Essen

Versuchter Ehrenmord in Essen: So sind die Ermittler den Angreifern auf die Schliche gekommen

In Essen hat die Polizei einen versuchten Ehrenmord aufgedeckt.
In Essen hat die Polizei einen versuchten Ehrenmord aufgedeckt.
Foto: Lars Heidrich/Funke Foto Services

Essen. Ein 19-jähriger Syrer sollte getötet werden, weil er ein Verhältnis mit einer verheirateten Frau hatte. Die Polizei Essen spricht am Donnerstagmorgen bei einer Pressekonferenz von versuchtem Ehrenmord, der mitten in Essen geschehen sollte.

Polizei konnte versuchten Ehrenmord durch viele Hinweise aufklären

Ende Mai wurde der 19-Jährige von mehreren Männern und Frauen auf der Steeler Straße angegriffen. Auf ihn wurde eingetreten, er wurde geschlagen und auf ihn wurde eingestochen. Selbst als er bereits blutüberströmt an einer Hauswand lehnte, ließen die Angreifer nicht von ihm ab. Sie verletzten ihm Oberbauch, Lunge, Galle und Gesicht – er überlebte nur durch viel Glück und die schnelle Reaktion der Ärzte.

Doch wie ist die Polizei den mutmaßlichen Tätern auf die Schliche gekommen? Und wieso wissen die Beamten, dass es sich um einen versuchten Ehrenmord handelt?

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Hauptkommissarin Tanja Hagelüken leitet die Mordkommission, die extra für den Fall eingerichtet wurde. 16 Personen wurden eingesetzt, um den Fall schnellstmöglich aufzuklären.

Bereits am Tag der Tat konnten die Ermittler den ersten Erfolg verbuchen: Ein 22-Jähriger hatte sich in einem Rosenstrauch nahe dem Tatort vor den Polizisten versteckt.

Opfer brachte Polizei auf Familie der Frau

„Da er aus Sachsen-Anhalt stammte, mussten wir erstmal die Verbindung zum Opfer klären“, so Hagelüken. Durch Aussagen des 22-Jährigen wurde die Polizei auf die Familie der 19-jährigen Frau aufmerksam.

Und auch das Opfer brachte die Ermittler auf die Spur der Familie. Kurz nach der Operation wies der 19-Jährige die Polizisten darauf hin, dass die Frau in akuter Lebensgefahr schwebe. Anscheinend sei es oft Brauch, beide Beteiligten bei Ehebruch zu töten.

„Die Frau stand zu dem Zeitpunkt schon unter den Fittichen ihrer Familie. Ein Angehöriger hatte sich für sie eingesetzt, dadurch durfte sie weiterleben“, so Hagelüken.

Hinweise in Wohnung der 19-Jährigen gefunden

In der Wohnung der Frau, die kurz nach der Tat durchsucht wurde, fanden sich zahlreiche Hinweise auf mutmaßliche Täter: Der Vater und der Onkel der 19-Jährigen wurden festgenommen.

Unter anderem haben die Beamten auch einen Kaufvertrag über mehrere Tausend Dollar gefunden. Dieser soll für das Mädchen gewesen sein: Sie wurde an den 28-jährigen Ehemann verkauft und zur Hochzeit gezwungen, so vermuten die Ermittler.

Am Mittwoch gelangen sechs Festnahmen bei Wohnungsdurchsuchungen in Niedersachsen, NRW und Sachsen-Anhalt. Kurz darauf stellten sich zwei weitere Tatverdächtige.

Ehemann stellte sich freiwillig

Und auch der Ehemann, der bereits seit Juni gesucht wurde, gab am Mittwoch auf und stellte sich freiwillig bei der Polizei.

Allen zwölf Tatverdächtigen blüht nun eine Anklage wegen versuchten Mordes unter besonders schweren Merkmalen. Oberstaatsanwältin Brigit Jürgens betont: „Es kann maximal 15 Jahre geben, da der Mord nicht gelungen ist. Das mildert die Strafe ab.“

Die Polizei wertet nun weitere Beweismittel aus. „Der ganze Fall ist ein großes Puzzle. Und er ist noch längst nicht abgeschlossen“, betont Tanja Hagelüken.

 
 

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