„Die Akte Pierre liegt griffbereit in meinem Büro“

Bald vier Wochen sind seit dem „Aktenzeichen XY“-Spezial vergangen. Die Sendung, die im Vermisstenfall Pierre Pahlke für die Ermittler und Eltern das allerletzte Fünkchen Hoffnung sein sollte. Doch Kriminalhauptkommissar Ralf Menkhorst sagt: „Wir treten weiter auf der Stelle, den entscheidenden neuen Ermittlungsansatz haben wir leider nicht erhalten.“

Der Essener Kommissar hatte im Münchener Studio zusammen mit Pierre Pahlkes Eltern die Fragen von XY-Moderator Rudi Cerne beantwortet. „Gut hundert Hinweise haben wir seitdem erhalten“, sagt er. Weit mehr als zu den anderen drei Vermisstenfällen des Spezialformats „Wo ist mein Kind?“.

Hinweise kamen nicht nur aus dem Ruhrgebiet, sondern auch aus anderen Teilen Deutschlands, aus Österreich und der Schweiz. Die meisten griffen zum Telefonhörer oder schrieben eine E-Mail, einige erschienen sogar persönlich bei der nächsten Polizeidienststelle.

„Leider waren viele Hinweise ziemlich vage“, so Menkhorst. Etliche Anrufer wollen den seit neun Monaten vermissten 21-Jährigen auf der Straße, in einer Fußgängerzone oder in Begleitung anderer Leute gesehen haben. Realistisch sind diese Angaben nicht. Pierre ist seit der Geburt geistig behindert und deshalb nicht in der Lage, selbstständig Ausflüge zu unternehmen.

Er wuchs in Gladbeck auf und war im Sommer 2012 in die Behinderteneinrichtung „Heimstatt Engelbert“ auf der Manderscheidtstraße in Frillendorf gezogen. Zum letzten Mal ist er am 17. September zwischen 19.15 und 20 Uhr im Penny-Markt auf der Ernestinen-/Langemarckstraße gesehen worden.

Im „Trinkgut“-Getränkemarkt neben der „Heimstatt Engelbert“ zählte Pierre zu den Stammkunden. „Ob die Pierre überhaupt noch finden?“, fragt Geschäftsführerin Monika Schleifenbaum. Die meisten ihrer Kunden hätten das „XY-Spezial“ gesehen. „Der Fall Pierre lässt hier niemanden gleichgültig.“

Die Essener Kriminalpolizei steht nach wie vor in engem Kontakt mit Pierres verzweifelten Eltern. Menkhorst kann nachempfinden, wie sehr die quälende Ungewissheit an den Eltern nagt. Das sei das Erschütternde an diesem ungewöhnlichen Vermisstenfall: Dass die Eltern nicht wüssten, ob ihr Sohn noch lebt oder von seinen Peinigern möglicherweise schon umgebracht worden ist. Menkhorst weiß um diese immense seelische Belastung, der die Pahlkes aus Gladbeck ausgesetzt sind. Er sagt: „Sie können ja nicht einmal trauern.“ Sobald Hinweise eintreffen, geht die Suche nach Pierre weiter. Menkhorst: „Die Akte Pierre liegt griffbereit in meinem Büro.“

 

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