Der Wunschwald

Die Pflege und Entwicklung des Essener Waldes und das Konzept, das dahinter steht, erklärte Professor Volker Dubbel jetzt am Hallo.
Die Pflege und Entwicklung des Essener Waldes und das Konzept, das dahinter steht, erklärte Professor Volker Dubbel jetzt am Hallo.
Foto: WAZ FotoPool

Essen. Wer ein Herz für Bäume hat, sollte sich nicht grämen, wenn er in diesen Tagen Auszubildende aus der Forstabteilung des städtischen Eigenbetriebes Grün & Gruga dabei beobachtet, wie sie im Wäldchen an der Langemarkstraße am Hallo gleich dutzenden Stämmen mit der Motorsäge zu Leibe rücken. Das Fällen der Bäume ist ausdrücklich erwünscht – und das nicht nur zu Ausbildungszwecken.

„Wald ist ein ständiges Objekt der Erkenntnis“, sagt Volker Dubbel. Das klingt sehr philosophisch. Aber der Mann ist schließlich Professor. Nicht für Philosophie, für Waldschutz und Waldbau an der Fakultät für Ressourcenmanagement, und als solchen hat Grün & Gruga ihn eingekauft.

Finger weg

Dass es so nicht weitergehen konnte, wie es lange Jahre die Regel war, einfach wachsen lassen nämlich, zu dieser Erkenntnis war die Stadt schon Ende des vergangenen Jahrtausends gekommen. Da lag der Fäll-Stopp, den der amtierende Umweltdezernent Ende der 80er Jahre erlassen hatte, schon ein Jahrzehnt zurück. Seinerzeit waren Bürger auf die Barrikaden gegangen, als die Stadt im Borbecker Schlosspark und auf der Margarethenhöhe ausgewachsene Bäume umhauen ließ, dass es nur so krachte. Fortan hieß es: Finger weg. Mit der Folge, dass das Grün sprichwörtlich wucherte wie Unkraut.

Heute geht die Stadt in Sachen Forstwirtschaft behutsam vor. So behutsam wie Professor Dubbel, als er im Wäldchen am Hallo ein hüfthohes Ahornbäumchen inspiziert. Sechs Jahre alt sei das Bäumchen. Davon gibt es viele am Hallo. Ahorne, Hainbuchen, Eschen – auf nur wenigen Quadratmeter teilen sich zahlreiche Arten den Lebensraum. Diese Artenvielfalt will die Stadt erhalten und fördern. Täte sie es nicht, setzten sich im Wettbewerb ums Sonnenlicht allein die Buchen durch, erläutert Dubbel.

Vorsichtig mit Bäumen umgehen

Einige Stämme, ihr Durchmesser misst vielleicht dreißig Zentimeter, fallen durch orangefarbene Markierungen. Es sind etwa 40 Jahre alte Stämme, gemessen an der Lebenserwartung Heranwachsende. Und es sind Auserwählte, denn sie sollen überleben und wachsen, bis sie ab halber Höhe eine mächtige Krone tragen. Andere, mit weißen Punkten markierte Stämme, haben weniger Glück. Sie werden gefällt. Wer zu nah dran steht an den Auserwählten, wird dieses Schicksal teilen.

Professor Dubbel spricht von Umbau und von Nachhaltigkeit und sagt, die Stadt sei auf einem sehr guten Weg. Für den braucht sie einen langen Atem. 60 bis 80 Jahre werden vergehen, bis Essens Wälder so vielfältig und gesund sind, wie es sich die Bürger wünschten. So lange heiße es, vorsichtig mit den Bäumen umzugehen. Auch wenn das Fällen dazu gehört.

 
 

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