Die Zukunft des Essener Traditionscafés Overbeck ist weiter ungewiss

Seit 42 Jahren arbeitet er für das Café Overbeck: Geschäftsführer Friedrich Magenau (75) hätte längst in Rente gehen können, „doch die Arbeit macht mir zu viel Spaß“. Dass bald alles vorbei sein könnte? „Ein Gedanke, an den ich mich schlecht gewöhnen kann.“
Seit 42 Jahren arbeitet er für das Café Overbeck: Geschäftsführer Friedrich Magenau (75) hätte längst in Rente gehen können, „doch die Arbeit macht mir zu viel Spaß“. Dass bald alles vorbei sein könnte? „Ein Gedanke, an den ich mich schlecht gewöhnen kann.“
Foto: WAZ FotoPool
Drei Wochen nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens sparen die Kunden auf der Kettwiger Straße in Essen nicht mit aufmunternden Worten. Doch ob das Café Overbeck die drohende Pleite abwenden kann, ist derzeit offen. Ein neuer Betreiber wird noch gesucht. Bis Ende des Jahres geht der reguläre Betrieb weiter.

Essen. An einem verregneten Mittwochnachmittag im Oktober ist das Café Overbeck auf der Kettwiger Straße ziemlich gut gefüllt mit Kunden, auch im obersten Geschoss sitzen die Menschen vor Kaffee und Kuchen, auffallend viele junge Leute übrigens. Und man denkt das, was viele Gäste derzeit den Angestellten sagen: „Insolvent? Das Café Overbeck? Unvorstellbar!“

„Wir bekommen sehr viel Zuspruch“, berichtet Geschäftsführer Friedrich Magenau (75). Mit Bestürzung und Betroffenheit würden die Kunden bis heute reagieren, und auch in der Kasse mache sich die Solidarität bemerkbar: „Ich meine“, sagt Magenau, „dass der Umsatz etwas angezogen hat.“

Neuer Betreiber gesucht

Doch Besitzer Eckard Overbeck kann derzeit keine guten Nachrichten verkünden. Der Betrieb läuft zwar wie geplant bis Jahresende. „Wir kämpfen weiter im Tagesgeschäft.“ Doch dann? Das Traditionshaus, das vor 82 Jahren gegründet wurde und seit 1956 an der Kettwiger Straße residiert, sucht derzeit einen neuen Betreiber. Über Gespräche mit möglichen Übernahme-Kandidaten, berichtet Overbeck, „kann ich noch nichts sagen.“

„Die Leute, die zu uns kommen, können das nicht verstehen“, sagt Geschäftsführer Magenau, der seit 42 Jahren bei Overbeck arbeitet. An den Gedanken, dass bald alles vorbei sein könnte, „kann ich mich nur schlecht gewöhnen.“ Mit seinem Team versuche er täglich, „alles zu geben.“ Längst hätte Magenau in Rente gehen können, „doch die Arbeit macht mir zu viel Spaß – die Arbeit mit den Waren, der Kundenkontakt.“ Er wuchs sozusagen in einer Backstube auf, die Eltern hatten einen Betrieb in Leutkirch im Allgäu, Magenau lernte erst Bäcker, dann Konditor. Er arbeitete in verschiedenen Betrieben in Deutschland, bis er Anfang der siebziger Jahre zu Overbeck kam – und blieb: „Für mich ein Glücksfall. Overbeck ist und bleibt etwas Besonderes.“

Zu den Klassikern bei Overbeck zählt neben der Buttercreme-Torte die „Prinz-Heinrich-Torte“: Marzipan, Schokolade, Vanille, Buttercreme, etwas Weinbrand. „Die“, sagt Magenau, „ist auch meine persönliche Lieblingstorte.“

Trainer-Legende Otto Rehhagel gehört zur Kundschaft

Es ist ja nicht so, dass sie sich nicht in Demut üben, jetzt, da die Pleite droht. „Wir suchen nach Fehlern“, sagt Magenau, „doch wir hören wirklich kein kritisches Wort von den Kunden. Weder, was die Qualität unserer Produkte, noch was den Service angeht.“

Wie berichtet, hatte Overbeck Anfang des Monats Insolvenz anmelden müssen. Zuletzt sei das Sommer- und Terrassengeschäft durch Bauarbeiten auf der Kettwiger Straße verdorben worden, berichtet Eckard Overbeck. Zu diesem Zeitpunkt stand längst nicht mehr alles zum Besten um den Traditionsbetrieb. Vor allem die umliegenden Bäckereien, hieß es, machten es Overbeck zunehmend schwer.

Es ist übrigens nicht nur Trainer-Legende Otto Rehhagel, der regelmäßig einkehrt ins Overbeck. „Es kommen auch viele Schauspieler aus dem Theater im Rathaus“, berichtet Magenau. „Die sagen dann immer, so ein schönes Kaffeehaus gibt es nicht oft in Deutschland.“

Übrigens, am Donnerstag ist in der Lichtburg gegenüber wieder Seniorenkino. Wer also am Nachmittag zu Overbeck will: Kann sein, dass ab etwa 16 Uhr alles voll sein wird. Ob’s am Ende nützt, weiß aber derzeit keiner.