Deutscher Alltag für Schüler aus China am Gymnasium

Simon Kühbacher (Mitte) mit seinen chinesischen Austauschschülern Yiwei Wang (Timo) rechts und links Qi An (Andreas)
Simon Kühbacher (Mitte) mit seinen chinesischen Austauschschülern Yiwei Wang (Timo) rechts und links Qi An (Andreas)
Foto: FUNKE Foto Services
Zum ersten Mal kamen Schüler einer Partnerschule in Schanghai ans Burggymnasium – und lernten den deutschen Alltag kennen, mit Nutella und Mario Kart.

Essen.. Zur Begrüßung gibt es ein „White Rabbit“, ein süßes in buntes Papier eingewickeltes Milchbonbon. „Das kennen alle Kinder in China“, erklärt Yungang Zhang, Chinesischlehrer am Burggymnasium. Für die dreizehn Austauschschüler aus Schanghai ist die Süßigkeit ein kleines Stück Heimat in der Fremde. Zusammen mit fünf Lehrern sind sie für acht Tage nach Essen gekommen, haben den deutschen Schulalltag aus nächster Nähe erlebt.

„Vielen Dank für eine schöne Zeit“, sagt der 17-jährige Timo als er sein Teilnahmezertifikat von Schulrektorin Petra Schnell-Klöppel überreicht bekommt. Timo heißt eigentlich gar nicht so, sondern Yiwei Wang. Seine Deutschlehrerin Yun Wang hat ihm den Namen gegeben. „In meinem Unterricht dürfen sich die Schüler einen deutschen Namen aussuchen, damit sie sich auch wie Deutsche fühlen“, sagt Yun Wang. Für Simon Kühbacher und seine Eltern, die Timo aufgenommen haben, ist der Name eine Erleichterung. Der 14-Jährige sprüht vor Begeisterung, wenn er über die Woche mit Timo und Andreas, seinen beiden Austauschschülern, spricht. „Wir sind Freunde geworden“, sagt der Gymnasiast.

Nutella und Brot zum Frühstück

Schnell waren Gemeinsamkeiten gefunden. Nach der Schule haben die Jungs zusammen Karten gespielt und an der Wii „Mario Kart“ gezockt. Zu Beginn waren Simons Eltern nervös, waren unsicher, wie das mit den chinesischen Essgewohnheiten ist. „Ich hatte tausend Fragen“, erzählt Frank Kühbacher. Mit einer E-Mail hatte Yungang Zhang die Eltern auf das Eintreffen der Austauschschüler vorbereitet. Zum Beispiel wies er darauf hin, dass in China drei Mal täglich warm gegessen wird und Chinesen abends duschen und nicht morgens. „Das war alles kein Problem. Die Austauschschüler waren sehr höflich und aufgeschlossen“, sagt der deutsche Gastvater. Nutella und Brot zum Frühstück wurden gern angenommen.

Und sprachlich? „Erst habe ich Englisch gesprochen, aber das war gar nicht nötig. Die beiden sprechen sehr gut Deutsch“, erzählt Simon Kühbacher. Yiwei Wang und die anderen Austauschschüler lernen seit zwei Jahren zehn Stunden pro Woche Deutsch. Nach seinem Abschluss in China möchte der 17-Jährige in Deutschland studieren. Diesen Wunsch haben auch seine Mitschüler. Bei Wenqi Zhou soll es Maschinenbau werden und deshalb hat er in den Mathe- und Physikunterricht am Burggymnasium geschnuppert. „Leichter ist der Unterricht hier nicht“, sagt Wenqi Zhou. Doch die Klassen seien hier viel kleiner, überhaupt habe seine chinesische Schule viel mehr Schüler. Dort tragen die Schüler auch eine Uniform. In Deutschland müsste Wenqi Zhou das nicht, macht es aber trotzdem.

Messer und Gabel statt Essstäbchen

„Das ist Tradition“, sagt er schlicht. Mit seinem Gastbruder Joshua Hähnel war er bei Joshuas Handballtraining. Am Wochenende wollen sie Geschenke für Wenqis Familie kaufen. Bei der Frage nach kulturellen Missverständnissen schütteln beide den Kopf. „Mir ist nur aufgefallen, dass Wenqi nicht so gut mit Messer und Gabel essen kann“, wundert sich der 13-jährige Joshua. In China werden die meisten Mahlzeiten mit Essstäbchen gegessen.

„Beide Seiten haben viel über einander gelernt. Das Feedback ist sehr positiv“, resümiert Yungang Zhang. Simon Kühbacher und Joshua Hähnel wollen nach dieser Erfahrung im nächsten Jahr, wenn sie in die zehnte Klasse kommen, Chinesisch lernen. Schulleiterin Schnell-Klöppel plant, den Austausch fortzuführen. Erstmal geht es für 35 deutsche Schüler nach China. Mal sehen, wie gut sie mit den Essstäbchen zurecht kommen.

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