Dreisten Dieben im Essener Dom ist nichts mehr heilig

Unbekannte Täter schlagen auch im Essener Dom zu, wo sie etwa einen Altfrid-Bruder bestohlen haben.
Unbekannte Täter schlagen auch im Essener Dom zu, wo sie etwa einen Altfrid-Bruder bestohlen haben.
Foto: Daniel Elke/WAZ FotoPool
Tatort Gotteshaus: Unbekannte Täter raubten einen Senior im Innenraum des Essener Doms aus, bettelnde Frauen bedrängen und verängstigen Betende. Mitarbeiter der Schatzkammer sprechen von massiven Übergriffen. Einige als Spendensammler Getarnte sollen in einem Luxusauto unterwegs sein.

Essen. Bettelnde Senioren oder um Geld bittende junge Frauen mit Kind auf dem Arm – ein Bild, das in der Essener Innestadt bekannt ist. Doch inzwischen scheuen Bettelnde und auch Diebe nicht davor zurück, Menschen in einer Kirche zu bedrängen.

Wie massiv und aggressiv Besucher eines Gotteshauses überrumpelt werden, das berichtet unter anderem Dorothee Luthe von der Domschatzkammer. So griffen Unbekannte brutal einen Senior an und hielten ihn unsanft fest, um ihm seine Geldbörse zu stehlen. Es war einer der Altfrid-Brüder, „den die Täter zuvor beim Geld abholen beobachtet haben müssen“, vermutet Dorothee Luthe.

Eine kniende Besucherin in der Anbetungskirche wiederum wurde von bettelnden Frauen in Angst versetzt. „Die Dame war völlig ins Gebet versunken, als die Gruppe sie massiv bedrängte“, sagt Dorothee Luthe. Zwar ist Betteln keine Straftat, doch solch extreme Situationen können als bedrohlich empfunden werden, die betende Besucherin sei nach dem Vorfall völlig verstört gewesen. Es sei zwar nicht neu, dass sich bestimmte Personenkreise wie bettelnde Gruppen rund um den Dom aufhalten. Erschreckend aber finden die Betroffenen die Aggressivität, mit der sie nun in den Dom drängen. Auch wenn die Mitarbeiter dort ein Auge auf den Innenraum haben und es Überwachungskameras gibt, sie können nicht alles verhindern.

„Lassen Sie mich in Ruhe, was wollen Sie?“

Mitunter handelt es sich bei den Taten um organisierte Kriminelle. „Alle unangenehmen Erfahrungen, die Kirchengänger machen und Straftaten, sollten unverzüglich der Polizei mitgeteilt werden“, sagt deren Sprecher Peter Elke. Die Polizei werde den Örtlichkeiten angemessen reagieren, wenn jemand Hilfe sucht. Die Plätze in der Stadt, wo die Gruppen sich treffen, seien zwar bekannt, aber es sei wichtig, sagt Elke, dass Opfer die Polizei in Kenntnis setzen. „Wir können anders auftreten und eingreifen.“

Wer bedrängt wird oder sich überrumpelt fühlt, weil ihm Fremde zu nahe kommen, „der sollte zudem auf sich aufmerksam machen“, sagt Elke. Vor allem, wenn der Angesprochene nicht ausweichen kann, um sich Abstand zu verschaffen wie hier die Betende, die in der Kirchenbank kniete, der sollte laut werden und rufen: „Lassen Sie mich in Ruhe, was wollen Sie?“ Aufmerksamkeit mögen Bettler und Trickdiebe nicht, sagt Elke. Manchmal reicht es da auch schon, die Stimme leicht zu erheben. Wenn sie merken, das Umfeld guckt, lassen sie sich mitunter verscheuchen.

Als Spendensammler getarnte Trickdiebe, unterwegs im Luxusauto 

Sie tarnen sich als Spendensammler, doch tatsächlich verbergen sich dahinter oft gewiefte Trickbetrüger. Markthändler Dirk Mauermann, der mit seinem Stand vor der Marktkirche steht, sieht gar eine kriminelle Gruppe am Werke. Der Obstverkäufer will schon oft beobachtet haben, wie junge Männer und Frauen vorgeben, Spenden zu sammeln, aber den Passanten in Wirklichkeit einfach nur „mit einem miesen Trick das Geld aus der Tasche ziehen“.

Eine Masche, die offenbar funktioniert. Denn Mauermann wundert sich darüber, dass die angeblichen Spendensammler morgens aus einer Luxuslimousine aussteigen und zudem immer gut gekleidet sind. Gerade jetzt, zur Weihnachtszeit, sei diese Gruppe aktiver denn je, erzählt er.

Auch Polizeisprecher Lars Lindemann ist die „Masche“ bekannt. Skepsis sei besonders gegenüber jenen angebracht, die auf der Straße nach Gaben für eine Organisation oder einen wohltätigen Zweck fragen. „Es ist ja wirklich lobenswert, wenn jemand gute Zwecke finanziell unterstützen möchte, allerdings sollte man sich genau überlegen, wem man etwas gibt.“

Solange Bettler mit Pappbechern „still“ vor einem Geschäft in der Fußgängerzone sitzen, verstoßen sie gegen keinerlei Gesetz. Sie werden toleriert und gehören zum Stadtbild dazu, betont eine Stadtsprecherin. Nur aggressives Betteln, also Passanten aufdringlich ansprechen oder gar anfassen, werde von der Ordnungsstreife geahndet - entweder mit einer Verwarnung bis zu 35 Euro, einer Bußgeldanzeige oder sogar mit einem Platzverweis.

 
 

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