Essen

Die Toten Hosen in Essen: Gummiboot und Sticheleien gegen RWE – So war das Konzert an der Hafenstraße

Campino heizte mit seinen Toten Hosen der Essener Hafenstraße ein.
Campino heizte mit seinen Toten Hosen der Essener Hafenstraße ein.
Foto: Marcel Storch / DER WESTEN

Essen. „Was kann es als Fan von Fortuna Düsseldorf schöneres geben als ein Tournee-Auftakt in Essen? Auswärtsspiel!“, kam Campino zu den Klängen von „You‘ll Never Walk Alone“ auf die Bühne.

Die Toten Hosen in Essen: Seitenhiebe in Richtung RWE

Es sollte nicht der einzige Seitenhieb von Campino in Richtung Rot-Weiss Essen bleiben. Kein Wunder, während RWE weiter viertklassig kickt, spielt der Hosen-Lieblingsverein aus Düsseldorf bekanntlich bald wieder in der Bundesliga.

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Einmal in Fahrt gekommen, erinnerte Campino die RWE-Anhänger an die bittere Niederlage im Niederrheinpokal-Finale am vergangenen Montag. „RWE war besser, aber Rot-Weiß Oberhausen hat gewonnen. Jetzt machen wir einmal was Nettes für Rot-Weiss, weil wir gute Typen sind“, kam Campino gar nicht mehr aus dem Grinsen heraus.

Nachdem sich das Stadion gesetzt hatte, stimmte er „Steh auf, wenn du am Boden bist“ an und brachte so die mehr als 25.000 Zuschauer zum Springen.

Vereinzelte Buhrufe gab es dann, als Campino vor „Alles aus Liebe“ von der Aufstiegsfeier mit der Fortuna erzählte. Einige der Fortuna-Kicker, darunter Axel Bellinghausen, waren sogar für das Konzert nach Essen gekommen.

Campino will kein Moralapostel sein

Die fünf Punk-Rocker zeigten sich zum Start der Freiluft-Konzertsaison ihrer „Laune der Natour“-Tour bestens gelaunt. Sie haben auch nach 35 Jahren nicht verlernt, wie man seinen Fans eine geile Show bietet. Nicht mehr die Rebellen von einst, aber unbequem und meinungsfreudig sind sie geblieben. Das hat Campino nicht zuletzt mit seiner Kritik bei der Echo-Verleihung bewiesen. Aber ein Moralapostel? „Da würden sich meine Eltern im Grab umdrehen“, ruft er den 25.000 Zuschauern zu.

Mit ihrem Song „Willkommen in Deutschland“ setzten die Hosen schon Anfang der 1990er ein Zeichen gegen Fremdenhass und Rechtsextremismus. „Leider ist das keine verstaubte Scheiße“, machte Campino deutlich.

Besondere Kindheitserinnerugen an den Baldeneysee

Doch neben Schmäh für RWE verbindet Campino auch zwei besondere Erinnerungen an Essen. „Mit elf Jahren habe ich auf dem Baldeneysee mein Gummiboot ausprobiert – und bin nicht untergegangen, wie ihr seht“, sorgt er für Lacher.

Und für seine Schwester sei die Stadt die Rettung gewesen. Hier erlernte sie Ballett – gegen den Willen des Vaters. „Sie hat sich nach Essen-Werden zu Pina Bausch geschlichen. Die haben bei Vater angerufen: „Lass das Mädchen tanzen!“ Heute hat sie eine Ballettschule. Das war ein Terror mit Vadder, aber er hat’s nur gut gemeint.“

Klassiker und neue Hits

„Was für ein Leben wollt ihr führen? Wie Harry und Meghan – oder wie Bonnie und Clyde?“ leitete er den nächsten Klassiker ein. Egal ob neuere Hits wie Altes Fieber, Wannsee, Unter den Wolken oder Klassiker wie Wünsch dir was, Hier kommt Alex oder Pushing Again (mit riesiger Pyroshow) – die Mischung stimmte.

Gedenken an Wölli

Aber die Hosen können nicht nur laut und schrill, sondern hatten auch nachdenkliche Töne über Tod und Vergänglichkeit im Gepäck. Campino erinnerte an das ehemalige Band-Mitglied Wölli. Der Schlagzeuger war vor zwei Jahren an Krebs gestorben.

„Unsere Gedanken sind bei denen, die nicht mehr bei uns sind! Wölli, das ist nur für dich!“ Dann stimmten die fünf Musiker „Nur zu Besuch“ an - ein echter Gänsehautmoment.

Heimkehr für Bassist Andreas Meurer

Eine Heimkehr war das Konzert für Bassist Andreas Meurer. Das Hosen-Gründungsmitglied kommt aus Essen. „Ich hab nur bis zu meinem dritten Lebensjahr hier gewohnt – und mein Vater war Fan von Schwarz-Weiß Essen“, erzählte er und bekommt Buhrufe dafür.

Die Lacher hat dann Campino auf seiner Seite: „Aber er weiß noch genau, wo er sich hier das erste Mal besoffen hat.“

„You’ll never walk alone“ in Essen

Als die Fans nach „An Tagen wie diesen“ sich nach fast zweieinhalb Stunden schon Richtung Heimweg machen wollten, stimmte Campino nochmal „You’ll Never Walk Alone“ an. Für den FC Liverpool, den er am Samstag in Kiew beim Champions League Finale persönlich unterstützen wird.

Zuvor füllen die Toten Hosen am Freitagabend nochmal das Essener Stadion an der Hafenstraße. Das Konzert ist ausverkauft.

Nach einer Pause haben die Hosen ihre Tournee mit dem Konzert in Essen fortgesetzt. 24 Auftritte sind bis Oktober geplant – dann findet in Düsseldorf das Tourneefinale statt.

 
 

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