Die „Spiel“ als Fundgrube für Waldläufer und Elben

Claudia Pospieszny
Matthias Kähl von der Firma Maskworld. Foto: Klaus Micke
Matthias Kähl von der Firma Maskworld. Foto: Klaus Micke
Foto: WAZ FotoPool

Essen. Das Geschäft mit dem Live-Rollen-Spiel wächst. Die Messe Essen öffnet am Donnerstag ihre Pforten zur „Spiel ‘10“. 150.000 Besucher werden erwartet. Die Messe ist international wie nie - 786 Aussteller aus 32 Nationen zeigen ihre Neuheiten.

In Halle vier geht es noch wenig spielerisch zu. In Halle acht, der Heimat der Comic-Helden, herrscht Chaos. Derweil den Betrachter in Halle sechs, die bereits gut sortiert ist mit Masken und Messern, das Grauen packt. Gestern also war Hochbetrieb im Messebau. Heute soll die „Spiel ‘10“ in der Gruga Eröffnung feiern.

Zugegeben, Björn Langhorst, im Beruf Anschauungsmodellbauer und im Hobby Comic-Zeichner, ist noch weit von der Fertigstellung seines Standes entfernt. Der Essener rollt mit dem Auto in Halle acht und hat vorerst nur Möbel geladen und Rollrasen. Viel Rollrasen. Passend zum Label seiner Comic-Firma „rasenvernichter.de“. Aus diesem Namen wiederum darf man mit ein wenig Fantasie schließen: Langhorst beschäftigt sich mit Schafen. Genauer gesagt zeichnet er sie.

Als zweites berufliches Standbein versucht er das Zeichnen zu etablieren. War er vor drei Jahren auf der „Spiel ‘08“ nur in der Comic-Gasse vertreten, in der gezeichnet, nicht aber verkauft werden darf, so leistet er sich nun bereits im zweiten Jahr einen bescheidenen Stand in Halle 8. Da zeichnet er, da verkauft er – und knüpft Kontakte: „Mit dem, was ich hier einnehme, kann ich kaum die Standmiete zahlen“, sagt der gelernte Bauzeichner, „aber es kommen viele Anfragen. Die sind wichtig.“ Spieleverlage und Bilderbuch-Verlage interessierten sich im vergangenen Jahr für seine Arbeiten. So hofft er auch bei dieser Messe auf Wachstum.

Womit es bei der Firma „Dein-Larp-Shop“ längst geklappt hat. 2003 war der Ausstatter von so genannten „Live Action Role Players“ auf 20 Quadratmetern Verkaufsfläche in der Grugahalle präsent, in diesem Jahr misst der Stand bereits zehn mal 16 Meter. „Mit der ,Herr der Ringe’-Verfilmung hat die Nachfrage stark zugenommen“, sagt Kirsten Windmüller. Zunehmend ausgefallenere Kostüme hat die Firma im Angebot. Polsterwaffen - also Breitschwerter und Dolche - sind im Sortiment, Brustpanzer aus Leder und Metall, Taschen, Helme, Umhänge gibt es für Menschen, die dem „Live-Rollen-Spiel“ in Wäldern und auf Burgen oder bei Mittelalterfesten zugetan sind. „Wer dieses Hobby hat, der geht nicht gern in Turnschuhen.“ Die Montur also müsse stimmig sein von der Kopfbedeckung bis zum Beinkleid.

Noch ein Trend: Gruselige Masken, die die Firma „maskworld.com“ exklusiv aus Mexiko importiert. Denn „Halloween-Feiern werden auch in Deutschland immer mehr zum Party-Anlass. Und da wollen die Leute gute Kostüme“, sagt Sebastian Danicke. Abgetrennte, blutverschmierte Finger, ganze Hände aus Gummi führt er, aber auch die passende Bekleidung, etwa für den Fährmann, gibt’s während der vier Messetage.

Nur eine Halle weiter werden Spiele über Spiele angeliefert, derweil die Teppichböden noch gut mit Plastikfolie abgedeckt sind. Schließlich: Von Donnerstag bis Sonntag darf in den Messehallen nicht nur gekauft und geguckt, sondern auch getestet werden.

Lange reicht beim großen Zustrom der Spieler die Bestuhlung nicht mehr aus, zunehmend gelten auch die Hallenböden den Spielern als „Testgelände“. Gefeiert haben sich die Spieleverlage übrigens bereits schonam Mittwoch. Denn traditionell wurde im Vorfeld der Essener Messe der „Deutsche-Spiele-Preis“ vergeben. In diesem Jahr erhielt dieses Gütesiegel als bestes Familien-, Gesellschafts- und Erwachsenenspiel „Fresko“ der Firma Queen Games.