Die ersten Asylbewerber sind an der Lohstraße in Essen eingetroffen

Jörg Maibaum
Die ersten Asylbewerber sind an der Lohstraße in Essen eingetroffen.
Die ersten Asylbewerber sind an der Lohstraße in Essen eingetroffen.
Foto: WAZ FotoPool
Die ersten 30 Asylbewerber sind an der ehemaligen Hauptschule an der Lohstraße in Essen eingetroffen - mit kleinen Kindern auf dem Arm und wenigen Habseligkeiten an der Hand. Die Sorge vieler Anwohner ist groß. Die NPD will daraus offenbar Kapital schlagen: Sie plant für Freitag eine Fackel-Demo.

Essen. „Ich will kein Asylantenheim in Bedingrade“ prangt in gelben großen Lettern auf dem blauen Audi, der am Mittwochmorgen langsam die ehemalige Hauptschule an der Lohstraße passiert. Da hat jemand offensichtlich keine Mühen gescheut, um seine Botschaft öffentlich herum kutschieren zu können. Erinnert irgendwie an Buchstaben gewordene Abi-Feiern und ist ähnlich müßig. Denn dem Wunsch des lünkernden Fahrers wurde längst entsprochen: Die Bedingrader Turnhalle, die jenseits der Mauer auf dem Schulgrundstück seit Dienstagabend 64 Feldbetten Platz bietet, ist kein neuer Unterkunftsstandort auf Dauer, sondern nicht mehr als eine zusätzliche, auf zwei Wochen befristete Aufnahmestation für Asylbewerber, die in der zentralen Dortmunder Anlaufstelle keinen Platz mehr gefunden haben.

30 Asylbewerber

Trotz allem ist die Sorge vieler Anwohner groß. Gerüchte machen die Runde und einige wenige aus ihrer Gesinnung keinen Hehl. Es klingt übel: „Das sind Zigeuner“, schimpft einer, der sich selbst von den sachlichsten Argumenten nicht vom rechten Weg abbringen lässt. Als mit einigen Stunden Verspätung um 16.18 Uhr ein Bus mit den ersten 30 Asylbewerbern vorfährt, zieht es der Rentner vor zu schweigen – im Angesicht eines Säuglings, der in einer Babyschale aus dem Bus getragen wird.

Sie haben ihre kleinen Kinder auf dem Arm und wenige Habseligkeiten an der Hand: Die überwiegend jungen Menschen, die an der Lohstraße aussteigen, werden von Mitarbeitern der Stadt und Helfern des Deutschen Roten Kreuzes auf dem Bürgersteig in Empfang genommen. Es sind ihre ersten Schritte auf deutschem Boden. Sie wirken unsicher, eingeschüchtert, als man sie zu einem Zelt auf dem Schulhof dirigiert.

Dort müssen sie sich registrieren lassen, bevor es in die Turnhalle gegenüber geht, deren trostloses Innenleben Bernd Brack von der Flüchtlingsorganisation Pro Asyl „an meine eigene Kriegszeit“ erinnert. Feldbett neben Feldbett, auf jedem liegt ein in Folie eingeschweißtes Handtuch, gelb-schwarze Klebestreifen auf dem Boden weisen den Weg, getrennte Toiletten für Frauen und Männer sind Fehlanzeige, aber immerhin 20 Klobürsten vorrätig.

DRK und Malteser übernehmen erste Hilfe 

Das DRK, das in Bedingrade mit den Maltesern zusammen arbeitet, hat im Auftrag des Landes für das Nötigste gesorgt, übernimmt die Erste Hilfe und organisiert, wenn nötig, eine medizinische Versorgung für die Ankommenden, sagt Rot-Kreuz-Abteilungsleiter Ingo Schmidt. 240 Hygieneartikel vom Rasierer bis zur Zahnpasta sind vorrätig, um Punkt 12 Uhr gibt’s was zu essen für die Asylbewerber, Privatsphäre gibt’s mangels Trennwänden in der Halle aber keine in den nächsten Tagen. Voraussichtlich drei werden’s wohl werden, bis die ersten wieder umziehen in ein Lager des Landes und die nächsten an der Lohstraße eine vorübergehende Bleibe finden werden.

„Der Durchlauf ist die größte Herausforderung“, sagt Schmidt, während er ein kleines afrikanisches Mädchen auf dem Arm einer DRK-Kollegin in eine Decke hüllt. In den nächsten Tagen wird die Kleiderkammer von Caritas und Diakonie die Asylbewerber mit warmen Kleidungsstücken ausstatten.

Es weht ihnen ein kalter Wind entgegen in Bedingrade: Die Stimmung auf der abendlichen Versammlung mit bis zu 300 Bürgern, zu der die CDU Borbeck eingeladen hatte, war mehr als gereizt. Anwohner sammelten Unterschriften „Für eine gerechte Verteilung im Stadtgebiet, gegen die zentrale Unterbringung an der Lohstraße“.

Rechte Kundgebung mit 20 Teilnehmern

Einmal mehr wird die NPD am Freitag versuchen, Kapital aus Unmut und Verunsicherung im Stadtteil zu schlagen. Für 18 Uhr hat der rechte Ratsherr Marcel Haliti eine Kundgebung mit 20 Teilnehmern unter dem Motto „Nein zur Unterbringung von Asylbewerbern in Essen“ bei der Polizei angemeldet – mit Flugblättern, Fahnen und Fackeln unterm Frintroper Wasserturm. Welches Auto Haliti fährt, ist nicht bekannt.