Der Bahnstreik bremst auch die Essener Wirtschaft aus

Im Essener Hafen werden durch den Streik bei der Bahn weniger Güter umgeschlagen.
Im Essener Hafen werden durch den Streik bei der Bahn weniger Güter umgeschlagen.
Foto: WAZ FotoPool
Im Essener Hafen werden wegen des Streiks der Lokführer in den kommenden Tagen deutlich weniger Güter umgeschlagen. Betriebe, die auf die Lieferungen per Bahn angewiesen sind, können nicht wie geplant weiter produzieren. Sie müssen umplanen oder suchen sich alternative Transportwege.

Essen. Thorsten Schmidt ist Eisenbahnbetriebsleiter im Hafen Essen. Wie Tausende Berufspendler ist auch Schmidt vom Bahnstreik betroffen. Allerdings stellt sich für ihn nicht nur die Frage, wie er zur Arbeit kommt, sondern ob und wie viel er dort überhaupt zu tun haben wird. 150 000 Tonnen Güter schlägt der Hafen in Essen jährlich allein mit der Deutschen Bahn um. Sie ist damit der größte Lieferant. „Ich rechne allerdings damit, dass wir am Donnerstag und Freitag keine Waren mit der DB bekommen“, sagte er am Mittwoch vor Streikbeginn. Auch beim jüngsten Streik vor wenigen Wochen war das so.

Der viereinhalbtägige Streik ist für den Hafen zunächst zwar kein großes Problem, solange die Kunden nicht auf andere Transportwege ausweichen. „Dann entgeht uns natürlich das Geschäft.“ Schmidt macht sich vor allem Sorgen, dass sich Unternehmen nach den frustrierenden Streikerfahrungen der vergangenen Monate langfristig von der Bahn abwenden könnten. „Das würde uns dauerhaft schaden.“

Allerdings gibt es Essener Firmen, die ihre Rohstoffe über den Hafen und die Bahn beziehen, und die nicht einfach auf den Lkw ausweichen können. Ein Beispiel ist der Stahlverarbeiter von Schaewen. Dessen Werk in Vogelheim hat einen eigenen Gleisanschluss und erwartet am Freitag eigentlich die Lieferung einer 50 Tonnen schweren Stahlplatte. Doch schon am Mittwoch wusste man dort, dass diese nicht pünktlich ankommen wird. Die Folgen sind gravierend: „Wir können nicht wie geplant weiter produzieren und müssen umplanen“, sagte Marketingleiter Patrick Schwarz.

Banger Blick auf die Lagerbestände

Umplanen heißt: Mitarbeiter müssen Überstunden abbauen oder ihr Stundenkonto belasten oder werden an anderen Stellen im Werk eingesetzt. Ob von Schaewens Kunden am Ende Verständnis haben werden, wenn Maschinenteile wegen des Bahnstreiks nicht rechtzeitig fertig werden? Patrick Schwarz: „Irgendwann hört natürlich das Verständnis auf. Wir haben fixe Verträge und müssen dann auch mit Vertragsstrafen rechnen.“

Obwohl der Ausstand nach Meinung der Gewerkschaft GDL rechtzeitig angekündigt war, ist es für Firmen wie von Schaewen dennoch viel zu spät, um zu reagieren. Die Stahlplatten kommen aus der Ukraine oder Italien und sind bereits tagelang vorher unterwegs. „Da können wir nichts mehr machen“, so Schwarz.

Auch das Chemiewerk des Evonik-Konzerns in der Goldschmidt-Straße wird per Bahn mit Rohstoffen für die Produktion beliefert. Dort sind die Folgen des Streiks am Mittwoch noch nicht absehbar gewesen. „Für Evonik hängen die Auswirkungen von der Streik-Dauer ab“, so ein Sprecher. Denn entscheidend ist, wie lange die Bestände im Lager auf dem Gelände ausreichen. Sollte Nachschub notwendig sein, dann will Evonik auch auf andere Transportmittel zurückgreifen.

Wenn allerdings mehr Lieferungen über die Straße abgewickelt werden, dann dürfte es auf den ohnehin derzeit vollen Routen in und um Essen noch dichter werden.

 
 

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