetzt haben.

Grund dafür, dass bislang auf dem Gelände an der Bärendelle seit 2011 nichts passiert ist, sei ein fehlender Investor. „Das ehemalige Schulgebäude steht unter Denkmalschutz, die Kosten für eine Grundsanierung betragen rund fünf Millionen Euro“, so Sprecherin Jeanette Kern. Die Forderung der Hausbesetzer sei für die Stadt aus finanzieller Sicht nicht realisierbar.