Ein Etappenziel

Glückwunsch – damit hatten selbst die größten Optimisten nicht gerechnet: Essen hat es bereits im ersten Anlauf in die Finalrunde geschafft, der Titel „Grüne Hauptstadt Europas 2016“ ist zum Greifen nah. Und selbst wenn es diese Stadt am 23. Juni in Kopenhagen nicht schaffen sollte, die Jury zu überzeugen, wenn Ljubljana, Oslo, Umea oder Nijmwegen den Zuschlag erhalten sollten, hat die Bewerbung doch eins gezeigt: Essen ist auf einem guten Weg, auch den ökologischen Strukturwandel zu stemmen, die Stadt gilt tatsächlich auf vielen Umweltgebieten als Vorreiter. Wer sich davon überzeugen möchte, der schwinge sich am Wochenende wie viele Essener aufs Rad und fahre die Routen ab, die auf teils wunderschönen Wegen durch Essen führen. Die Stadt ist grün und baut ihr grünes Netz weiter aus, in Altendorf vollzieht sich am Niederfeldsee und am Krupp-Gürtel ein faszinierender Wandel, und natürlich steht das Allbau-Quartier in der nördlichen City für eine neue Lebensqualität, ebenso wie das Uni-Viertel. Bitte, versuchen Sie sich einmal an den Berliner Platz und den alten Großmarkt vor 20 Jahren zu erinnern. Dort, wo heute vielerorts Radwege langführen, rollten früher täglich schwere Kohlezüge.

Das alles ist natürlich schön, aber eben nur ein Etappenziel: Der Nahverkehr leidet permanent unter dem engen Finanzkorsett der klammen Kommune, nicht besser ist die Lage bei Grün & Gruga, die immer mehr Flächen pflegen sollen bei sinkendem Budget. Dies wird von der Politik so nicht immer nachvollzogen. Und, bei der Gelegenheit: Wie sich Monddebatten um den A-52-Weiterbau in einer Grünen Hauptstadt-Bewerbung machen, darüber muss man sicher nicht lange debattieren. Das Engagement wäre besser aufgehoben bei der Frage, wie Essen künftig seinen Verkehr umweltfreundlich umstrukturieren will. Kopenhagen hat damit gepunktet.

 
 

EURE FAVORITEN