Die letzten Spuren der jüdischen Möbelfabrik in Essen

Peter Jablonski zeigt die Zeichen des Verfalls in der alten Halle: eine abgesackte Decke und Spalten zwischen Fenster,Wand und Wandverkleidung.
Peter Jablonski zeigt die Zeichen des Verfalls in der alten Halle: eine abgesackte Decke und Spalten zwischen Fenster,Wand und Wandverkleidung.
Foto: Knut Vahlensieck/ FUNKE Foto Services
100 Jahre nach dem Bau muss Eigentümer Peter Jablonski die alte Halle der Firma „Rosendahl & Bachrach“ in Essen-Kray abreißen lassen.

Essen-Kray.. „Hier habe ich als Kind gespielt, da drüben stand der 50 Meter hohe Kamin“, erzählt Peter Jablonski und deutet auf das rote Gebäude, in dem der Edeka-Getränkemarkt und die Lotto-Annahmestelle untergebracht sind. Dahinter erhebt sich eine der Hallen seines eigenen Betriebs – 100 Jahre nach dem Bau soll sie spätestens ab Anfang Februar abgerissen werden. Damit wird die nahezu letzte Spur der alten Möbelfabrik „Rosendahl & Bachrach“ an der Wattenscheider Straße verschwunden sein.

„Mein Vater hat sich Ende der 1950er Jahre in den Gebäuden eingerichtet“, berichtet der heutige Firmenchef von „Möbel Jablonski“. Eine Heimat für seinen neuen Betrieb, einen reinen Möbelverkauf, fand Diethelm Jablonski ausgerechnet auf dem Grundstück, auf dem vor dem Zweiten Weltkrieg schon Geld mit Möbeln verdient worden war.

„Die Firma Rosendahl & Bachrach muss um die 1910 gegründet worden sein“, vermutet Peter Jablonski. Auf dem, etwas unter Straßenniveau liegenden Grundstück zwischen den Straßen Wattenscheider Straße, Brembergstraße, Im Beckmannsfeld und Zur Beckhoven, hatte sich damals das Großhandelsunternehmen mit seiner Möbelfabrik in Kray niedergelassen. Heute ist die Fabrik längst vergessen, bekannt ist dafür das so genannte „Osramhaus“ an der Kruppstraße 30, das der bekannte Essener Architekt Ernst Knoblauch 1928/29 als Ro(sendahl)-Ba(chrach)-Haus gebaut und das der Berliner Osram-Konzern ab 1930 gemietet hatte. Das vierstöckige Gebäude wechselte in der Folge mehrfach die Eigentümer.

Anfang der 1990er Jahre kauft Diethelm Jablonski die Anlage

Die jüdischen Inhaber der Möbelfabrik ereilte indes ein grausames Schicksal. „Sie wurden in der NS-Zeit nach Polen deportiert“, so Peter Jablonski. Die Kinder waren früh genug nach Israel geschickt worden, sie überlebten die Verfolgung durch die Nazis. Über einen örtlichen Verwalter konnte Diethelm Jablonski die alten Gebäude beziehen. Anfang der 1990er Jahre kaufte er die Fläche. Schornstein und die meisten Gebäude waren schon vorher abgerissen worden. Heute hat sich der Edeka, ein Futter- und ein Penny-Markt und einiges mehr angesiedelt.

„Neben unserem Neubau an der Ecke Wattenscheider Straße/Im Beckmannsfeld haben wir noch zwei alte Hallen weiter genutzt“, schildert Peter Jablonski. Eine aus der Zeit um 1929, die zweite von 1914. Und an eben dieser hat der Zahn der Zeit kräftig genagt. „Nach dem starken Schneefall 2012/13 war die Decke abgesackt, die Wände hatten sich verschoben. Der Frühjahrssturm 2014 hat dem Dachstuhl dann den Rest gegeben“, so Peter Jablonski.

Den Verlust von insgesamt 700 Quadratmeter Ausstellungsfläche auf zwei Etagen kann er verschmerzen. Der Betrieb hat sich auf Innenarchitektur und Möbel nach Maß spezialisiert, ein großer Präsenzbestand ist da nicht nötig. Aktuell bringt er seinen Restbestand nach dem Motto „Alles muss raus“ unter die Leute. Wer etwas interessant findet, kann selbst einen Preis nennen. Mit dem Abriss der 100 Jahre alten Halle endet nun auch für ihn ein Kaptitel der eigenen Firmengeschichte.

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