Die Köstlichkeiten des Herbstes – Pilzführungen im Grugapark

Bernhard Demel (4.v.l.) von der Schule Natur erklärte den Teilnehmern zahlreiche einheimische Pilzarten.
Bernhard Demel (4.v.l.) von der Schule Natur erklärte den Teilnehmern zahlreiche einheimische Pilzarten.
Foto: FUNKE Foto Services
Experte Bernhard Demel streift durch den Grugapark, um Pilze mit so klangvollen Namen wie Birnenstäubling und Buckel-Tramete zu entdecken.

Essen-Rüttenscheid.. Zwei Pilze hält Bernhard Demel schon in der Hand, als sich die Gruppe an der Orangerie trifft. Er hat schon eine Runde durch den Park gedreht und legt die Messlatte tief: „Wir werden nicht viele Pilze finden.“ Bei warm-feuchtem Wetter schießen die Gewächse im wahrsten Sinne des Wortes wie Pilze aus dem Boden. Doch in den letzten Tagen war es zu kalt. Kein Grund, es nicht trotzdem zu versuchen. Abseits der Wege arbeiten sich 15 angehende Pilzsammler durch den Grugapark – und entdecken doch mehr, als sie es für möglich gehalten hatten.

Kahle Kremplinge, rotschneidige Helmlinge, wurzelnde Schleimrüblinge – auf feuchtem Boden und altem Holz recken sich die Pilze in kleinen Gruppen in die Höhe. „ Es gibt rund 6000 Pilzarten“, schätzt Demel. „Davon kann ich nicht jeden genau bestimmen – dafür sind es einfach zu viele.“ Demel ist Fachberater für Mykologie, also ein Pilz-Experte. Für die Schule Natur ist er häufig im Park unterwegs, mal mit Schulgruppen, heute mit Erwachsenen.

Jeden Pilz kann man anfassen

Gemeinsam spüren sie einen wahren Leckerbissen auf: den Schopftintling. „Wenn seine Lamellen noch weiß sind, hat er einen außergewöhnlichen Geschmack“, erklärt Demel. Ist der Pilz schon älter, zerfließt er zu Tinte, mit der man tatsächlich schreiben kann. Aber auch weniger genießbare Pilze verstecken sich unter dem Laub. „Der hier ist giftig, wenn er noch roh ist“, sagt Demel und dreht einen honiggelben Hallimasch in seinen Fingern. „Nach 15 Minuten gut durchbraten kann man ihn essen.“ Und er nimmt den vielen Pilz-Neulinge eine Angst: „Kein Pilz ist so giftig, dass man ihn nicht anfassen kann.“

Ohnehin ließen sich viele Vergiftungen vermeiden. „Oft ziehen sich Leute eine unechte Pilzvergiftung zu, weil sie zu viele oder alte, verdorbene Pilze gegessen haben.“ Deshalb sei es wichtig, sich immer die Lamellen an der Unterseite anzusehen. Sind sie weiß, dürfen sie ins Körbchen. Wer sich nicht gut auskennt, sollte von Lamellenpilzen aber erst einmal die Finger lassen und sich ganz und gar auf Röhrlinge konzentrieren. „Statt der Lamellen, haben sie kleine Löcher an der Unterseite“, erklärt Demel. „Die sind niemals lebensgefährlich – aber Bauchschmerzen können sie schon verursachen.“ Aber nicht jeder fürchtet sich vor Giftpilzen. Einige nehmen sie auch mehr oder weniger bewusst zu sich.

Warum der Fliegenpilz wirklich Fliegenpilz heißt

Halluzinogene Pilze verursachen Rauschzustände und wurden schon von Schamanen konsumiert. „Sie können aber trotzdem sehr gefährlich sein, weil sie häufig mit tödlich giftigen Pilzen verwechselt werden.“

Verwechselt wird er nur selten, aber Rauschzustände verursacht er auch: Der Fliegenpilz ist entgegen der landläufigen Meinung nicht tödlich, sondern halluzinogen. Und warum der Fliegenpilz seinen besonderen Namen trägt, dazu hat Bernhard Demel seine eigene Theorie. „Ich glaube, dass der Fliegenpilz so heißt, weil man nach seinem Verzehr glaubt, dass man fliegen kann.“

 
 

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