„Der Neubeginn der FDP hat mich nicht überzeugt“

Frank Stenglein
FDP-Ratsherr Andreas Hellmann sähe seine Partei lieber auf eine marktliberale Richtung abonniert. In Essen macht er allerdings auch selbst viele Kompromisse.
FDP-Ratsherr Andreas Hellmann sähe seine Partei lieber auf eine marktliberale Richtung abonniert. In Essen macht er allerdings auch selbst viele Kompromisse.
Foto: WAZ FotoPool
Der 25-jährige Andreas Hellmann sitzt für die FDP im Rat der Stadt und wirbt für einen Liberalismus, der marktwirtschaftliche Grundsätze hochhält. Das Ausgrenzen der Euro-Gegner beim jüngsten Parteitag hat ihn enttäuscht. Beim Thema Messe wird er allerdings selbst einsilbig.

Essen. Politisch aktiv sein in der FDP - so richtig vergnüglich ist das derzeit nicht unbedingt. Auch andere Parteien kriegen zwar im öffentlichen Meinungsstreit mal was auf die Mütze, aber bei den Liberalen muss man angesichts der Dauerhäme schon ziemlich hartgesotten sein, um dabeizubleiben. Einen, den der Spott anscheinend nicht groß anficht, ist Andreas Hellmann. Der heute 25-jährige Jura-Student aus Bredeney zog 2009 als damals jüngster in den Rat der Stadt ein und kann dank eines guten Listenplatzes 3 hoffen, auch nach der nächsten Kommunalwahl im Mai 2014 wieder dabei zu sein - vorausgesetzt die Liberalen bleiben nicht deutlich unter drei Prozent, was aber natürlich möglich ist. Denn dass die Krise der Partei auch im Lokalen Folgen hat, kann als nahezu sicher gelten. Von 6,4 Prozent und fünf Sitzen wie 2009 ist die FDP derzeit vermutlich weit entfernt.

Hellmann findet übrigens, dass die Bundes-FDP sich ihr Scheitern redlich verdient hat. „Diese Form des wachsweichen Liberalismus ist zu Recht abgewählt worden“, befindet er. Zu wenig Haltung, zu wenig marktliberale Klarheit, zu viel faule Kompromisse im Sinne einer „sozialdemokratisierten“ CDU - das attestiert der 25-Jährige der Bundespartei, und auch der am Wochenende vollzogene Neuanfang mit Christian Lindner „hat mich nicht überzeugt. Es war nicht klug von Lindner, den Euro-kritischen Flügel so abzukanzeln.“ Hätte die FDP die EU-Skepsis vieler Bürger aufgegriffen, statt sie der „Alternative für Deutschland“ zu überlassen, „dann wären wir im Bundestag geblieben“, meint Hellmann, der sich fröhlich zu wirtschaftsliberalen und eher staatsskeptischen Grundsätzen bekennt und sich davon mehr Stimmen verspricht als von einer FDP, „die dem Zeitgeist hinterherrennt“.

Auch in Essen hat es gedauert, bis Hellmann mit dem deutlich beweglicheren Liberalismus seines Fraktionsvorsitzenden Hans-Peter Schöneweiß seinen Frieden gemacht hat. Er war Teil von jenen in der Essener FDP, denen die Zusammenarbeit im Viererbündnis mit CDU, Grünen und EBB mitunter ein wenig zu kuschelig war. Richtig weit aus dem Fenster lehnen will Hellmann sich derzeit allerdings um des lieben Friedens willen nicht, auch nicht beim Reiz-Thema Teilneubau der Messe. Kann ein erklärter Marktliberaler die dauerhafte Subventionierung einer städtischen Ausstellungsgesellschaft wirklich richtig finden? Der sonst so Meinungsfreudige schweigt. Nur soviel: „Ein schwieriges Feld.“

Der Parteigeschäftsführer der Grünen erzählt jedenfalls gerne, dass unter den Unterschriftensammlern auch ein Freidemokrat war. Das war allerdings nicht Hellmann. Sonst hätte ihn der kleine Parteitag der Essener FDP kaum so weit oben auf die Liste gesetzt. So viel Anpassung an die Parteiräson muss dann offenbar doch sein.