Die Bilder werden zur Bühne

Martina Schürmann
Foto: WAZ FotoPool

Die Welt ist eine Bühne, die Bilder von Dagmar Schenk-Güllich sind es auch. In der Galerie Kollmeier sorgt die Essener Malerin und Vielseitigkeitskünstlerin derzeit für eine Begegnung mit dem Who ist Who der Essener Tanzszene, von Folkwang-Ikone Pina Bausch über Choreografin Henrietta Horn bis zu Matthias Hartmann, dem markanten Protagonisten des Lichtblau-Tanztheaters. „Tanzmomente“ heißt diese hochrhythmische Schau, in der das Bild zum Bewegungsraum wird.

Für Dagmar Schenk-Güllich steht der bewegte Mensch schon lange im Mittelpunkt ihrer Malerei doch eine Ausstellung wie diese gab es lange nicht. Inspiriert wurde sie dabei unter anderem von Vorstellungen des Wuppertaler Tanztheaters, Choreografien wie „Palermo, Palermo“ oder „Manna“ lieferten den Anlass für diese ganz speziellen Tanz- und Menschenbilder. Und so wie Pina Bausch bestehen auch diese Werke nicht auf den glatten Glanz der reinen Schönheit, sondern auf Persönlichkeit. Neben Konzentration und Spannung der Körper treten vor allem auch kecker Übermut und freche Weiblichkeit mit vorgeschobenem Becken in den Vordergrund. Der Tanz, zu dem die Essenerin aus ihrer aktiven Zeit als Ballettschülerin eine besondere Beziehung hat, findet dabei seine dynamische Entsprechung in der künstlerischen Arbeitsweise mit dünnflüssigem Lack, der den Bildern eine besondere gestische Handschrift verleiht. Jeder Akzent muss sofort „sitzen“, auf den Punkt genau. Dagmar Schenk-Güllich hat für diese Technik lang „trainiert“ wie die Tänzer, um Impulsivität und große Erfahrung auf der Leinwand nun in schönsten Einklang zu bringen.

„Zeichen, Muster, Ornamente“ bestimmen das Bild in der Galerie Obrist vis-à-vis vom Museum Folkwang. Torsten Obrist hat Künstler der Galerie wie Wiebke Bartsch und Bodo Korsig zum sommerlichen Stelldichein gebeten und lässt uns mit dem raumgreifenden „Triple A“ von Armin Hartenstein skeptisch auf Rating-Roulette und Wirtschaftswachstumswahnsinn gucken. Der verbrannte Wohlstandsmüllklumpen ist wohl durchdachtes Störfeuer der Wandarbeit.

Perfekt zum Ausstellungstitel passen Arbeiten des Essener Zeichners Rainer Storck, der sonst die Scipt-Vorlagen für Hollywood-Filme wie „Das Parfüm“ und zuletzt Tom Tykwers „Cloud Atlas“ liefert und seine filigrane Kunst nun in digitalen Collagen auf Plexiglas präsentiert. Jürgen Paas sorgt für ein farb- und formentspanntes „Kreise ziehen“, während Martin Schwenk seine zarten, artifiziellen Papier-Pflänzchen auf dem breiten Beet zwischen der Natürlichkeit des Künstlichen und der Künstlichkeit des Natürlichen züchtet.