Der blinde Eifer des Essener Awo-Chefs

Frank Stenglein
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Die Arbeiterwohlfahrt will AfD-Mann Guido Reil als Mitglied loswerden, dies aber nicht ordentlich begründen. Der AfD spielt er so in die Hände.

Essen. Vereine, Verbände, Parteien – sie alle haben das Recht, sich ihre Mitglieder auszusuchen und bei Neuen genau hinzuschauen. Wer aber einmal drin ist, den wird man meist so schnell nicht wieder los, weil ein Rauswurf juristisch vor hohen Hürden steht. Die Meinungsfreiheit zählt im Zweifel mehr als die Neigung von Vorständen, Mitglieder abzustoßen, die - warum auch immer - nicht mehr gut gelitten sind.

Man nennt das Rechtsstaat. Und dem sollte sich auch Essens Awo-Geschäftsführer Oliver Kern verpflichtet fühlen, der seinen früheren SPD-Parteifreund Guido Reil nicht mehr bei sich dulden will. Natürlich kann man der Meinung sein, dass die Werte der Awo und der AfD sich generell ausschließen und dass ein Mitglied Reil der Arbeiterwohlfahrt schweren Schaden zufügt. Das muss dann aber eben im Detail belegt werden, wie es das Schiedsgericht der Awo Niederrhein auferlegt hat. Wenn die Awo Essen sagt, Reil liefere Ausschlussgründe in Hülle und Fülle, braucht sie diese doch nur schlüssig vorzutragen.

Dass Kern genau dies bisher versäumte, ist ein Armutszeugnis. Vielleicht weiß er aber schon längst, dass er spätestens vor Gericht scheitern wird. Dann wäre es wohl klüger gewesen, einen Reil auszuhalten statt sich in blindem Eifer weit aus dem Fenster zu lehnen. In jedem Fall spielt der Vorgang der AfD direkt in die Karten. Dort liebt man es, wenn Gegner über die hingehaltenen Stöckchen springen.