Der etwas andere Chorleiter

Werden..  Er ist ausgebildeter Musiker und Komponist, unterrichtet an der Folkwang-Musikschule und der Freien Waldorfschule Mülheim und ist nebenberuflich künstlerischer Leiter des VHS-Chores „Voices on the Rocks“. Mit dem hat der Werdener Jochen Weber nun auch beim großen WDR-Wettbewerb für musikalische Unterhaltung mitgemacht: „Der beste Chor im Westen“. Leider unter etwas unglücklichen Umständen. Doch der Reihe nach.

„Musik ist für mich Notwendigkeit. Es hat sich so ergeben, und ich musste es tun, weil es zu meinem Leben gehört hat.“ Ein wenig hat es indes bei Jochen Weber gedauert, bis der musikalische Funke zündete. Recht spät – mit elf Jahren – begann er mit dem Klavier, mit der Posaune erst mit 16, und mit dem Komponieren gar erst mit 22 Jahren.

Nach dem Studium an der Folkwang gab es dann nur noch die Musik. Erstes Engagement beim Zelttheater „Compagnia Buffo“ von Willi Lieverscheidt, musikalische Leitung des Stadttheaters Senftenberg, organisatorische Leitung der Weltmusiktage 1995, eigene Projekte für zeitgenössische Musik, die große Produktion „Aus dem Leben eines Angestellten“ für die Kulturhauptstadt Weimar und mehr. Ende der 1990er-Jahre kehrte Weber zurück nach Essen, übernahm Lehrtätigkeiten - und: „Voices on the Rocks“.

Gegründet wurde der heutige Rock-, Pop- und Musicalchor der Volkshochschule 1991 von Daniel Kottnauer. 1998 übernahm Weber - und krempelte das Emsemble um. Neuer Name, neuer Stil, so Webers Mission. Bereits nach vier Monaten hatte sich der Chor neu erfunden und zeigte erstmals seinen veränderten, ungewöhnlichen Stil. „Wir sind kein klassischer Chor, sondern eher ein Ensemble, das mit vielen Sängern Rockmusik macht“, so Weber.

Er stellte das Repertoire auf den Kopf, arrangierte Musical-Hits wie „Time Warp“ (Rocky Horror Show) oder Hymnen wie „Bohemian Rhapsody“ völlig neu. „Wir klingen nicht wie ein klassischer Chor, sondern erhalten den ursprünglichen rockigen Charakter der Stücke“, erklärt der Musiker, der sich bei der Probe stets ebenso fokussiert wie bei seinem Hobby, dem Boxen. Vor rund sechs Jahren erweiterte Choreographin Kerstin Neuhaus die kostümierten Auftritte des rund 30-köpfigen Ensembles um Tanz- und Soloeinlagen. „Voices on the Rocks“ ist längst kein Chor „von der Stange“ mehr.

Was man beim besagten WDR-Event gern einer breiten Öffentlichkeit zeigen wollte. Doch die Teilnahme verlief nicht nach Wunsch. „Ich dachte, in den Wettbewerb würden wir passen“, sagt Weber. „Aber dann sollten wir Songs unter dem Motto ,Unsere Idole’ präsentieren. Wir sind doch keine 14 mehr“, so der fünffache Vater. Zudem hätten beim Vorentscheid in Duisburg nacheinander Beleuchtung und Soundanlage gestreikt. „Unsere Solisten waren gar nicht zu hören“, kommentiert er das Aus im Wettbewerb, das ihn weit weniger wurmt als die Umstände. Chor und Leiter werden es verschmerzen. Im Januar drehen sie ein Live-Video im Rüttenscheider Katakomben-Theater.

 
 

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