„Ein Glücksfall, dass dieses Gebäude noch steht“

Holsterhausen..  Das Gemarhaus ist eines dieser Gebäude, vor dem man immer wieder staunend stehen bleibt. Wenn der Blick die Fassade entlangschweift und im Hintergrund die U17 über die Holsterhauser Straße rumpelt, nimmt man sich vor, die Geschichte des Hauses näher zu ergründen. Und wenn man dann zuhause ist, hat man den guten Vorsatz wieder vergessen.

Jemand, der sich intensiv mit der Historie des Gebäudes auseinandergesetzt hat, ist Holger Krüssmann. Der in Holsterhausen lebende Autor hat jüngst die Vergangenheit des Gebäudes für das Buch „Architektur in Essen“ aufgearbeitet. Sein Fazit: „Es ist ein Glücksfall, dass dieser Gebäudekomplex, der so prägend für den Stadtteil ist, noch immer steht und nicht im Krieg zerstört wurde.“ Krüssmann nennt den Komplex am Gemarkenplatz ein „prominentes Architekturbeispiel“ für die in Essen wichtige 1920er-Jahre-Moderne. Aufgrund seiner Dimension, seiner Form und der schwungvollen Linienführung wagt er sogar einen Vergleich des Gebäudes mit dem Deutschlandhaus in der Innenstadt.

Viel Raum zum Gestalten

Gebaut wurde das Gemarhaus im Jahr 1930 von Architekt Hans Schäfer. Und er hatte viel Raum zum Gestalten. Sein Bauwerk nimmt die Größe eines ganzen Häuserblocks ein. Damals wie heute beheimatete das Gemarhaus zuvorderst Ladengeschäfte und Büros.

Die Post ist darin untergebracht, eine Nähstube, ein Buchladen, ein Reisebüro, ein Drogeriemarkt, eine Kneipe... Ein Nahversorgungszentrum, sagen Stadtplaner dazu. Die bunte Mischung macht das Gemarhaus interessant für Einkäufer. Das war früher nicht viel anders. Nur eines hat sich grundlegend geändert.

„In den frühen Jahren befand sich im Gemarhaus der Gemar-Filmpalast“, berichtet Krüssmann. Das Kino hatte 1150 Sitzplätze. Dort, wo heute der Edeka-Markt ist, hat sich der Eingangsbereich des Kinos befunden. Steht man heute an der rückwärtigen Seite des Gebäudes in der Schongauerstraße, sieht man die langgezogene, fensterlose Fassade des Gebäudes. Hinter diesen Mauern befand sich der Kinosaal. Das Holsterhauser Kino war die erste Essener Spielstätte der Filmtheaterbetriebe Menz und Jaeck, die ab 1950 auch die Lichtburg an der Kettwiger Straße in der Innenstadt führten.

Ebenfalls in dem Gebäude beheimatet war in den frühen Jahren ein großer Supermarkt: Die Einheitspreis AG (EPA) verkaufte dort Lebensmittel. Die EPA war der Niedrigpreis-Ableger von Karstadt. Heute erledigen in eben jenen Räumen Menschen an Sparkassen-Schaltern ihre Bankgeschäfte.

 
 

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