Die 24-Stunden-Kita kommt nach Essen und Wattenscheid

Peter Wenzel kündigt die Einrichtung einer 24-Stunden-Kita an.
Peter Wenzel kündigt die Einrichtung einer 24-Stunden-Kita an.
Foto: WAZ FotoPool
In Essen und Wattenscheid soll es spätestens 2014 jeweils eine 24-Stunden-Kita geben. Das erklärt Peter Wenzel, Geschäftsführer des Kita-Zweckverbandes, im Interview. Die genaue Standortfrage sei noch nicht geklärt. Denkbar sei, solche Einrichtungen in ein bis zwei weiteren Städten zu errichten.

Essen. U3-Quote, 24-Stunden-Kita. Das sind nur zwei Stichwörter in der lebhaften Debatte um die Betreuung nicht schulpflichtiger Kinder. Mit Peter Wenzel, dem Geschäftsführer des Kita-Zweckverbandes mit Sitz in Essen, hat WAZ-Redakteur Andreas Rorowski über diese und andere Themen gesprochen.

Die Kommunen müssen nach einer Vorgabe des Bundes bis August eine Quote von 32 Prozent an U3-Plätzen vorweisen. Wie ist die Quote im Zweckverband mit seinen 272 Kindertagesstätten, die von über 17.000 Kindern besucht werden?

Peter Wenzel: Es gibt bei uns eine klare Richtlinie, dass wir in jeder Einrichtung U3-Plätze anbieten wollen. Das heißt, dass wir jede Menge Plätze ausbauen müssen. Wir haben 2007 begonnen, ein Jahr nachdem der Zweckverband gegründet wurde, mit 150 Plätzen und haben jetzt mehr als 1000. Das ist ein Rieseninvestitionsvolumen. Wir geben über 20 Millionen Euro für den Ausbau aus und sind darauf angewiesen, dass wir von Land, Bund und den Kommunen unterstützt werden. Allein können wir das nicht stemmen.

Mehr als 1000 von insgesamt gut 17.000. Das sind keine 32 Prozent?

Wenzel: Der Bund gibt das ja nicht für die Einrichtung, sondern für die Bedarfsplanung vor. Wir sind da in einer Zwickmühle. Auf einer Seite sind wir mit unseren Einrichtungen vertreten in Stadtteilen, wo Ü3-Plätze zur Verfügung gestellt werden müssen. Und wenn wir die in U3-Plätze umwandeln, fehlen Ü3-Plätze in unseren Kontingenten. Daher sind wir gar nicht frei in unseren Entscheidungen. Wir müssen Zuweisungen bekommen und können nicht einfach sagen, wir machen jetzt U3. Da sind wir in einer Konkurrenzsituation mit anderen Trägern. Über einen bestimmten Prozentsatz des Anteils an U3-Plätzen entscheiden wir gar nicht. Das geht nur in Absprache mit der Jugendhilfeplanung der Stadt. Unser Grundsatz ist, in jeder Kita soll es U3-Plätze geben.

Im Gespräch ist, im Zweckverband das Betreuungsangebot in Kitas über 16 Uhr hinaus auszudehnen, ja sogar ein 24-Stunden-Angebot zu machen? Wie weit sind Sie mit Ihren Überlegungen dazu?

Wenzel: Wir haben zwei Einrichtungen mit einer besonderen Konzeption: im Duisburger Forum, einem Einkaufszentrum, und im Gladbecker Kinderzimmer. Für beide gelten besondere Öffnungszeiten. Als Projekt haben wir in der Planung, in Wattenscheid und in Essen jeweils eine 24-Stunden-Kita einzurichten. Hier suchen wir momentan nach einem geeigneten Ort dafür. Vier stehen in unterschiedlichen Stadtteilen zur Auswahl, zwei wären mit einem Neubau verbunden. Die Entscheidung darüber, wo wir mit dem Angebot hingehen, ist aber noch nicht gefallen. 2014 wollen wir in Wattenscheid so weit sein, davor noch hier in Essen.

Warum braucht man eine 24-Stunden-Kita?

Wenzel: Weil es einen Bedarf gibt, dem wir gerecht werden wollen. Wir wollen ein Angebot für eine bestimmte Gruppe machen, z.B. für Krankenschwestern, die zur Nachtschicht müssen und keine andere Betreuungsmöglichkeit für ihr Kind haben. Das wird es nicht überall geben, es werden Schwerpunkteinrichtungen sein – in Essen, Wattenscheid und vielleicht noch in ein, zwei anderen Städten.

Der Druck wächst kontinuierlich

Sie nehmen mit dem Projekt „Gesund Arbeiten“ teil an der Bundesinitiative „Gleichstellung von Frauen in der Wirtschaft“. Dazu gehört eine Umfrage unter ihren Mitarbeitern. Im Zentrum steht die Frage, sind katholische Erzieherinnen zufrieden. Sind sie es?

Wenzel: Wir haben von der Agentur, die damit befasst ist, erste Informationen bekommen. Die Rückmeldung liegt bei 50 Prozent, was sehr hoch ist für so eine Befragung. Was uns mit großer Sorge erfüllt, ist: Der Druck auf die Mitarbeiter wächst kontinuierlich. Die Anforderungen mit weniger Zeit und mit mehr Kindern werden größer. Die Zahl der Krankheitstage haben sich seit 2007 bei uns verdoppelt. Woran die Mitarbeiter leiden, sind Schlafstörungen – im erheblichen Maße.

Was können Sie dagegen tun?

Wenzel: Wir überlegen uns, wie wir entlastend tätig werden können. Der erste Schritt ist, wenn man das Gefühl bekommt, dass Leistung geachtet wird. Und wenn man schaut, wer welche Sorgen hat, kann man konkrete Angebote machen. Der Mut fehlt bei den Arbeitgebern, überhaupt nachzufragen. Jeder hat Angst vor seinem Gegenüber, dass er sagen könnte, wir wollen mehr Geld, mehr Urlaub, kleinere Gruppe. Aber das ist gar nicht das, was wir in den Umfragen lesen.

Nämlich was?

Wenzel: Darüber sprechen wir, wenn wir die gesamte Auswertung kennen.

 
 

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