Die italienische Gemeinde im Bistum Essen zeigt am Karfreitag die "passione vivente"

Liliane Zuuring und Dominika Sagan
Mitglieder der italienischen Gemeinde proben für das Passionsspiel, vorn ist Agrippino Todaro, der Jesus mimt
Mitglieder der italienischen Gemeinde proben für das Passionsspiel, vorn ist Agrippino Todaro, der Jesus mimt
Foto: WAZ FotoPool
Um Jesus nach klassischer Vorstellung verkörpern zu können, hat sich Agrippino Todaro einen Vollbart wachsen lassen. Die italienische Gemeinde in Essen wird ihn am Karfreitag bei den Passionsspielen ans Kreuz nageln. Sein Kreuzweg führt durch den Elisenpark im Ostviertel Essens.

Essen. Agrippino Todaro wird an Karfreitag gekreuzigt: Er übernimmt beim Passionsspiel der italiensichen Gemeinde die Rolle des Heilands. Sein Kreuzweg führt durch den Elisenpark im Ostviertel.

Er trägt nun wieder Vollbart

Nach seiner Premiere als Pilatus im vergangenen Jahr schlüpft Agrippino Todaro nun wieder in eine ihm vertrautere Rolle: Der 45-Jährige ist Jesus. Bei den Passionsspielen der italienischen Gemeinde wird er das Kreuz durch den Elisenpark tragen, wird ausgepeitscht und zum Tode verurteilt werden am Karfreitag, 17 Uhr.

Statt des schmalen Bartes, der ihm als römischer Statthalter noch Strenge verleihen sollte, trägt er nun wieder Vollbart. Den hat Agrippino Todaro sich wachsen lassen – damit er einen Jesus nach klassischer Vorstellung geben kann. Schon am vergangenen Sonntag spielte er in Gevelsberg den Heiland, am Karfreitag mimt er den Sohn Gottes im Ostviertel.

Verrat bis zur Kreuzigung

Mitglied der italienischen Gemeinde im Bistum Essen ist der gebürtige Sizilianer und macht schon seit Jahren bei der „passione vivente“ mit. Im Alltag ist Agrippino Todaro Ausbilder und Leiter einer Werkzeugmacher-Abteilung. Ein Bekannter habe sonst im Elisenpark meistens den Jesus gegeben. „Aber er kann das aus gesundheitlichen Gründen in diesem Jahr nicht, also mache ich das“, so Todaro.

Für die Gevelsberger Aufführung musste er Text lernen – in Essen hingegen stellt er Jesus pantomimisch dar. Der Text auf Italienisch und Deutsch kommt vom Band. Zwischen den einzelnen Stationen, die den Leidensweg Christi vom Verrat im Olivenhain bis zur Kreuzigung zeigen, wird gesungen und gebetet.

„Pflege der italienischen Kultur“

Perfekt Deutsch spricht Todaro, der mit seinen Eltern 1971 nach Deutschland kam, wieder nach Italien ging, seit 1980 ganz im Ruhrgebiet lebt und sich hier heimisch fühlt. Die „Pflege der italienischen Kultur“ ist ihm aber immer wichtig geblieben. Darum hat er sich der italienischen Gemeinde angeschlossen. „Meine Frau und ich leiten auch die Folkloregruppe in Bochum, wo wir typische Tänze wie Tarantella üben.“ In der Gemeinde würde zudem das Backen typischer Festkuchen gepflegt. „Aber wir können auch Kickern – oder es finden sich PC-interessierte Jugendliche zusammen“, sagt er.

Todaros Töchter sind 20 und 13 Jahre alt. Die ältere hat bereits bei einer der Aufführungen gesungen. „Sie wird am Freitag dabei sein“, sagt er. Seine drei Frauen freuen sich zu Hause vor allem darauf, wenn der Ehemann und Vater zum Osterfest wieder glatt rasiert ist. Bis dahin wächst der Bart von Probe zu Probe, bei denen Jesus gebückt unter dem Kreuz geht, leidend seinen Blick zum Boden senkt. Kunst-Blut wird an Karfreitag dann über seine Stirn laufen.

Einprägsames Spiel

Zuvor wird Pilatus das Volk entscheiden lassen, ob es einen Mörder oder den Messias am Kreuz sehen will. Daran wird Agrippino Todaro in die Höhe gezogen. Unter ihm wird Maria um ihren Sohn weinen. Die Passion zu sehen oder zu spielen, sei einprägsamer als die Geschichte vom Leiden Jesu einfach nur zu hören, findet er. „Man kann sich besser in die Lage der einzelnen Figuren versetzen, spürt, wie leicht das Volk zu beeinflussen war“, so Todaro.

„Einige Zuschauer haben richtig Gänsehaut bekommen“, berichtet er von einer Aufführung. Und der kleine Sohn einer Bekannten habe gedacht, er würde wirklich misshandelt. „Er hat laut gerufen, dass ich nicht geschlagen werden soll.“ So eindringlich ist die Aufführung. „Wir sind alle mit Leidenschaft dabei“, erklärt Todaro, kurz vor der letzten Probe, zu der er in den Elisenpark eilte. Damit an Karfreitag auch alles klappt.