Essen

Du fährst gern Fahrrad? Dann kannst du in Essen jetzt Revolutionär werden

Peter Sieben
"Critical Mass" 2015: Da war noch alles friedlich. In diesem Jahr gab es mächtig Ärger mit der Polizei.
"Critical Mass" 2015: Da war noch alles friedlich. In diesem Jahr gab es mächtig Ärger mit der Polizei.
Foto: Stefan Arend
Was wir bereits wissen

Radtour "Critical Mass" hatte Ärger mit der Polizei

Radler werfen Beamten vor, sie hätten provoziert

Teilnehmer wollen jetzt zurückschlagen

Essen. Radfahren ist Revolution. Glaubst du nicht? Spätestens seit letztem Freitag ist das aber so. Da waren 150 Leute auf ihren Rädern in Essen unterwegs - vielleicht hast du den Riesen-Konvoi gesehen (oder bist selber mitgefahren).

Erst mal nichts Besonderes. Das gibt es seit Jahren in Essen. "Critical Mass" heißt das Ganze. Die Idee: Menschen fahren einfach als Gruppe durch die Stadt. Ohne Organisation. Ohne vorgegebene Strecke.

69 Mal ging alles glatt - dann kam die Eskalation

69 Mal hat das gut funktioniert. Ohne Zwischenfälle. Beim letzten Mal gab es aber Ärger mit der Polizei.

Knapp zwei Stunden nach dem Start haben Polizisten die Tour immer wieder angehalten: Allgemeine Verkehrskontrolle. Viele der Radler sollen den Straßenverkehr behindert haben, teilt die Polizei später mit.

"Völlig aus dem Ruder gelaufen" sei das Ganze, sagt Polizeisprecher Peter Elke. Die Polizei will künftig die Touren untersagen. Es sei denn, "Critical Mass" wird eine angemeldete Demo. Was der eigentlichen Idee dahinter komplett widersprechen würde.

Jetzt schlagen die Radler zurück

Jetzt wollen die Radler zurückschlagen. Auf der Facebook-Seite von "Critical Mass Essen" gibt es jede Menge saure Kommentare. Einer schreibt: "Anmelden und das bis 2030! Was Pegida und Co können, können auch die Radfahrer in Essen! Dann muss die Polizei die Strecke sichern und wenn man fies ist macht man es wie Pegida jeden Montag und immer die gleiche Strecke!"

Ein anderer findet: "Das ist ja Sinn und zweck einer Critical Mass. Zeigen dass es fahrradfahrer gibt und dass uns die Straßen auch gehören."

Ein Admin der Facebook-Seite, der unbedingt anonym bleiben will, sagt sogar: Die Polizei hat provoziert. "Viele Teilnehmer hatten schon Angst angesichts herumschreiender Beamter", schreibt er uns.

Polizisten überholten riskant

Einige Polizisten hätten die Radler mit Motorrädern riskant überholt, "sogar auf dem Bürgersteig". Dabei seien auch Kinder bei der Tour mitgefahren.

Auch in anderen Städten hatten "Critical Mass"-Radler Ärger mit der Polizei. In Köln etwa. Von da gab es jetzt bei Facebook sogar "Soli-Grüße". Radler aller Städte, vereinigt euch - oder wie?