Ein Besuch auf Essens schlimmsten Bahnhöfen

Wenig einladend: So sieht der S-Bahnhof Frohnausen aus. Immerhin: Die Rolltreppe funktionierte zum Zeitpunkt der Aufnahme dieses Bildes.
Wenig einladend: So sieht der S-Bahnhof Frohnausen aus. Immerhin: Die Rolltreppe funktionierte zum Zeitpunkt der Aufnahme dieses Bildes.
Foto: Stefan Arend
Der VRR hält die Stationen Frohnhausen, Bergeborbeck und Stadtwald für „nicht akzeptabel“. Dabei gibt es mindestens noch eine weitere, die diesen Titel verdient hat.

Essen.. Offizielle Erhebungen sind das eine, Alltagserlebnisse das andere: Die schlimmsten Bahnhöfe in Essen sind die Stationen Frohnhausen, Bergeborbeck und Stadtwald. Das hat eine aktuelle Bestandsaufnahme des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) ergeben.

„Mich wundert“, sagt ein 52-jähriger Mann mit einer blauen Wollmütze, „dass Dellwig-Ost nicht dabei ist.“ Er sitzt im Wartehäuschen am Gleis 1, Dellwig-Ost, es gibt nur ein Gleis hier, „und was mich auch wundert, ist, dass hier noch keiner umgekommen ist.“

Man kann sich wirklich wundern. Zwar haben die Profi-Tester des VRR im letzten Jahr die Bahnhöfe in Essen insgesamt unter die Lupe genommen, die Ergebnisse sind in dieser Woche veröffentlicht worden: „Dellwig-Ost“ rattert in allen drei Kategorien durch die Wertung, es gibt die Faktoren „Sauberkeit“, „Funktion“ und „Graffiti“. „Dellwig-Ost“ ist sozusagen die Allround-Niete unter den Essener Bahnhöfen, und trotzdem: Es bleibt das Geheimnis des VRR, warum „Dellwig-Ost“ in der Gesamtwertung ein knappes „Geht noch“ bekommt. So wie die meisten anderen Stationen im Stadtgebiet.

Der Fahrkartenautomat ist verkratzt

„Ein Drecksloch“, sagt der Mann mit der Wollmütze. „Hier ist 15 Jahre lang nichts getan worden.“ So lange schon fährt er täglich mit der S9 zur Arbeit, hier in Dellwig-Ost morgens aus und nachmittags wieder ein, kann kenntnisreich berichten vom ewigen Kampf der Graffiti-Sprüher gegen die Putzkolonnen. „Letztendlich ist die Frage, wer die stärkeren Nerven hat“, sagt er und zieht an seiner Zigarette. Die Dunkelheit dieses Bahnhofs, der schräge Fußweg, der hinaufführt, „im Winter nie gestreut“, total zugemüllt, und überhaupt, der miese Bodenbelag überall: Deshalb, findet der Mann, grenzt es fast an ein Wunder, dass hier noch nichts Ernsthaftes passiert ist.

Dass übrigens nie was gemacht worden ist, stimmt so nicht: Die vollverzinkten Bänke sehen neu aus, auch die Wartehäuschen, na gut, eine Scheibe ist schon wieder rausgebrochen. Am Bahnhof Frohnhausen will eine 58-jährige, die handytippend auf die S3 wartet, ausdrücklich lobend erwähnen, „dass im letzten Jahr hier alles neu gemacht worden ist, das war vorher noch viel schlimmer.“ Die neuen Lärmschutzwände sind aber schon wieder silber angesprüht, dicke Lettern strahlen: „PS“, „OF“, „EGAL“. Letztes könnte man fast für programmatisch halten hier.

Aber halt, die Glaskästen mit den Fahrplänen sind sauber im Moment, auch der Fahrkartenautomat ist zwar verkratzt, aber funktioniert, und am zweiten Bahnhof auf Essener Stadtgebiet, der vom VRR das schlechteste Prädikat erhalten hat, am Bahnhof Bergeborbeck, da steht Studentin Katharina Cieslik (23) und sagt in bemerkenswerter Bescheidenheit: „So lange die Bahnhöfe belebt sind so wie dieser hier, geht’s doch eigentlich.“ Tatsächlich macht Bergeborbeck keinen allerschlechtesten Eindruck, der lange Tunnel, der unglücklicherweise zu den Gleisen führt, ist immerhin hellgrau getüncht und gut ausgeleuchtet. Auf dem Bahnsteig ist alles recht mittelprächtig, bloß das Dach darf man sich nicht genauer angucken: Weißer Schimmel lacht von oben, damit ist jetzt kein Pferd gemeint.

EURE FAVORITEN