Die Equitana 2015 und „die Reiter von morgen“

Julia Bernewasser
Laura (3) sitzt bequem. Mandy Berntzen (links) will Kinder spielerisch an das Pony heranführen.
Laura (3) sitzt bequem. Mandy Berntzen (links) will Kinder spielerisch an das Pony heranführen.
Foto: FUNKE Foto Services
Kinderreitunterricht ist ein Schwerpunkt bei der diesjährigen Equitana. Die Nachfrage ist da, aber das Angebot ist gering. Warum?

Essen. Wenn Laura sich auf die Zehenspitzen stellt, kann sie gerade so über den Rücken der kleinen Stute Mona streicheln. Das Fell hat es ihr angetan. „Ganz weich“, sagt sie und lächelt dabei ein wenig schüchtern. „Mein Lieblingspony.“ Laura will aber mehr als bloß streicheln und Pony putzen. Sie will reiten. Dabei ist Laura erst drei Jahre alt. Zu früh fürs Reiten?

Nein, Reitlehrerin Mandy Berntzen hält es genau für das richtige Alter, um das Kind an ein Tier heranzuführen. Seit Dezember bietet die 37-Jährige in Essen mehrere Kinderreitkurse an. Darunter einer für Drei-bis Fünfjährige, den Laura besucht. Hier zähle nicht die Leistung, sondern die Freude am Spiel mit dem Pony. Riechen, fühlen, das Tier erleben.

Es mangele an Reitschulen mit Kinderunterricht

Das unterstützt auch die Deutsche Reiterliche Vereinigung. „Aus pädagogischer Sicht ist der Umgang mit einem Tier für hyperaktive genauso wie für sehr stille Kinder wertvoll“, sagt Maria Schierhölter-Otte. Der Haken: Es mangele an Reitschulen mit Kinderunterricht und an Ausbildern, die Lust haben mit Kindern zu arbeiten - auch in Essen. Laut VFD Stadtverband (Vereinigung der Freizeitreiter-und fahrer ) gibt es hier aktuell 51 Reitbetriebe. Aber nur 14 bieten auch Kinderreitunterricht an.

Auf der Equitana, die am Samstag beginnt, will die Reiterliche Vereinigung jetzt vom Reitspaß für Kinder überzeugen – und zwar vor allem die Reitschulen. Bei den Kindern selbst ist das schon gar nicht mehr nötig. „Die Nachfrage ist unglaublich groß. Ich habe jetzt schon die Hälfte meines Umsatzes erzielt, den ich mir eigentlich für dieses Jahr vorgenommen hatte. Und es ist erst Frühling. Das ist gigantisch“, sagt Mandy Berntzen und gibt Laura einen Stab mit einem gelben Fähnchen in die Hand. Im Sattel hat die Dreijährige den ganzen Reitplatz im Blick.

Eine Marktlücke gefunden

Mit ihrem Fähnchen muss sie einen Ball von einem Hütchen nach dem anderen schlagen. Die Übung schule die Balance und die Augen-Hand-Koordination. Mal sind es Fähnchen, mal ist es Sandkastenspielzeug, das Mandy Berntzen in ihr Programm miteinbezieht. „Ich glaube, ich habe hier tatsächlich eine Marktlücke gefunden.“ Ihr fünfjähriger Sohn, der auch unbedingt mal aufs Pony wollte, war für Mandy Berntzen der Auslöser. Klassischer Reitunterricht beginne häufig erst für Kinder ab acht Jahren.

Doch warum sehen diese die jüngere Zielgruppe nicht? „Vielen ist die Arbeit mit den Kindern zu aufwändig. Das ist natürlich anspruchsvoll. Und man muss extra Ponys anschaffen und diese rittig machen. Das ist zeitintensiv“, sagt Maria Schierhölter-Otte von der Reiterlichen Vereinigung. Sie bedauert diese Einstellung, denn schließlich seien die Kinder „die Reiter von morgen“.

Viele haben sich nie ernsthaft damit befasst

Wenn man bei Reitbetrieben in Essen nachfragt, warum sie keinen Kinderreitunterricht im Angebot haben, bekommt man immer wieder ähnliche Antworten. Einige hätten sich nie ernsthaft damit befasst. Andere betonen, sich seit Jahren auf Pensionspferde konzentriert zu haben und auch jetzt nichts daran ändern zu wollen.

Heidi Kammann ist Mitglied beim VFD Stadtverband und bietet selbst Reitunterricht an. Bei ihr stehen Kinder inzwischen schon auf der Warteliste. Die Bedenken der Betriebe kann sie trotzdem nachvollziehen. Reitlehrer bezahlen, Schulpferde unterhalten -- das verursache Kosten. Nutzen erwachsene Reiter eine Halle, müssten sie sich zudem mit den Kindern zeitlich arrangieren. Überschneidungen seien schwer zu vermeiden, so Kammann. Mandy Berntzen mietet keine Halle an, sie geht mit den Kindern nach draußen. Und die große Nachfrage hat ihre Ausgaben ganz einfach gedeckt. Während Laura auf dem Reitplatz noch das Fähnchen schwingt, wartet davor schon die nächste potenzielle Kundin. Die sechsjährige Sophie ist aber keine Anfängerin mehr. Sie hat schon einmal Unterricht gehabt. Mutter Kordula Kott: „Aber dabei musste sie nur im Kreis reiten. Das war ihr zu langweilig.“