Ein Stück Landschaft essbar machen

Kai Süselbeck
Mitten im Siepental in Essen liegt ein Grundstück, das gemeinschaftlich, ökologisch und umweltverträglich bewirtschaftet werden soll.
Mitten im Siepental in Essen liegt ein Grundstück, das gemeinschaftlich, ökologisch und umweltverträglich bewirtschaftet werden soll.
Foto: WAZ FotoPool

Essen. Wer die Welt verändern will, sollte vor der eigenen Haustür anfangen. Die Initiative „Gemeinschaftsgärten Essen“ hat klein angefangen mit einem Beet am Storpplatz im Südostviertel. Im Siepental will sie jetzt ein großes Feld bestellen - und jeder kann mitmachen im ersten Gemeinschaftsgarten der Stadt, wenn die Bezirksvertretung Rüttenscheid am Donnerstag grünes Licht gibt für diesen Plan.

Die Initiative speist sich aus zwei Quellen. Da sind Rudolf Rabe und seine Mitstreiter vom „Transition Town Movement“. Die Bewegung hat sich um 2006 gebildet und sucht nach Wegen hin zu einer Wirtschaft ohne fossile Brennstoffe und multinationale Konzerne. Und da sind Marie-Rose Joos und ihre Mitstreiter vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Die Kreisgruppe Essen trägt sich seit Jahren mit der Idee, einen interkulturellen Garten aufzubauen. Diesen großen Plan hat sie nicht aus den Augen verloren, konzentriert sich aber erst einmal auf das Machbare und engagiert sich für den Gemeinschaftsgarten. „Der ist sehr viel kleiner, aber hoffentlich auch viel leichter zu realisieren“, sagt Marie-Rose Joos.

Kein Tor, kein Schloss

So soll es funktionieren: Grün und Gruga überlässt der Initiative kostenlos eine 3500 Quadratmeter große Grünfläche südlich des Siepenfriedhofes in Bergerhausen. Die Initiative wiederum lädt alle Interessierten ein, dort ebenfalls kostenlos ein Beet zu bestellen: Keine sozialen Schranken sollen den Weg zum selbst gezogenen Gemüse verstellen. Es wird eine mit Beeren bepflanzte Begrenzungshecke geben, aber keine Tore, Schlösser oder Schlüssel.

[kein Linktext vorhanden]Regeln gibt es trotzdem, und die Mitglieder der Initiative verpflichten sich in einem Pflegevertrag, sie allen Interessierten kundzutun. Erste Regel: keine Pestizide; eingesetzt werden dürfen nur Produkte, die im ökologischen Landbau erlaubt sind. Ebenfalls verboten sind Pflanzenarten, die von Natur aus nicht in Deutschland vorkommen („Neophyten“) und der Einsatz von Torf. Ansonsten sind den Gemeinsam-Gärtnern kaum Grenzen gesetzt: Sie können Gemüse für den eigenen Verbrauch anpflanzen, aber auch Kräuter, Gewürze und Heilpflanzen. Das Pflegeverhältnis zwischen Initiative und Grün und Gruga läuft zunächst bis Ende 2013 und verlängert sich, wenn nicht gekündigt wird.

So soll das Feld ein Ort werden, sagt Rudolf Rabe, „wo sich Leute treffen, gemeinsam gärtnern und Wissen und Erfahrungen austauschen, mit den Händen in der Erde die Umwelt hautnah erleben“.