Die Wut der Anwohner des Flüchtlingsdorfs in Karnap wächst

Die Flüchtlingsunterkunft im Stadion Mathias Stinnes in Essen-Karnap grenzt sehr nah an die Wohnhäuser in der Beisekampsfurth. Anwohner beschweren sich seit Monaten über Lärm und Müll.
Die Flüchtlingsunterkunft im Stadion Mathias Stinnes in Essen-Karnap grenzt sehr nah an die Wohnhäuser in der Beisekampsfurth. Anwohner beschweren sich seit Monaten über Lärm und Müll.
Foto: FUNKE Foto Services
In Essen-Karnap wird die Stimmung schlechter: Nachbarn der Flüchtlingsunterkunft im Stadion Mathias Stinnes beschweren sich weiter über Lärm und Müll.

Essen-Karnap.. Sein Name soll aus „Angst vor Übergriffen“ nicht veröffentlicht werden, an diese Zeitung gewendet hat er sich trotzdem. Der 44-jährige Karnaper wohnt in der Beisekampsfurth, nur wenige Meter trennen seine Eigentumswohnung vom Flüchtlingsdorf im Stadion Mathias Stinnes. „Wir haben hier jeden Tag Theater und Scherereien von morgens bis abends“, sagt er.

Jeden Tag würde es zu Lärmbelästigungen kommen. Vor allem jetzt im Frühling hielten sich viele Bewohner des Zeltdorfs draußen auf und seien sehr laut. „Ich verstehe die Leute ja auch, wenn sie bei warmem Wetter draußen sein wollen“, meint der 44-Jährige, aber die Lautstärke bis tief in die Nacht sei nicht zu ertragen. Zudem häufe sich der Müll in der Umgebung der Unterkunft. Der Karnaper hat sich stellvertretend für seine Nachbarschaft an Oberbürgermeister Thomas Kufen gewendet, der sich in einem Telefonat seine Beschwerde angehört hat. „Passiert ist seitdem allerdings nichts.“ Den Vorwurf macht der 44-Jährige der Stadt, weil diese ein Zeltdorf in ein Wohngebiet gesetzt hat: „Keiner hat sich um die Anwohner geschert.“ Es gehe ihm nicht darum, dass Flüchtlinge generell hier in Essen untergebracht sind, sondern um die enge Bebauung. „Es gibt genügend freie Flächen hier in Karnap, die besser für eine Unterkunft geeignet wären.“

Stadt versucht, "die Situation runter zu spielen"

Auch Rolf Czieczor wohnt in der Beisekampsfurth. Ende vergangenen Jahres, als die ersten Flüchtlinge in das Zeltdorf zogen, war er noch positiv gestimmt. „Im Moment ist es hier ganz ruhig“, lautete seine Einschätzung im Dezember. Doch nun habe sich die Situation verändert. „Es ist nichts mehr so, wie es war. Ich habe die Schnauze bis oben hin voll“, sagt der Rentner. Es sei häufiger vorgekommen, dass Besucher nachts kamen, Musik aufgedreht wurde, „als wären sie auf einem Basar“. Seine Frau habe bereits die Stadt kontaktiert, „aber die versuchen nur, die Situation runter zu spielen“.

Bereits im Januar drohte die Stimmung rund um die Karnaper Unterkunft zu kippen. Flüchtlinge demonstrierten für eine schnellere Zuteilung von Wohnraum; die Beschwerden von Anwohnern häuften sich schon damals.

Die Nachbarn der Unterkunft haben nun das Gefühl, dass sich die Lage nur weiter verschlechtert hat. Allerdings sagte die Polizei auf Anfrage, dass sie in den vergangenen zwei Monaten nur einmal wegen Ruhestörung ausgerückt sei – und die fand bei einer genehmigten Veranstaltung statt. Laut Stadtsprecherin Silke Lenz seien bislang 20 Beschwerden im Rathaus eingegangen. „Wir gehen jeder Beschwerde nach und informieren die Bewohner. Beispielsweise bei Kinderlärm sehen wir aber keinen Handlungsbedarf.“

 
 

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