Ein Entertainer alter Schule

Freisenbruch..  Seit zehn Jahren nennt der Entertainer Thomas Glup das Theater im Rathaus in der Innenstadt seine künstlerische Heimat. Doch sein eigentliches Zuhause liegt seit jeher zwischen Steele und Eiberg – oder wie er es selbst formuliert: „im Luftkurort Bad Freisenbruch“.

„Hier ist die Luft besser als anderswo“, versichert der lange Blonde im Brustton der Überzeugung, beinahe ironiefrei. „Ich liebe Freisenbruch“, ergänzt er und schwärmt weiter: „Ich finde es toll, in einer Großstadt zu leben, aber dennoch in absolut dörflicher Umgebung.“ Und das tut er schon sein ganzes Leben: In Freisenbruch ist er aufgewachsen, und noch heute lebt er dort. „Nur nach dem Abi bin ich meinem Lieblingsort untreu geworden: Meine erste eigene Wohnung war in Steele.“ Weiter sei er jedoch nie hinaus gekommen.

Erste Theater-Gehversuche am Gymnasium an der Wolfskuhle

Und in Steele, genauer gesagt am Gymnasium an der Wolfskuhle, machte er nicht nur sein Abitur, sondern auch erste Gehversuche auf der Bühne: In der traditionsreicher Theatergruppe sammelte er erste Erfahrungen auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Nach dem Schulabschluss gründete er 1987 sein eigenes Ensemble. „Glups Revierbühne“ hieß die Truppe engagierter Laiendarsteller, mit denen der Namensgeber als Hauptdarsteller und Leiter vor allem Boulevardkomödien wie „Der Mustergatte“, „Charley‘s Tante“ oder „Othello darf nicht platzen“ in Szene setzte – auch hier wurden die Stücke vor allem in der Aula des Gymnasiums an der Wolfskuhle aufgeführt. Darüber hinaus glänzte er als begnadeter Heinz-Erhardt-Rezitator und -Imitator.

Beamtendasein alsHauptbroterwerb

Doch wollte Glup sich nicht gänzlich auf die unsichere Bahn der Schauspielerei begeben: Ganz bodenständig wählte er das Beamtendasein zu seinem Hauptbroterwerb, das Essener Rathaus wurde zum Zentrum seines beruflichen Daseins – und später auch zu dem seines künstlerischen. Denn nach 15 Jahren löste er 2002 „Glups Revierbühne“ auf. „Es wurde mir zu viel als Leiter, Hauptdarsteller und Regisseur“, so Glup. „Und da sich keiner fand, der die Leitung der Truppe übernehmen wollte, habe ich mich entschlossen, sie aufzulösen.“

Während er solo weitermachte und nach neuen Bühnen suchte, meldete sich Joachim Landgraf, der Betreiber des Theaters im Rathaus: „Er sagte mir: Hör auf, mit anderen Theatern zu sprechen: Das Theater im Rathaus soll deine neue Heimat werden.“ Eine Entscheidung, die Landgraf bis heute wohl kaum bereut hat: „In den vergangenen Jahren habe ich hier 250 Vorstellungen absolviert, die zu 98 Prozent ausverkauft waren“, sagt der Schauspieler nicht ohne Stolz. Dazu trugen auch seine Heinz-Erhardt-Programme bei, die er ins Theater im Rathaus mitbrachte. Darüber hinaus erfüllte er sich dort einen Traum damit, seine Heinz-Erhardt-Lieblingsfigur Willi Winzig in einem eigenen Theaterstück („Das hat man nun davon“) zu neuem Leben zu erwecken. Auch mit „Der Ferienkönig“ wagte Glup sich an ein Erhardt-Stück.

Vom charmanten Allrounderbis zum Rathausführer

Doch ist er auch im Rathaus-Theater keineswegs auf den kultigen Entertainer begrenzt. So brillierte er in Süskinds „Kontrabass“, spielte in Komödien wie „Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt)“ oder „Runter zum Fluss“, aber auch in selbst verfassten Stücken und Soloabenden, die nicht nur amüsant sind, sondern auch die vielen Facetten des Entertainers zeigen. In „Total verglupt“ gibt er den charmanten Allrounder, in „Ach du lieber Himmel“ setzt er sich auf humorvolle Weise mit seinem christlichen Glauben auseinander. Und in dem Stück „Beamte sind auch nur Menschen“ schlägt er eine Brücke von seinem Beruf zu seiner Passion. Zuweilen stellt er seine Entertainer-Qualitäten auch in den Dienst der Stadt. Nicht umsonst erfreuen sich seine historischen Stadt- und Rathausführungen besonderer Beliebtheit.

Doch was macht den Glupschen Erfolg aus? „Auf der Bühne bin ich stets ich selbst“, sagt er nach kurzem Überlegen. „Auch wenn ich andere Rollen spiele, steckt ganz viel Glup drin.“ Und zuweilen tritt Glup auch aus den Rollen heraus. So müssen seine Mitspieler stets damit leben, dass er Gags und Anekdoten improvisiert, die nicht im Skript stehen – seine Fans lieben das.

Dass diese Fans zumeist schon im Seniorenalter sind, stört den 49-Jährigen nicht. „Vielleicht liegt es daran, dass ich einer der wenigen bin, der die Stange klassischer Entertainer wie Peter Frankenfeld, Hans Rosenthal oder Harald Juhnke hochhält“, mutmaßt er. Auch alles große Unterhalter mit Schauspielerqualitäten.

Ein Dauerbrenner sind auch Jahr für Jahr die humorvollen Weihnachtslesungen mit Thomas Glup im Theater im Rathaus: „Kurz nach beginn des Vorverkaufs sind sie stets ausverkauft“, freut sich Glup über Schlangen am Verkaufsschalter, die sonst von der Länge her Boygroups Ehre machen würden. „Meine Zielgruppe zeltet aber nicht nachts am Schalter, die steht einfach ein paar Stunden früher auf“, schmunzelt er.

 
 

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