Eine Klangbrücke fürs Revier

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Essen.. Über 6000 Laien und Profis aus 100 Gruppen haben sich am Samstag bei der Neuauflage von „!Sing – Day of Song“ in Essen beteiligt. In der Innenstadt, auf dem Baldeneysee, an der Folkwang Universität der Künste, auf Zollverein, in vielen Schulen, Kirchen und Gemeinden wurde gesungen.

„Aaaaaaaa, Eeeeeee, Iiiiiiii, Oooooo, Uuuuuu....“, summt es über die Kettwiger Straße. Hier und dort sind leise bekannte Lieder zu hören, verstummen aber schnell wieder. Es ist halb zwölf am Samstagmorgen, die Innenstadt ist Dank des guten Wetters gut besucht. Während sich Profi- und Laiensänger auf ihren bevorstehenden großen Auftritt vorbereiten, tragen andere ihre Einkäufe durch die Straßen, flanieren an den zahlreichen Schaufenstern der Limbecker und Kettwiger Straße vorbei und unterhalten sich mit ih­ren Liebsten.

Essen singt

Doch dann sind sie auf einmal still, verharren für ein paar Sekunden, manche für Minuten, an Ort und Stelle und wundern sich, was da um 11.45 Uhr vonstatten geht. „Glück auf, Glück auf! Der Steiger kommt! Und er hat sein helles Licht bei der Nacht, und er hat...“, tönt es durch die City – vom Burgplatz über die Kettwiger auf den Kennedyplatz, wo die Besucher des Evangelischen Stadtkirchentages das Lied ebenfalls anstimmen. Und auch die Glocken der Innenstadtkirchen schwingen mit, evangelische und katholische. Denn Essen singt.

Posaunen auf den Dächern

Was es mit dieser Singerei auf sich hat, wissen viele noch aus dem Kulturhauptstadtjahr vor zwei Jahren. Damals haben sie fleißig (mit-)gesungen, beim „!Sing – Day of Song“. Der Tag der Musik, der das Ruhrgebiet verbindet und die Menschen im Revier, ist auch in diesem Jahr ein voller Erfolg: Schon im Vorfeld verabredeten sich gut 6000 Profi- und Laiensänger jeden Alters aus 100 Gruppen, ihre Stimmen in der Stadt ertönen zu lassen, doppelt so viele wie bei der ersten Auflage 2010. Gegen Mittag erklingen Posaunen am Kennedyplatz, oder besser über dem Platz. Denn die Blechbläser haben sich auf dem Allbauhaus und dem Primarkhaus aufgebaut, um die sogenannte „Klangbrücke“ des „Essener Sängerkreis“ zu unterstützen: Neun Chöre sollen die wohl längste singende Menschenkette der Stadtgeschichte bilden – verteilt auf den Kennedyplatz, den Kardinal-Hengsbach-Platz, die Kettwiger und den Burgplatz. Doch was sich der Sängerkreis ausgedacht hat, erweist sich in der Praxis wegen einiger Sichtprobleme als nicht machbar.

53 Revierstädte singen gleichzeitig

Der Simultangesang wird zum Kanon, der sich durch die Stadt schlängelt. Für Klaus Springenberg, der dem Essener Sängerkreis vorsitzt, ist das jedoch kein großes Problem. „Schließlich können wir gut improvisieren“, sagt’s und setzt es um: Schon bilden die rund 250 Sänger einzelne Klanginseln, die flugs viele Passanten um sich scharen. Besser funktioniert das anschließende gemeinsame Singen von vier Liedern, simultan in 53 Revierstädten. Neben dem Steigerlied wird Werner van Holts „It’s the Day of Song“, „Heimat vieler Kulturen“ in der Version von Klaus Levermann und Andreas Burghardt sowie „Ein schöner Tag“ von Fred Jay gesungen.

Im Publikum steht auch Essens Kulturdezernent Andreas Bomheuer, der die Aktion übers Kulturbüro fördert. Und beinahe alle Lieder frei mitsingt. Er hofft, dass die Aktion vor allem junge Leute motiviert, sich einem der über 70 Essener Chöre anzuschließen. „Denn die Chöre haben da Nachholbedarf. Daher ist es gut, dass dieser Tag nach außen deutlich macht, wie stark das Gesangleben in unserer Stadt ist“, sagt Bomheuer, der sich jetzt schon auf die nächste Auflage in 2014 freut.

Zahlreiche dezentrale Singaktionen

Neben dem zentralen Singen auf dem Burgplatz gibt’s den ganzen Tag über zahlreiche dezentrale Singakti­onen in der Stadt: Die Folkwang Uni organisierte in Werden „Wandelkonzerte“, bei denen Musiker und Zuhörer zwischen drei Orten pendeln. In vielen Schulen, Kitas und Gemeinden wird ebenfalls fleißig musiziert – etwa in der Pfarrgemeinde St. Maria Empfängnis, wo die Kinder und Eltern von der Kindertagesstätte St. Ignatius „Hey, Hello, Bonjour, Guten Tag“ singen. Ein weiterer Partner, der katholische Cäcilien-Verband, bespielt die Vororte.

Day-of-Song-Geschichte

Die erste Auflage von „!Sing – Day of Song“ war ein Projekt im Kulturhauptstadtjahr 2010. An vier Tagen wurde in 49 Städten des Reviers gesungen; mehr als 25.000 Sängern aus 760 Gesangsensembles berührten die Gäste aus nah und fern bei insgesamt 600 Auftritten mit ih­rem Gesang. Am 5. Juni 2010 ertönte das landesweite Radiosignal, das zum Mitsingimpuls für singbegeisterten Menschen wurde, ob auf Marktplätzen, auf Schiffen, bei der Arbeit, im Auto oder in der Klinik. Alleine oder in der Gemeinschaft. Gesungen wurden zwei Lieder nacheinander: Das alte Steigerlied „Glück Auf“ und die neue Hymne der Kulturmetropole: „Komm’ zur Ruhr“ von Herbert Grönemeyer. Mehr Infos gibt es unter: www.dayofsong.de

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