„Druzhba“ heißt Freundschaft

Gordon K. Strahl
Foto: PGeorg Lukas

Mit offenem Mund bewundert Vladimir Dzhumok den Auftritt der Essener Philharmoniker bei „Essen Original“. „Unvergesslich“ findet er das Konzert. Einige Stunden zuvor stand der 35-Jähige selbst noch auf der Bühne am Kopstadtplatz: Mit dem Theater Vera aus dem russischen Nischni Nowgorod hat er in einer Revue anlässlich der 25-jährigen Städtepartnerschaft mit der Stadt Essen gespielt.

Fester Bestandteil dieser Partnerschaft ist der Austausch des Theaters Vera mit der Essener Studio-Bühne. Der Gründer des Essener Amateurtheaters, Siegfried Plewa, hat dafür 1991 den Grundstein mit einem Besuch in Russland gelegt. Inzwischen sind die Essener bereits acht Mal zu Gast in der russischen Partnerstadt gewesen, das Theater Vera ist jetzt zum siebten Mal nach Essen gereist. „In dieser Zeit sind immer wieder neue Menschen zu den Ensembles gestoßen, es gab neue Begegnungen und Freundschaften“, so Plewa. „Viele kennen sich aber auch bereits seit 21 Jahren.“ Workshops, Auftritte, Empfänge – auch dieses Jahr ist der Terminkalender voll. Der Höhepunkt war diesmal der Auftritt bei Essen Original vor mehreren hundert Zuschauern: „Das Essener Publikum hat viel Herz“, freut sich die russische Theaterleiterin Vera Gorshkova.

Manches verbindet beide Theater – nicht zuletzt die Immobilienprobleme. Seit vor sechs Jahren die Studio-Bühne in einem Gutachten als „Schrottimmobilie“ bezeichnet wurde, fürchtet das Ensemble, aus dem alten Schulgebäude in Kray-Leithe, das ihm seit 25 Jahren als Spielstätte dient, ausziehen zu müssen: Immerhin: Der Rat verkündete jüngst den Willen, das Haus für die Studio-Bühne zu erhalten.

Doch während in Essen der Spielbetrieb bislang aufrecht erhalten werden konnte, hatten die Russen nicht so viel Glück: „Weil das Haus saniert werden sollte, mussten wir vor einigen Jahren ausziehen – doch seit Jahren stockt die Sanierung, weil das Geld fehlt“, ärgert sich Gorshkova.

Die Studio-Bühne half, unterschrieb eine Petition an Nischni Nowgorods Bürgermeister. Mit Erfolg: „Zur WM 2018 sollen wir wieder einziehen können“, so Gorshkova. Bis dahin sei man weiterhin eine Nomadentruppe.

Auch wenn Politik beim Austausch keine große Rolle spielt, ist sich Vera Gorshkova sicher: „Theater hilft dabei, unterschiedliche Standpunkte zu begreifen. Man erfährt viel über andere und vor allem über sich selbst. Daher sollten alle Menschen – besonders Politiker – oft Theater besuchen.“