Drei Farben Kunst

Ist das Kunst? Darüber dürfen bis Oktober die Bürger diskutieren. oder einfach nur ein Farbbad in den gläsernen Quadern nehmen.
Ist das Kunst? Darüber dürfen bis Oktober die Bürger diskutieren. oder einfach nur ein Farbbad in den gläsernen Quadern nehmen.
Foto: Herbert Höltgen
Drei begehbare Glasquader stehen bis Oktober vor dem Essener Ruhrturm. Die öffentliche Kunst soll helfen, den Platz vor der ehemaligen Ruhrgas-Zentrale zu beleben.

Essen.. Tiefblau schimmern die glänzenden Wände und wenn ein Sonnenstrahl auf den Kubus trifft, dann fühlt sich das an wie ein Bad im warmen Meer. „Hier könnte ich ewig bleiben“, seufzt Helene Arnold, „blau ist meine Lieblingsfarbe.“ Die Essenerin, die unweit des Ruhrturms an der Huttropstraße wohnt, hat sich von den „Farbräumen“ auf den Vorplatz der ehemaligen Ruhrgaszentrale locken lassen.

Dort laden drei große, begehbare Kuben aus blauen, roten und gelben Glas ein, sich auf ungewöhnliche Weise von Licht und Farbe inspirieren zu lassen. Die Bremer Künstlerin Eva Boehme hat diese besonderen Orte aus Glas geschaffen: „Ich habe mit dem Würfel die langweiligste und unauffälligste Form ausgesucht, um nicht von dem, was mir wichtig ist, nämlich dem Farb-Erlebnis, abzulenken“, sagt sie. Ihr Lieblingsquader wechselt je nach Stimmung und Jahreszeit: „Im Winter heitert mich der gelbe Farbraum auf, im Sonnenlicht ist der blaue unglaublich beruhigend. Und der rote ist eigentlich durchgehend aufregend.“ Aber das, so die Künstlerin, sei ihre ganz individuelle Wahrnehmung.

"Jeder, der hier lebt, ist bei uns willkommen"

„Wir wollen mit dieser Kunst im öffentlichen Raum die Bürger auf den Platz locken, ihn beleben“, wünscht sich Initiator Jürgen Gramke, Vorstandsvorsitzender der Inea (Institute for European Affairs), die in der ehemaligen Ruhrgas-Zentrale ihren Sitz hat. Die Glasquader in den Primärfarben sind ein echter Hingucker - sie setzen sich von der weißen Fassade des hohen Gebäudes kontrastreich ab und erregen so die Aufmerksamkeit. Aber ist das Kunst? Ja, behauptet Stadtplaner Gerd Mahler, und spricht von den Aufgaben der Kunst im öffentlichen Raum: „Sie soll nicht nur für alle zugänglich sein, sondern auch Diskussionen anregen.“ Und im Fall der Farbräume die Distanz zwischen den Essenern und dem Ruhrturm verringern.

„Jeder, der hier lebt, ist bei uns willkommen“, ergänzt Hubert Schulte-Kemper, der 2011 gemeinsam mit seinen Partnern das leerstehende Verwaltungsgebäude, eine Riesenimmobilie mit 50.000 Quadratmetern, kaufte und seitdem eine Mischung aus Büros, Hotel, Veranstaltungsfläche und Gastronomie zu etablieren versucht, um aus dem Ruhrturm eine Landmarke fürs Revier zu machen. Seiner Vision ist er mit der Kunstpremiere wieder ein Stückchen näher gekommen. Denn sie soll gleichzeitig Startschuss für weitere öffentliche Projekte sein. „Wenn morgen zehn junge Künstler kommen, die im Ruhrturm arbeiten wollen, sind sie herzlich eingeladen“, sagt er und wünscht sich, dass sein Haus eine Plattform für dauerhafte Ausstellungen wird.

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