Der Sound der Stadt

Tonkünstler Frank Schulte sammelt die liebsten Klangorte der Essener Bürger und nimmt sie auf. Foto Alexandra Roth / WAZ FotoPool
Tonkünstler Frank Schulte sammelt die liebsten Klangorte der Essener Bürger und nimmt sie auf. Foto Alexandra Roth / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool
Mehr als 300 Essener haben für das Kunstprojekt „Klang-Orte“ ihre Lieblingsgeräusche aufgeschrieben. Die Komposition wird am 13. Juni aufgeführt

Essen. „Das Brummen des Zeppelins über der Stadt“ schreibt Regine Kehler fein säuberlich auf die Karte, die ihr der Klangkünstler Frank Schulte gereicht hat. Warum gerade dieser Klang zu ihren Lieblingsgeräuschen gehört, erklärt die 82-Jährige sofort: „Dann weiß ich immer, dass Sommer ist.“ Auch Mariele Haefcke muss nicht lange überlegen: Das Rauschen der Bäume, das Lachen der Kinder beim Spielen soll Frank Schulte in der Katernberger Bergarbeiterkolonie Hegemannshof für sie konservieren. „Das ist für mich ein besonders schöner und anheimelnder Ort.“

Schulte muss in den nächsten Wochen mit seinen Richtmikrofonen und Aufnahmegeräten viel in Essen unterwegs sein, will er all die Geräusche und Klangkulissen aufnehmen, die sich die Bürger wünschen. Den vierten Tag steht er jetzt mit seinem mobilen Tonstudio am Willy-Brandt-Platz und lässt sich von den teilnehmenden Essenern inspirieren. Mehr als 300 haben ihre persönlichen Klang-Vorstellungen abgegeben.

Mit Menschen ins Gespräch kommen

Aber der Kölner Klangkünstler fängt nicht nur Geräusche ein, er will vor allen Dingen mit den Menschen ins Gespräch kommen. Und manche Soundgeschichte direkt in Form eines kleinen Statements aufnehmen. Wie die Hörgeschichte einer Essenerin, die lebhaft von der multikulturellen Klangkulisse des Uni-Flohmarktes schwärmt. Auch das gehört zu seiner Kunstaktion „Klang-Orte“, die Schulte zum Kulturpfadfest am 13. Juni veröffentlichen wird. Seine Komposition nennt er den „Sound der Stadt“.

Bis jetzt hat der Tonkünstler über 90 verschiedene Geräusche, vornehmlich im Innenstadtbereich, festgehalten; sie sind als Klangpunkte auf einer kostenlosen App installiert.

Klänge werden mit Heimat verbunden

Einige davon spielt er heute den Bürgern vor: So ist das Dauerrauschen, das aus den Lautsprechern dringt, nicht etwa die A40 - „Mal will es kaum glauben, aber diesen Verkehrslärm habe ich im Innern der Alten Synagoge aufgenommen“. Die nächste Kostprobe ist schneller identifizierbar: Wassergeräusche und Entengeschnatter. „Gruga oder Stadtgarten?“ rätselt eine Zuhörerin. Der Stadtgarten lautet die Lösung.

Es gibt viele Übereinstimmungen bei den Klängen, die die Essener mit ihrer Heimat verbinden: Zollverein wird genauso häufig genannt, wie die Geräuschkulisse im Hauptbahnhof oder das Quietschen der Straßenbahnen. Aber auch ganz persönliche Klangerinnerungen sind dabei: „Die Glocken von der Katernberger Kirche St. Joseph“ möchte ein Bürger noch mal hören: „Sie haben mich während meiner ganzen Jugendzeit jeden Tag um sechs geweckt.“

 
 

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