Ehrenamtliche bauen Kleiderkammer im Asylheim auf

Christina Wandt
Kommt aus Düsseldorf, um in der Kleiderkammer des Asylheims im Essener Opti-Park zu helfen: Miriam Steen.
Kommt aus Düsseldorf, um in der Kleiderkammer des Asylheims im Essener Opti-Park zu helfen: Miriam Steen.
Foto: WAZ FotoPool
Durch Zufall wurde Benjamin Melzer (34) zum Mitbegründer einer Kleiderkammer: Er wollte einen Kinderwagen an eine Flüchtlingsfamilie weitergeben und fand zunächst keine geeignete Anlaufstelle in Essen. Nun gibt er selbst im Asylheim Kleider und Spielzeug aus.

Essen. Eigentlich wollte Benjamin Melzer einen Kinderwagen an eine Flüchtlingsfamilie weitergeben, doch das erwies sich als gar nicht so einfach. In der Asyl-Einrichtung des Landes im Opti-Park fehlte es etwa an einer gut organisierten Annahme und Verteilung der Sachspenden (wir berichteten). So kam es, dass Sozialwissenschaftler Melzer die Kleiderkammer dort selbst mit aufbaute.

„Den Kinderwagen habe ich in Mülheim abgegeben“, erzählt der 34-Jährige. Dort haben Ehrenamtliche eine Art Sozialkaufhaus für die Flüchtlinge auf die Beine gestellt; auf die Frage, warum so ein Angebot in Essen fehle, bekam Melzer die Antwort: „Das musst Du schon selber machen.“ Und so suchte Melzer in den nächsten Wochen Mitstreiter und einen Raum, nahm Kontakt zur Stadt auf und zur Firma European Homecare (EHC), die das Heim im Opti-Park betreut. „Die nahmen uns mit offenen Armen auf und stellten uns eine Halle zur Verfügung.“

Über Facebook fanden sich rasch weitere Helfer, die sich zur Initiative „Willkommen in Essen“ zusammenschlossen und aus der Halle einen Verkaufsraum machten. Die Regale wurden zunächst mit Kleidung der Mülheimer bestückt: „Die haben uns 100 Kartons überlassen, weil sie selbst umziehen mussten.“ Beim Auspacken der Kisten erlebten die Ehrenamtlichen freilich auch unangenehme Überraschungen: Unter den Spenden befand sich zerrissene oder verschmutzte Kleidung, besudelte Babysachen oder Unterwäsche, der man den Gebrauch ansah. „Manches haben wir gewaschen, anderes konnte man nur noch in den Müll stopfen.“

Inzwischen arbeiten Melzer und Co. mit Handschuhen, wenn sie die Kleider auspacken, doch es bleibe die Frage: „Warum machen uns die Leute mit solchem Kram noch zusätzliche Arbeit.“ Aufwendiger als gedacht, ist auch die Verteilung: Seit etwa vier Wochen öffnet die Kammer täglich von 11 bis 15 Uhr. Dann sind drei bis fünf Ehrenamtliche sowie noch einmal soviele Asylbewerber da, die helfen und bei Bedarf übersetzen. Vor der Tür drängeln sich stets viele der 450 wechselnden Bewohner des Heims, eingelassen werden immer nur wenige, die von den Helfern begleitet durch die Regalreihen gehen.

Erstens gäbe es sonst nach der Ausgabe zu viel Chaos, zweitens kann sich nicht jeder beliebig bedienen: Vielmehr erhalten alle Flüchtlinge 24 Wertmarken, für die sie 24 Teile erhalten. Niemand darf mehr als einen Koffer oder eine Reisetasche nehmen, denn beides ist so beliebt wie rar. Als Mangelware gelten auch solides Schuhwerk oder gute Wintersachen, vor allem Jacken. 70er-Jahre Ski-Overalls in Neonfarben hält Melzer indes nicht für geeignete Alltagskleidung: „Viele der Menschen fühlen sich hier ohnehin verloren, da sollten wir sie nicht wie Hampelmänner rumlaufen lassen.“

Raumgreifendes wie etwa Eisenbahnen können die Flüchtlingskinder bislang nicht nutzen. Adam Lisek von EHC kündigt aber an, damit das im Aufbau befindliche Spielzimmer zu bestücken. Begehrt sind bei Kindern Bälle und Spielzeugautos – Kuscheltiere stapeln sich dagegen in der Kammer. Miriam Steen, die aus Düsseldorf zum Helfen anreist, hat aber beobachtet, dass sogar Erwachsene zu Kinderbüchern greifen: „Die lernen damit Deutsch.“

Wo und wann Sie Spenden abgeben können

Kleiderspenden und Spielsachen können Freitag und Samstag, jeweils von 10 bis 15.30 Uhr, im Asylheim Opti-Park, Altendorfer Straße 97-101, 45143 Essen, abgegeben werden. Kuscheltiere, Sommersachen, Tisch- und Bettwäsche werden nicht gebraucht. Benjamin Melzer: "Außerdem benötigen wir dringend weitere Mithelfer, die uns über unsere Facebook Gruppe 'WiE Willkommen in Essen' finden."