Eine Liebe in Schwarzweiß – Wolfgang Klebers Brooklyn-Bilder

Wolfgang Kleber.
Wolfgang Kleber.
Foto: Knut Vahlensieck
Der Essener Fotograf Wolfgang Kleber hat der Stadt New York ein Buch samt Ausstellung gewidmet. Es ist das Ergebnis einer langen Suche nach dem „noch nicht gemachten Bild“. Eine Annäherung auf den zweiten Blick.

Essen.. New York, New York“. Ein Song, vier Worte und schon scheinen die Eiswürfel atmosphärisch im Whiskyglas zu klirren, spult der Film im Kopf seine Wunsch-Bilder ab. Und dann steht man plötzlich an diesem Wunsch-Ort, mitten in Manhattan, und hat all die längst gemachten Fotos im Kopf. Und ist blockiert. Der Essener Fotograf Wolfgang Kleber hat lange auf seinen „entscheidenden Augenblick“ gewartet, diesen magischen Moment in der Fotografie.

Das Ergebnis dieser intensiven Suche ist nun in einem Buch und in einer Ausstellung in der Galerie Klose zu sehen, die ihre Bilder jenseits der Klischees gefunden hat. „Brooklyn“ heißt das Projekt, denn in dem Stadtteil hat Kleber die faszinierenden Motive gefunden, die man erst auf den zweiten Blick entdeckt.

Ein Augenblick Wahrheit

Was bringt einen Essener Fotografen, studierten Ingenieur, der viele Jahre lang für Hochtief mit der Kamera in der Welt unterwegs war und zuletzt an zwei Architekturbüchern über Essen „Stadt im Wandel“ mitgewirkt hat, auf die Spuren der großen „American Photographs“? „Fotografiert habe ich immer schon“, sagt Kleber, der bereits in den 1960ern mit der Kamera durch die Straßen von Paris flaniert ist. Auch Amerika stand immer wieder auf der Auftragsliste. Aber da blieb keine Zeit für Sehnsuchtsbilder, bloß das nachträgliche Gefühl, „Dinge nicht gezeigt zu haben, die ich zeigen möchte“.

Der berufliche Blick war schließlich auf die technischen Details, die präzise Wiedergaben der Anlagen und Technik gerichtet. Der private suchte immer auch die Kommunikation, diese kurze Kontaktaufnahme im Vorbeigehen, einen Augenblick Wahrheit. „Wenn Menschen gesagt haben, sie sind nicht fotogen, hat mich das besonders gereizt“, lächelt der 66-Jährige, der während seines Amerika-Aufenthalts immer wieder gespürt hat, wie sich der Austausch diesseits und jenseits des großen Teiches unterscheidet. „In Brooklyn habe ich zehn Leute gefragt, ob ich sie fotografieren darf, und einer hat abgesagt. In Duisburg war das Verhältnis zuletzt genau andersrum.“

Zurück nach Essen

Wochenlang hat er in Brooklyn zur Untermiete gelebt, und wenn er von den Begegnungen mit den schrägen Existenzen und Lebenskünstlern erzählt, beginnen die intensiven Schwarzweiß-Bilder, die Kleber heute wieder analog aufnimmt, noch intensiver zu flirren. Was ihn in Manhattan am Fotografieren gehindert hat, das Große, Glatte, Vertraute, das sah in Brooklyn anders aus. Das schwarze Girl im Tennisdress, der alte Mann mit dem Strohhut, der bullige Kerl, der sacht einen Kinderschuh auf dem Kopf balanciert, sie alle erzählen von einem Amerika, das noch Träume hat, aber auch die Schattenseiten kennt. Das neue Umfeld hat Kleber eine neue Sicht gegeben, denn die umgebende Stadtlandschaft bildet immer auch den Rahmen für Klebers Menschenbilder.

Amerika, diese ferne Freundin, wird in nächster Zeit aber wohl auf Kleber verzichten müssen. Essen tritt nun wieder in den Mittelpunkt der Arbeit. Klischee-Bilder gibt es auch hier noch aufzubrechen.

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