Ein trauriger Tag für den ÖPNV

Ratsbürgerentscheid:  165.000 Oberhausener Bürger waren dazu aufgerufen,  über die Verlängerung der Straßenbahn-Linie 105 von Essen nach Oberhausen zu entscheiden. Um 18 Uhr schlossen die 29 Abstimmungslokale.
Ratsbürgerentscheid: 165.000 Oberhausener Bürger waren dazu aufgerufen, über die Verlängerung der Straßenbahn-Linie 105 von Essen nach Oberhausen zu entscheiden. Um 18 Uhr schlossen die 29 Abstimmungslokale.
Foto: Funke Foto Services
Essener Grüne bangten vergeblich bis zum Schluss für die Verlängerung der Straßenbahnlinie 105. Doch beim Ratsbürgerentscheid gab es keine Mehrheit dafür.

Essen..  Für Rolf Fliß war dieser Sonntag ein „schwarzer Tag“. So sehr hatte der Essener Verkehrsexperte der Grünen darauf gehofft, dass sich die Oberhausener beim Ratsbürger-Entscheid für die Verlängerung der Straßenbahn-Linie 105 aussprechen würden. Aber das Votum fiel negativ aus. „Eine Region hat die Chance nicht genutzt und den Strohhalm an sich vorbeiziehen lassen“, sagte er am Abend enttäuscht.

Am liebsten hätte Rolf Fliß mit abgestimmt. Aber er durfte nicht. Weil er Essener ist. Der Sonntag war der Tag der Oberhausener. Sie hatten darüber zu entscheiden, ob sie die Verlängerung der Straßenbahnlinie 105 von Essen zum Hauptbahnhof Oberhausen und nach Sterkrade wollen – oder nicht. Es war ausschließlich eine Angelegenheit der Bürger in Oberhausen. Schließlich ging es um viel Geld. Um sehr viel Geld. Über 80 Millionen Euro würde das ÖPNV-Projekt kosten, das vor allem von Bund und Land bezuschusst werden sollte. Essen wäre nur mit 580.000 Euro dabei. Die klamme Stadt Oberhausen und ihre Stadtwerke-Tochter müssten aber über 13 Millionen Euro berappen. Deshalb der Ratsbürgerentscheid.

Rolf Fliß blieb nichts anderes übrig als der Entscheidung entgegen zu fiebern. Dazu sind ja Wahlpartys da – in diesem Fall war es eine Abstimmungssparty in den Räumen von „move:elevator“ im Marinapark Oberhausen. Die Werbeagentur hatte sich mit den Initiatoren von „Sag ja zur Linie 105“ verbündet und für den Abend der Entscheidung ihre Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt.

21.725 Nein-Stimmen

Doch Jubel wollte unter den zunächst 50 Versammelten von Anfang an nicht aufkommen. „Die Stimmung ist noch gedämpft“, berichtete Rolf Fliß. Trotz Currywurst und Haribo. Eine halbe Stunde nach Schließung der Wahllokale waren um 18.30 Uhr die ersten beiden Stimmbezirke ausgezählt. Und da hatten 52 Prozent gegen die Bahnverlängerung und nur 47 Prozent dafür gestimmt. „Abwarten“, machte sich der Vorsitzende des Essener Bau- und Verkehrsausschusses Mut. Sein Blick war gebannt auf die große Leinwand, auf der die aktuellen Ergebnisse zu sehen waren - vom Rechenzenrum regio IT in Aachen online zur Verfügung gestellt. „Das ist ja erst der Anfang der Auszählung!", so Fliß. Gegen 20.30 Uhr rechnete das Oberhausener Rathaus mit dem Gesamtergebnis.

Doch schon eine Stunde zuvor war nur noch Katerstimmung bei den Befürwortern, die „Wahl“ war für sie verloren. Als 26 von 36 Stimmbezirken ausgezählt waren, war die Mehrheit der Nein-Sager eindeutig. Um 19.41 Uhr stand das Endergebnis fest: 21.725 Bürger (57 Prozent) stimmten dagegen. Damit war das Quorum erreicht.

Rolf Fliß gab sich geschlagen, war niedergeschlagen. „Das ist ein schwarzer Tag für den öffentlichen Nahverkehr“, erklärte er auf der „Wahlparty“. Damit sei eine Chance vertan worden, mit einer direkten Straßenbahnverbindung die Attraktivität der Wirtschaftsstandorte Essen und Oberhausen zu steigern. Ebenso sei nun nicht die Gelegenheit genutzt worden, endlich für eine interkommunale Straßenbahn-Linie im Ruhrgebiet zu sorgen.

Die 64 Millionen Euro, die an Fördermitteln zur Verfügung gestanden hätten, würden nun in andere Verkehrsprojekte fließen. „Die Gewinner könnten dann Städte wie Köln und Düsseldorf sein“, so Fliß. Das Ruhrgebiet ist mal wieder abgenabelt.

 
 

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