Die Stadt Essen vergibt alle Werbeflächen neu

Christina Wandt
Für die Ströer Media AG ein gutes Geschäft, für manche Bürger ein Ärgernis: Großplakate wie dieses an der Hindenburgstraße in Essen.
Für die Ströer Media AG ein gutes Geschäft, für manche Bürger ein Ärgernis: Großplakate wie dieses an der Hindenburgstraße in Essen.
Foto: WAZ FotoPool
Jahrzehntelang hat die Ströer Media AG die Plakatwände Essens bespielt. Doch nun hat die Stadt den lukrativen Vertrag zum 31. Dezember 2015 gekündigt. Damit sei auch eine Entscheidung über das Stadtbild verbunden, sagt die städtische Grundstückverwaltung.

Essen.  Immer wieder sorgt die geplante Aufstellung von überdimensionierten Werbeplakaten vor Ort für Unmut: Von Verschandelung des Stadtbildes und Ablenkung der Autofahrer ist die Rede. Zuletzt wehrten sich Bezirksvertreter gegen neue „Mega Light Boards“ in Altenessen und Vogelheim – und verlangten Einsicht in den Vertrag zwischen städtischer Grundstücksverwaltung (GVE) und Ströer Media AG. „Die dürfen immer mehr Werbung aufstellen“, glaubt Bezirksvertreter Theodor Jansen (SPD).

Das mag in der jahrzehntelangen Zusammenarbeit so gewesen sein, doch jetzt hat die Stadt den Vertrag mit Ströer zum 31. Dezember 2015 gekündigt und auch der GVE die Verantwortung entzogen. Wer ab 2016 die städtischen Werbeflächen bespielt, ist offen. „Den Stadtvertrag in Essen hält Ströer seit 1925“, teilt die Firma mit. Eine automatische Vertragsverlängerung lasse das Bundeskartellamt aber nicht länger zu, sagt die Stadt. Künftig sollen auch Mitbewerber – ob Branchenriese Wall AG oder kleinere Anbieter – eine Chance erhalten.

Nach einem entsprechenden Ratsbeschluss wird derzeit am Ausschreibungstext gefeilt, heißt es im Geschäftsbereich von Kämmerer Lars Martin Klieve. Dabei gehe es auch um die Frage, „ob man dem finanziellen Aspekt den Vorrang einräumt – oder dem städtebaulichen“. Dem Vernehmen nach erzielt die Stadt mehr als 1 Million Euro pro Jahr mit dem Vertrag. Dafür betreibt Ströer nach eigenen Angaben 4700 Werbeträger und Stadtmöbel, von der Litfaßsäule bis zum Mega-Light-Board im Format 2,80 mal 3,75 m.

Den neuen Zuschlag bekommt naturgemäß derjenige, der das beste Angebot macht. Je nach Ausschreibung könnte das auch ein Anbieter sein, der der Stadt weniger zahlt, dafür aber auch deutlich weniger Plakate aufstellt. Es ist aber davon auszugehen, dass die klamme Kommune auf Mehreinnahmen setzt.

„Die Politik müsste jetzt klar formulieren, wie unsere Stadt in Zukunft aussehen soll“, sagt GVE-Geschäftsführer Andreas Hillebrand. Bisher hat lediglich das Bündnis aus CDU, Grünen, FDP und EBB die „Einbeziehung eines freien WLan-Netzes“ gefordert. Denn während Stadtwerber früher gern Toiletten als Dreingabe boten, sind es nun kostenlose Internetverbindungen.

Dem Eindruck, es würden immer mehr Großplakate genehmigt, widerspricht Hillebrand: „Wir versuchen seit zwei Jahren, neue Standorte zu bekommen – und kriegen sie nicht.“ Der Widerstand der Stadtteilpolitiker habe vielmehr dazu geführt, dass Ströer statt der vertraglich vereinbarten 60 Mega-Light-Plakate erst 27 aufgestellt habe. Oft weiche die Firma auf Privatgrundstücke aus: „Dann ist die Werbung im Stadtbild genauso sichtbar, aber andere verdienen daran.“ Der Stadt entgehen so offenbar Einnahmen von einer weiteren Million Euro.

Sollte Ströer den Zuschlag diesmal nicht bekommen, müsste das Unternehmen übrigens alle Werbeträger in Essen abbauen. Zu diesem Szenario und der weiteren Entwicklung war gestern keine Stellungnahme der Firma zu erhalten. Ströer hat übrigens auch einen Vertrag mit den Essener Verkehrsbetrieben (Evag) - der läuft erst in einigen Jahren aus.