Die Hüterinnen von der Waldlehne

Wie schön war es doch, als man sich nach der Schule mit seinen Freunden auf dem Spielplatz verabredet hat – schaukeln, im Sand buddeln oder um die Wette rutschen. Leider hat es nur halb so viel Spaß gemacht, wenn Jugendliche mit ihrer eigenen Interpretation von Graffiti-Bildern die Rutschen „verschönert“ haben oder das Klettergerüst nicht betreten werden durfte, weil es einsturzgefährdet war. Nina Altenhoff-Zabel und Elena Schmidt sorgen dafür, dass genau das nicht passiert. Sie sind zwei von 384 Essenern, die ehrenamtlich als so genannte Spielplatzpaten regelmäßig nach dem Rechten schauen – und das aus voller Überzeugung.

„Es ist einfach toll zu sehen, was für einen Spaß die Kinder haben. Dafür lohnt sich der ganze Aufwand“, sagt Patin Nina Altenhoff-Zabel. Die beiden Mütter legen sich für „ihren“ Spielplatz Waldlehne im Stadtteil Margarethenhöhe auch mächtig ins Zeug: Mehrmals sind sie vor Ort und kontaktieren, wenn nötig, Grün und Gruga, das Ordnungsamt oder die Polizei. „An Halloween haben Jugendliche den Spielzeugcontainer mit Graffiti besprüht. Das war besonders für die Kinder traurig, weil sie ihn gemeinsam bemalt haben“, so Elena Schmidt. „Aber zum Glück passiert das sehr selten“, ergänzt ihre Freundin.

Zahl der Patenschaften rückläufig

Der Projektleiter für Spielplatzpatenschaften vom Kinderschutzbund, Henning Muth, zählt 250 Patenschaften für stadtweit 408 Spielplätze. Doch könnte sich diese Zahl bald reduzieren, wenn sich die Bedenken einiger sozialer Einrichtungen bestätigen. Denn: Erstmalig war nach der Einführung des erweiterten Führungszeugnisses im Jahre 2010 eine Erneuerung erforderlich. Bereits acht Paten haben kein neues Zeugnis vorgelegt, was zur Folge hatte, dass fünf Spielplätze wieder ohne Paten auskommen müssen.

Doch Muth gibt Entwarnung: „Bisher gleicht es sich immer aus, heißt: Wir konnten immer Nachfolger finden.“ Für Elena Schmidt und Nina Altenhoff-Zabel ist das Zeugnis kein Grund, ihre Patenschaft aufzugeben. „Menschen, die aus Überzeugung ein Ehrenamt ausführen möchten, lassen sich davon nicht abschrecken. Außerdem finde ich es wichtig, dass gerade bei der Arbeit mit Schutzbefohlenen so ein Zeugnis verlangt wird“, betont Nina Altenhoff-Zabel. Auch sei der Antrag kein großer Aufwand und kostenlos ist das Zeugnis für Ehrenamtler auch.

Wenn man den beiden Müttern zuhört, dann merkt man schnell, dass sie mit Leib und Seele Spielplatzpatinnen sind. „Es ist eine tolle Kontaktstelle, wo auch die Erwachsenen mal entspannen und sich mit Gleichgesinnten austauschen können“, sagt Elena Schmidt.

Durch diese Vernetzung und dem dadurch entstandenen Zusammenhalt sei es wesentlich friedvoller. Auch weil alle zusammenhalten, so Schmidt. Die ersten Hinweise auf die Graffiti-Sprayer kamen schon kurz nach der Tat. Wenn etwas vorfällt, dann fühlen sich alle Anwohner angesprochen und ermitteln gemeinsam – eine eigene Facebook-Seite macht die Verbreitung der Nachrichten in Windeseile möglich.

Nina Altenhoff-Zabel und Elena Schmidt werden auch in Zukunft als Patinnen des Spielplatzes Waldlehne den Container für allerhand Spielzeug aufschließen und zweimal pro Jahr gemeinsam mit Henning Muth vom Kinderschutzbund ein großes Fest organisieren.

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