Ein Kleinod wachgeküsst

Erhielten einen Einblick in das Gartenhaus Dingerkus: Fritz Ostermann, Gunter Carloff und der Vors. des Vereins, Peter Bankmann. Foto: Kerstin Kokoska
Erhielten einen Einblick in das Gartenhaus Dingerkus: Fritz Ostermann, Gunter Carloff und der Vors. des Vereins, Peter Bankmann. Foto: Kerstin Kokoska
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Essen.. Beim „Tag des Denkmals“ öffnete das Dingerkus Gartenhaus in Werden Besuchern seine Pforten. Der Freundeskreis Gartenhaus Dingerkus will das barocke Kleinod als Ort der Kunst und Kultur wieder mit Leben füllen.

Welch’ himmlische Ruhe. Mitten im Grünen. Dazu eine Tasse Tee und eine wundervolle Aussicht auf die Ruhr. Es braucht nicht viel Phantasie, um sich vorstellen zu können, wie sehr Johann Everhard Dingerkus und seine Familie diesen malerischen Ort genossen haben müssen.

Die Aussicht übers Ruhrtal ist heute leider verbaut, doch eine Zeichnung, die Werden im Jahr 1813 zeigt, lässt die Vergangenheit für den Betrachter lebendig werden: Darauf ist es nicht zu übersehen, das barocke Gartenhäuschen des Dingerkus.

Am Pastoratsberg

1790 ließ es der Kanzleidirektor der Abtei auf halber Höhe des Pastoratsberges erbauen. Die vergangenen Jahrzehnte schlummerte das Häuschen im Dornröschenschlaf - bis engagierte Werdener es wachküssten. Der Freundeskreis Gartenhaus Dingerkus will das barocke Kleinod als Ort der Kunst und Kultur wieder mit Leben füllen. Zum „Tag des offenen Denkmals“ öffnete das Häuschen Besuchern seine Pforten. So durfte sich die Kreuzspinne, die in der Nacht ihr Netz vor der grüngestrichenen Flügeltür gesponnen hatte, zu Recht gestört fühlen.

Hinter der Tür eröffnet sich dem Gast die Belle Etage. Der Freundeskreis hat den etwa 17 Quadratmeter kleinen Raum mit zeitgenössischem Mobiliar bestückt. Hübsch anzusehen, doch von den Wänden bröckelt der Putz, von Fenster- und Türrahmen blättert die Farbe ab. Nur gut, dass Engelbert Kleinhanz solide Arbeit abgeliefert hat. Als Baumeister hat der gebürtige Südtiroler in der ganzen Region Spuren hinterlassen, am Ratinger Tor in Düsseldorf und an der Mühlenbrücke in Kettwig, seinem ersten Auftrag für die Abtei. Auch für das Gartenhaus wählte Kleinhanz massiven Bruchstein als Material. Doch hätte die Folkwanghochschule als Eigentümerin nicht Mitte der 90er Jahre nicht Dachstuhl, Dach und Zwischenboden erneuern lassen - wer weiß, in welchem Zustand das Häuschen sich heute präsentieren würde.

Der Freundeskreis will das Gartenhaus in Stand setzen und baut auf Unterstützung. Den Garten haben die Mitglieder bereits vom dichten Brombeerbewuchs befreit und neu bepflanzt. Ob der ehemalige Hausherr zufrieden wäre. Dingerkus, so ist überliefert, war ein lustiger aber auch streitbarer Zeitgenosse. Ein halbes Jahr lang saß er sogar im Gefängnis. 1796. Preußen hatte sich Werden einverleibt. Die öffentliche Bekanntmachung riss Dingerkus von der Kirchenpforte - und landete dafür in Wesel im Kerker.

Kappes und Bohnen

Aus dieser Zeit ist ein Schriftwechsel mit seiner Tochter Marie Agnes im Stadtarchiv erhalten. So weiß der Freundeskreis, dass Dingerkus sich in seinem Garten nicht nur an der Blütenpracht erfreute, sondern dort auch Gemüse zog: Sommerkappes und dicke Bohnen. Diese will der Freundeskreis vielleicht bald zu besonderen Anlässen servieren, zu Werdener Speck, einer schon im 18. Jahrhundert beliebten Speise, als auf der Brehminsel noch Schweine gezüchtet wurden.

Hat da jemand Appetit bekommen? Ein schwarzer Kater streunt mauzend durch den Garten. „Der schaut öfter vorbei“, berichtet Bankmann und schmunzelt: „Ich glaube, das ist der alte Dingerkus. Der will wissen, wie weit wir schon sind.“ Der Kater sieht sehr zufrieden aus.

 
 

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