Eine sinfonische Großtat

Nachtigall, Wiesensang und Waldseligkeit – für die Genießer morbider Fin-de-Siècle-Stimmung war dieses erste Saisonkonzert der Essener Philharmoniker ein Ohrenschmaus, dem freilich die Kontraste fehlten. Mit Orchesterliedern von Richard Strauss (aus op. 27 bis 68) und dem damals noch in dessen Dunstkreis stehenden jungen Alban Berg, der hier mit seinen „Sieben frühen Liedern“ noch nichts vom späteren Zwölftonkomponisten erahnen ließ.

Hanna-Elisabeth Müller breitete diese Musik zwischen verklärter Ruhe und sanfter Leidenschaft als subtil interpretierende Vermittlerin aus, die ihren präzise geführten Sopran mal raumtragend ausfuhr, mal aus dem Nichts aufblühen ließ: quasi wie ein solistisch hervortretendes Orchesterinstrument, ein weiteres in der ohnehin reichen Farbenpalette des philharmonischen Bläserapparates. Die größte Publikumsbegeisterung des Abends galt der Sängerin, die sich mit einem zugegebenen „Ständchen“ bedankte.

Dabei zeigte sich auch das Orchester unter Gastdirigent Hans Graf bestens aufgelegt. Franz Liszts letzte Tondichtung „Von der Wiege bis zum Grabe“, selten gespielt, weil sie sich von dem Ungestüm seiner früheren Werke verabschiedet hat, entfaltete der Österreicher trotz des hitzigen Mittelteils in kammermusikalischer Schönheit, aufgelichtet und gelassen pulsierend.

Welch ein Kontrast dazu dann Straussens Geniestreich „Don Juan“, gleichermaßen elanvoll und kalligraphisch gezeichnet. Kraftstrotzend, aber nicht blechgepanzert trat der Held auf, umtrieben vom jubilierenden Feuer der Leidenschaft. Das löste Glücksgefühle aus wie zu besten Soltesz-Zeiten. Eine sinfonische Großtat!

 
 

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