Ein Abend voll unbändiger Musizierlust

Er saugt aus den heimischen Wurzeln eines Schostakowitsch oder Prokofjew und im Hintergrund brodelt noch der späte Wagner. Der Mittdreißiger Andrey Rubtsov bleibt auf tonalem Boden, auch in seinem Violinkonzert, das er auf Anregung von Julia Fischer schrieb. Die deutsche Stargeigerin machte das Werk gemeinsam mit der Academy of St Martin in the Fields dem Essener Publikum in der Philharmonie bekannt.

Keine kopflastige Avantgarde also, sondern expressive Musik, die zauberhafte Stimmungen einfängt und der Solistin auf den Leib zugeschnitten ist. Und Julia Fischer löste ihr Pfand ein: kapriziös, musikantisch und in funkelnder Virtuosität. Ein dankbares Stück.

Das gilt freilich auch für das nicht gar so gängige d-Moll-Konzert für Violine, Klavier und Orchester des 14-jährigen Mendelssohn Bartholdy. Mit zwei rauschenden Solopartien im Dialog, zu dem sich die Geigerin die ebenbürtige, genauso brillant aufspielende Yulianna Avdeeva an die Seite holte. Da erlebte man unbändige Musizierlust, gekoppelt mit mozartischer Schönheit und Noblesse.

Streicherkultur und Ensemblegeist vom Feinsten wurde schließlich auch Tschaikowskys Streicherserenade C-Dur zuteil mit Julia Fischer als Konzertmeisterin des legendären Londoner Kammerorchesters. Jubel und Ovationen für alle Beteiligten.

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